Blindflug in die nächste Welle: Massenaussterben der Clubs im Herbst?

Es ist kein Geheimnis, dass die Kulturbranche von der Pandemie hart getroffen wurde. In der Vergangenheit zu sprechen wäre allerdings fatal, denn sie ist nicht vorbei und der nächste Herbst steht bevor. Deutschland scheint es allerdings erneut zu verschlafen, sich richtig vorzubereiten.

Auf Einladung des Bundesverbands LiveKomm trafen sich am gestrigen Donnerstag deshalb rund 40 Mitglieder des Deutschen Bundestags, sowie deren Mitarbeiter, Journalisten, Menschen aus Clubs und deren Netzwerken, aus Wissenschaft und Behörden im Ritter Butzke in Berlin.

Das Ziel: Über die Clubkultur und ihre Aussicht auf den Herbst zu sprechen. Den Startschuss machte das Parlamentarische Forum Festival- und Clubkultur, eine interfraktionelle Interessengemeinschaft von Parlamentariern. Wenn in diesem Rahmen mit Caren Lay und Hagen Reinhold zwei Abgeordnete von Die Linke und FDP zusammen auf der Bühne stehen, muss die Lage ernst sein. Und sie ist es.

Der Status Quo ist ernüchternd. Im Schatten des russischen Invasionskrieges gegen die Ukraine fällt beinahe unter den Tisch, dass Deutschland einmal mehr die Vorbereitung auf den kommenden Herbst zu verschlafen droht. Weder Maßnahmen noch Pläne sind bekannt, vom Virusmutationsstand ganz zu schweigen.

Es ist praktisch völlig unklar, was der Gesellschaft, dem Gesundheitssystem und der Festival- und Clubkultur im Herbst droht – und der steht in wenigen Monaten bereits vor der Tür. Klar wurde auf der Veranstaltung eines: der Branche sowie ihren Gästen wären erneute Schließungen kaum noch zuzumuten.

So wurde über die vielen vernünftigen Konzepte und Modellversuche zum Risikomanagement gesprochen, das erfolgreiche Wiener Modell kostenfreier PCR-Tests diskutiert und darüber debattiert, wie ein „blindes Laufen in den Herbst“, vermieden werden könnte.

Das Ergebnis dieser Debatte: Kultur- und Gesundheitspolitik müssen besser vernetzt werden mit Vertretern der Kultur- und Clubszene und auch der Wissenschaft. Einige Abgeordnete sagten zu, sich um entsprechende Termine zu kümmern, das Bundesgesundheitsministerium einzubinden und weiteren Dialog anzuschieben.

Es wird eine Herausforderung sein, den Menschen nach mehr als zwei Jahren Pandemie Klarheit zu schaffen und die Möglichkeit zu geben, Clubtüren offen zu halten. Es braucht eine bundesweit einheitliche Umsetzung von Maßnahmen und wir sind gespannt, wie sich Deutschland in den kommenden Wochen darauf einstellen wird.

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