Nitti Gritti & Kaku – Pass Out (feat. Gaeko)
Nitti Gritti ist so was wie ein Tausendsassa unter den Bassmusik-Künstlern. Was immer der
junge Amerikaner musikalisch versucht, scheint zu gelingen. Sein aktuellster Track „Pass Out“, der in Zusammenarbeit mit dem japanischen Produzenten Kaku sowie dem südkoreanischen Rapper Gaeko entstanden ist, ist abermals ein Beispiel dafür. Hier passt alles zusammen. Der trompetenartige Synth, der schon im Intro angeteasert wird, stößt im Drop mit Drums zusammen, deren Knackigkeit geradezu außerirdisch erscheint. Darauf wird eine 808 geschoben, die so schön saturated ist, dass sie nur so dahinbrutzelt. Die Rap-Parts von Gaeko – von denen ich natürlich kein Wort verstehe – sind sehr modern und machen den Sound endgültig superaktuell. Fazit: ein absolutes Trap-Brett.

 

Juelz & SSOS – Drive-By City
Juelz und SSOS liefern mit diesem Track ein absolutes Goldstück irgendwo zwischen Trap und Dubstep ab. Das verzerrte Vocal-Sample, das in Reverb badet, die kurzen Synth-Hits und die sich immer spürbarer anbahnende Bassline im Intro lassen schon Unheilvolles ahnen, aber nichts kann einen auf dieses Meisterwerk von Drop vorbereiten. Sobald die gnadenlose Bassline einsetzt, versteht man: Dieser Song ist ein Lobgesang auf das, was möglich ist, wenn man harte Bassmusik mag, die sich nicht starr an Genregrenzen hält. Ist das noch Trap? Nein, dafür ist das Sounddesign zu brachial. Dubstep? Nee, das kann’s auch nicht sein. Beides? Keine Ahnung, aber der nächste Moshpit scheint schon vorprogrammiert. Und der zweite Drop? Macht euch bereit für die absolut emotionale Future-Bass-Klatsche!

 

Jason Ross – Leave Me To Wonder (with Fiora) (Just A Gent Remix)
Future Bass und ich – eine komplizierte, aber innige Liebesgeschichte. Zu seinen populärsten Zeiten hat das Genre wie viele andere auch einen unheimlich uninspirierten Einheitsbrei zutage gefördert, der den ein oder anderen dazu verleitete, die Musikrichtung in ihrer Gesamtheit abzuschreiben. Aber damals wie heute gilt: Future-Bass ist vielleicht das Genre, das für viele der interessantesten musikalischen Ideen der elektronischen Musik der letzten Jahre verantwortlich ist. Dieser Just-A-Gent-Remix ist nur ein weiteres Beispiel dafür. Die Elemente, die hier zusammenkommen, würden für sich genommen komplett unterschiedlichen Arten von Songs zugeschrieben werden, aber in ihrer Summe ergeben sie ein unglaublich raffiniert geschriebenes Lied. Der Synth-Bass erinnert an Dubstep, die Vocal-Chops schreien Future-Bass und das allgemein sehr reduzierte Sounddesign lässt an einen Trap-Banger aus den frühen 2010er-Jahren denken. Macht auf dem Papier wenig Sinn, aber zusammen einfach unglaublich Spaß.

 

Kayzo & CrankDat – The Fire
Zu diesem Song gibt es nicht viel zu sagen. Kayzo und CrankDat zeichnen für viele der gnadenlosesten Hymnen im Hardtrap-/Dubstep- und Hard-Psy-Bereich der letzten Jahre verantwortlich und dieser Song scheint wie eine Quintessenz dieser Elemente. Scheppernder Hard-Psy-Drop? Check – sogar zweimal. Eine fast schon bösartige Mischung aus Hard Trap und Dubstep? Der zweite Drop zieht dir die Socken aus. Und weil die beiden ganz genau wissen, was sie mit den Mainparts für Monster erschaffen haben, fragen die Doom-esquen Gitarrenriffs im Intro förmlich, ob ihr euch sicher seid, dass ihr dieses Bassfeuerwerk vertragt.

 

Buunshin – Hindsight
Ich habe Buunshin leider viel zu spät entdeckt. Der junge Mann aus Rotterdam scheucht schon seit Monaten die globale Neurofunk- oder sogar die ganze Drum-’n’-Bass-Szene auf. Warum? Weil er sich Dinge traut, an die bisher niemand so richtig gedacht hat, und regelmäßig festgefahrene Genreerwartungen sprengt. „Hindsight“ ist da keine Ausnahme. Was da im Drop passiert, entbehrt jeder Erklärung, und das Intro und der Build-up geben sich bewusst keine Mühe, den Hörer in irgendeiner Weise mit dem bekannt zu machen, was gleich folgen wird. Schon mal einen Drop gehört, der im Grunde nur aus bis zur Unkenntlichkeit distorteten Kicks und einer saftigen Snare besteht? Ich jedenfalls bisher nicht. Und ja, das hört sich auf dem Papier natürlich irre uninteressant und stumpf an, aber in Wirklichkeit ist es eine unfassbar innovative Interpretation von dem, was Drum ’n’ Bass ermöglicht. Für mich ist dieser Song ein Zeugnis dafür, dass Buunshin einer der interessantesten Acts der kommenden Jahre im Drum ’n’ Bass sein wird.

 

 

Bootshaus-Insights Juni 2020 – mit Dave Replay
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