Springende Artisten, eine halbnackte Frau, extravagante Kostüme und am Mikro ein Sänger mit Erobererkutte, Maske und Kriegsbemalung. Wer Bonaparte nicht kennt, könnte meinen, er sei bei einer Freakshow gelandet. Doch Fehlanzeige. Hinter all dem Chaos und der damit verbundenen Improvisation steckt viel Konzept und eine tiefe Message. Bonapartes Live-Performance grenzt an ein Schlachtfeld und schreibt deren selbstgemachtes Konzept. Mit melodischen Gitarrenriffs und analogen Synthesizern bewegt sich die Bande irgendwo zwischen Indie, Punk, Electronica und Trash. Nach zwei bisher veröffentlichten Longplayern – “Too Much“ (2008) und “Horse Like You“ (2010) – haben es Bonaparte längst auf die etabliertesten Festivals geschafft und veröffentlichen am 17. August auf Staatsakt/Warner ihr drittes Konzeptalbum. Wir unterhielten uns mit dem gebürtigen Schweizer und Frontman Tobias Jundt und erfuhren etwas mehr über die in Berlin ansässige Band und ihr kommendes Album „Sorry, We’re Open“.


“In der Zeit, als ich mit meinem kleinen Rallye-Auto viel in Europa umhergefahren bin, mir Fähnchen auf meiner Landkarte gesteckt, meine Welteroberung oder auch Musikreise begonnen habe, traf auf mich der Name und die Einstellung Napoleon Bonapartes voll zu. Dazu identifiziere ich mich auch gerne mit Schlachten, die man gewinnt. Passend gehört die Kriegsbemalung, die sich wie ein Ritual vor einer Schlacht ins Gesicht geklatscht wird, dazu. Das gibt einem die gewisse Kraft, dann weiß man, es geht los, man ist in der Bühnenrolle drin.“ Stehen die bis zu acht Mitglieder bei einem Konzert dann auf der Bühne, beginnt das Chaos. Trotz allem Durcheinander bildet das Kollektiv laut Jundt einen Rahmen. Innerhalb dieses Rahmens hat jedes Bandmitglied seinen eigenen Freiraum für Improvisation. “Wir planen schon grob gewisse Performances oder was zu einem Song gut passen könnte, aber dann ist bei uns auch ganz viel Spielraum. Ohne diesen wären wir bloß ein Musical und keine Liveband. Wir drücken nicht einfach nur Play und dann gehts ab. Sobald wir live spielen, wollen wir alle  für unsere Kreativität den nötigen Freiraum haben. Kreativ sein heißt, sich gegen das Konforme zu wehren. Bei uns wählt jeder seine eigene Waffe und  unsere gemeinsame ist eben die Kunst.“ Die beiden ersten Alben von Bonaparte zeichneten sich durch ein klares Grundkonzept aus. Tobias legt dabei sehr viel Wert auf ein Überthema. Seinen neuen Longplayer lehnt er an seine Tourerfahrungen an, die er mit einer Schiffsreise vergleicht: “Bei uns geht es immer wie bei einer Fahrt mit hohem Seegang zu. Wir reisen in die verschiedensten Richtungen, haben jede Menge Interviews dazwischen, und man bekommt auf so einer Reise einfach dieses Gefühl, das es kein Zurück mehr gibt.“ Im Gegensatz zu den vorherigen Alben, die bislang immer mehr oder weniger “on the road“ entstanden sind, hat sich Tobias nun für ein erstes Studioalbum mit festem Sitz in Berlin entschieden. “Wir wollen immer mehr die Sounds aufnehmen, die man auch hört. Keine virtuellen Midis, sondern echte Instrumente. Ich wollte diesmal bewusst ein lebendiges, menschliches Album. Wir haben uns grade im Sounddesign sehr weiterentwickelt. Das neue Album ist ein Gemisch aus Live-Drums und analogen Synthesizern. Ein Album, das man anfassen kann. Eben ein dreidimensionales Album.“ Ab Oktober geht Bonaparte dann auf Tour, und was sich Jundt und seine Crew vornehmen ist ganz klar: “Die Tour überleben“. Freuen könnt ihr euch auf viele neue Songs aus “Sorry We’re Open“, neue spannende Bühnenperformances, und puren Rock ’n’ Roll, verspricht Jundt, und hält das sicher auch.

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Foto: Melissa Hostetler