blond:ish



Die beiden aus Montreal stammenden und mittlerweile in London lebenden Anstascia D’Elene und Vivie-Ann Bakos aka Blond:ish haben in den vergangenen Jahren mehrere EPs wie „Lovers In Limbo“, „Inward Visions“ und „Wunderkammer“ auf dem Kölner Traditionslabel Kompakt veröffentlicht. Nun folgte am 23. Oktober an selber Stelle mit „Welcome To The Present“ ihr Debütalbum. Hypnotisch, dunkel, verzaubernd und geheimnisvoll zugleich präsentieren sich die beiden Blondinen samt eingehender, mystischer Vocals.

Dabei orientieren sich die zwei, die seit 2008 eine Residency im Cherry Club in Montreal spielen, allerdings weniger am Clubkontext, sondern tauchen vielmehr in die Tiefen der Elektronika ein. Anstascias Energie und kreativer Funkenschlag reiben sich immerfort an Vivie-Anns nerdig-analytischer Herangehensweise – auch hier beweisen sie ihre gebündelten Synergien, in diesem Fall in elf Tracks. „Wir hatten ehrlich gesagt nie wirklich vor, ein clubbiges Dancealbum zu machen. Wir hatten schon immer vor, unsere Perspektiven zu erweitern und uns künstlerisch auszutoben. Das haben wir im Grunde genommen zwar immer gemacht, aber noch nie auf so einem Level. Und bei EPs ist es ebenfalls schwierig, alles in solch eine Richtung zu lenken. Wir wollten eine Geschichte erzählen, auf eine Reise gehen und eine Message mit der Musik senden, die hoffentlich weit mehr als nur die 60-minütige Spieldauer anhält. Unsere Absicht war, ein zeitloses Album zu schaffen, das auch unser Leben ein wenig spiegelt, gepaart mit unzähligen Reisen durch dieses Universum.“ Insgesamt haben sie knapp über sieben Monate für die Produktion des Langspielers gebraucht, von denen einige Zeit nur das Mixen in Anspruch nahm, erzählt Anstascia: „Vivie und ich beginnen in der Regel damit, Ideen getrennt voneinander in Ableton umzusetzen. Wenn wir dann etwas Spruchreifes haben, tragen wir die Ideen zusammen und reden darüber. Vivie liebt es, stundenlang am Groove eines Tracks zu arbeiten, während ich mindestens genauso lange an Sounds herumschraube, um die Melodie hinzubekommen, die mir gerade im Kopf herumschwirrt. Ich würde behaupten, unser Liebingstool aktuell ist ‚Electro Harmonix Stereo Memory Man Delay‘.“

Labelchef Michael Mayer fragte Anstascia und Vivie bereits vor über zwei Jahren nach einem Album. 2014 mit einem Projekt angefangen, fühlten sie, dass es nicht der richtige Zeitpunkt dafür war. Unzählige Field-Recordings während der Tour im Dezember in Zentral- und Südamerika wurden gemacht – quietschende Türen, Vögel, Straßenmusiker. „Wir wollten kleine Momente wie ein Zeitraffer in das Album integrieren“, erzählt Vivie, „Im Januar haben wir uns dann ein Studio eingerichtet, inmitten des Dschungels in Tulum, Mexiko. Es hat über sechs Wochen gedauert, sämtliche Sounds zusammenzuführen und noch weitere Musiker aufzunehmen.“ Der letzte Feinschliff inklusive Tracktitelauswahl wurde dem Werk dann im April während der Tour in Indien bzw. anschließend in Berlin verpasst. Mit „Endless Games“ ist im August dann die erste Single aus „Welcome To The Present“ erschienen. Mit dabei sind zwei Remixe von Kompakt-Act Patrice Baumel. „Wir haben definitiv vor, eine weitere Remix-EP des Albums zu veröffentlichen und sind gerade mit einigen Leuten in Kontakt. Sie dürfen sich aussuchen, ob und welcher Track für sie in Frage kommt. Und wir sind sehr gespannt, wie das Endergebnis aussehen wird.“

Generell sehen Anstascia und Vivie das Jahr 2015 als so etwas wie einen Eye Opener: „Die Zeit in Mexiko, Indien, Südamerika und noch weitere Wochen in Beirut – in der wir viel gegessen haben – oder auch Yoga auf Ibiza, wir hatten ein fantastisches Jahr, dass wir nun mit dem Album abrunden können.“ Nach der noch anstehenden Albumpromotion steht für November Zeit mit der Familie in Tulum, respektive Montreal auf dem Plan. Anschließend soll die Premiere ihrer geplanten Live-Show gefeiert werden – mit Gigs zwischen Europa und den Staaten. / Rafael Da Cruz

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