Berliner Underground-House-Label: keine Jubiläumsfeier wegen Szenewandel

Berliner Underground-House-Label: keine Jubiläumsfeier wegen Szenewandel Foto-Quelle: Facebook

Zur Enttäuschung vieler Anhänger eines etablierten Berliner Underground-House-Labels wird es in diesem Jahr keine Jubiläumsfeier geben. Der Label-Head lieferte via Social Media eine Erklärung – und holte gegen die derzeitige Szene und deren Wandel aus.

Seit 2012 besteht das in Berlin ansässige, unkommerzielle Underground-Label Steyoyoke, auf dem seitdem vom Mainstream unabhängige Releases aus Genres wie Deep House, House, Tech-House, Progressive House und Techno erscheinen. Mit dem Ethereal Techno, mit dem sich das Label auszeichnet, hat man zudem ein ganz eigenes, neues Subgenre vor wenigen Jahren ins Leben gerufen. Im Vordergrund steht die Liebe und Förderung zur und von Musik und keine monetären Interessen. In der Vergangenheit wurde etwa ein Fundraising-Modell angewandt, um die Finanzierung eines Albums zu gewährleisten.

Label-Initiator Soul Button, mit richtigem Namen Christian Legno, wandte sich jetzt an die Community und erklärte, warum es in diesem Jahr keine Jubiläumsparty zum 13-jährigen Geburtstag des Labels geben werde. Dabei rückt er die allgemeine Szene der elektronischen Musik nicht gerade in ein gutes Licht.

Sein Label sei stets ein Undergroundprojekt für die Szene gewesen, die Musik und Gemeinschaft hätten im Vordergrund gestanden – Sponsoren und dicke Line-ups hingegen nicht.

Unter den heutigen Bedingungen in der Clubkultur sei die Realisierung einer Party, die einen solchen Ansatz ermöglicht, jedoch nicht realisierbar – zumindest nicht an den Wochenenden. Legno habe mehrere Clubs angefragt für eine Geburtstags-Label-Nacht. Er habe jedoch nur „tote Tage“, wie etwa einen Mittwoch, als Angebote erhalten.

Sein Vorwurf an die Clubs: es ginge nur noch um Hypes und große Headliner an Stelle der Musik. Zudem seien Ticketpreise überhöht. Doch es trifft den Musikliebhaber noch härter. Schon in der Vergangenheit wetterte Soul Button gegen Trends und Hype. Letztjährig bezeichnete er Releases des ebenfalls in Berlin ansässigen, international gehypten Labels Afterlife als „Bullshit“. Wir berichteten.

Da Makabere: genau nach jenen Acts hätten Clubs außerhalb Berlins gefragt, als Soul Button dort nach der Möglichkeit zu einer Jubiläumsnacht angefragt habe. Diese wollten, dass man einen Act von Afterlife als Headliner mitbringen würde. Ein Schlag ins Gesicht, für jemanden, der noch vor wenigen Monaten genau dieses Label stark kritisiert hat – und scheinbar ein Grund genug, das geplante Jubiläum des eigenen Labels ausfallen zu lassen.

Soul Button dazu: „Ich habe Steyoyoke aufgebaut, um der Underground-Musik treu zu bleiben, nicht um Trends hinterherzulaufen. Ich möchte lieber weiterhin qualitativ hochwertige Musik veröffentlichen und unsere Community aufbauen, anstatt Kompromisse mit einer Szene einzugehen, die ihre Seele verloren hat.“ – was bei Afterlife nach Meinung von Soul Button schließlich der Fall ist.

Der DJ und Produzent entschuldigte sich höflich, stellte aber auch klar, dass er „Integrät immer über den Hype stellen“ werde und sich weigere den „kommerziellen Weg zu gehen“. Das nennen wir mal Rückgrat.

Der originale Post von Soul Button im Englischen:

Das könnte dich auch interessieren:

Berliner House-Produzent bezeichnet Afterlife-Releases als Bullshit

Erfinder des Ethereal Techno: Steyoyoke Recordings releast „Affinity“-Album (+Gewinnspiel)