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Berlin: Clubkommission erteilt Absage an Massentourismus


Langsam haben es auch die älteren Herren aus der Politik verstanden: Das Nachtleben ist eine der wichtigsten Einnahmequellen Berlins und zieht jedes Wochenende Massen von Menschen in seinen Bann. Jetzt möchte auch das politische Etablissement ein Stück vom Kuchen und versucht, Touristen Berlin als Feier-Metropole schmackhaft zu machen. Ein Beispiel dafür ist ein Wahlwerbespot der Berliner CDU, gedreht im Freiluft-Club Klunkerkranich in Neuköln. Doch dafür hat die gut-bürgerliche Partei mit einem Hang für mehr Sicherheit leider keine Drehgenehmigung erwerben konnte, sodass das Video schnell wieder aus dem Netz genommen wurde. Auch die FDP versuchte krampfhaft mit einer Plakat-Aktion vor dem Berghain auf sich aufmerksam zu machen. Jetzt hat die Berliner Clubkomission reagiert und einer Anfrage des Stadtmarketings eine Absage erteilt:

Auf eine Anfrage für Bild- und Videomaterial für einen Film der zeigen möchte,“ was alles zu erleben ist in Berlin, an 365 Tagen pro Jahr und 24 Stunden pro Tag“ gab der Pressesprecher der Clubcommission, Lutz Leichsenring eine klare Antwort, zu lesen auf der Facebook-Page der Clubkomission Berlin.

„Sehr geehrte Damen und Herren,

nach Rücksprache mit einigen Clubbetreibern muss ich Ihnen mitteilen, dass von Seiten der von uns vertretenen 220 Mitgliedern nur sehr geringes Interesse besteht, sich an der Kampagne zu beteiligen.

Kampagnen dieser Art werden als eher kontraproduktiv angesehen. Der vermittelte Eindruck, Berlin sei ein großes Vergnügungsviertel, in dem man jederzeit und überall feiern könne, sorgt an vielen Stellen für Konflikte mit Anwohnern. Berlins Nachtleben genießt international einen sehr guten Ruf, weil es (noch) keine 08/15 Ausgehmeile ist. Eine Darstellung der Clubs und ihrer Besucher in einer Stadtmarketingkampagne birgt die Gefahr, unauthentisch zu wirken. Sie werben in einem Atemzug mit Sportveranstaltungen, Festivals und Stadtrundfahrten – mit bunten Bildern und wenig Inhalten.

Anders als eine gezielte Ansprache von Kultur- und Musikinteressierten spricht Ihre Kampagne ein Massenpublikum an. Das ist unerwünscht. Aus diesem Grund werben Clubs auch gezielt in Nischenmedien oder über Soziale Medien.

Wir würden uns vielmehr wünschen, wenn Sie Clubs bei deren Bemühungen ein internationales, kulturinteressiertes Publikum über Inhalte zu erreichen, unterstützen würden und auf eigene inhaltsleere Kampagnen zu verzichten.

Bei Interesse an einem Austausch mit unseren Mitgliedern kann ich gerne entsprechende Kontakte herstellen.

Viele Grüße,

Lutz Leichsenring
Pressesprecher Clubcommission e.V.“

Techno-Aktivismus par excellence!

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