Vorwort:

Wenn ich an die Zeit vor jeglichem Kontakt mit dem Bootshaus zurückdenke, habe ich damals nur sehr oberflächliche Berührungen mit der elektronischen Musik gehabt. Das Bootshaus und sein gesamtes Umfeld waren sozusagen die Grundschule meiner DJ-Laufbahn. Dort wurde mein Weg im Wesentlichen mitbegründet. Durch Learning by doing habe ich dort während meiner ersten DJ-Gigs auflegen gelernt und BLCKBX, Main Floor und vor allem die Dreherei mit meinen, anfänglich sicherlich nicht immer fehlerfreien Sets beschallen dürfen. Ich möchte euch ein paar der Tracks vorstellen, die mich besonders geprägt haben, die ich sehr häufig gespielt habe und teilweise bis heute noch gerne spiele:

Maetrik – Paradigm House [Treibstoff]

Repetitive Vocals haben mich bei Techno-Tracks von Anfang an mitgerissen. Wenn ich an die frühen Gigs zurückdenke, war es vor allem dieser, der meine Sets in Richtung Peaktime steuerte. Die geloopten Wörter *The people change“ in Kombination mit dem gitarrenartigen One-Note-Sound im 16tel-Rhythmus zeigten auf der Tanzfläche stets ihre Wirkung. Alle Achtung, Maceo Plex a.k.a. Maetrik!

SCNTST – Percee Scan [Boysnoize Records]

Einen aufgenommenen Kopierer derart offensichtlich in einen Track einzubauen, ohne dass es „cheesy“ klingt, ist schon eine Spitzenleistung. Ihn dazu noch derart treibend mit Drums zu paaren, geradezu meisterlich. SCNTST hat hier wieder mal seine Fähigkeiten unter Beweis gestellt. Auch dieser Track hat an vielen Nächten gute Dienste geleistet.

Slam, Mr. V – Take You There [Soma Records]

Wie war das noch mit mir und repetitiven Vocals? Ein derart funktionales Werkzeug wie dieser Banger von Slam kann einfach keinen Techno-Fan stillsitzen lassen. Das hat er mehrere Male, insbesondere in der Dreherei, bewiesen. Zur Peaktime eingesetzt, entfaltete dieser Track ausnahmslos sein Potenzial, die Tanzfläche zum Beben zu bringen.

Mind Against – Several Times [Life & Death]

Die zwei Jungs aus Italien waren in ihren frühen Jahren wohl einer der größten Einflüsse auf meinen Musikgeschmack im gesamten Bereich der elektronischen Musik. Die besondere Klangästhetik ihrer Musik war für mich derart prägend, dass ich fortan in allen Produktionen und Sets versucht habe, ähnlich viel Platz für Atmosphäre und Dynamik zu lassen. Die Bedeutung von Dramaturgie und dass Höhepunkte erst dann Euphorie erzeugen, wenn richtig auf sie hingearbeitet wird, bildet dieser Track meiner Meinung nach perfekt ab.

RNBWS – Recovery (Dubspeeka Remix) [Skeleton]

An dieser Stelle muss ich ein großes Shoutout an Dubspeeka senden. Obwohl es mir lange Zeit nicht bewusst war, habe ich wohl von keinem Interpreten mehr Tracks in meiner Sammlung als von den beiden Herren aus UK. Auch wenn wahrscheinlich kein klassischer Peaktime-Banger dabei ist, spiegelt der oben genannte Track ihre Qualitäten perfekt wider. Wie ein Chamäleon fügt der Track sich in jedes Set ein, als wäre er genau dafür geschaffen. Dabei ist er jedoch keineswegs nur ein „Filler“, sondern treibt mit seinen messerscharfen Hi-Hat-Rhythmen das Set weiter nach vorne und lässt gleichzeitig Luft zum Durchatmen. Eine absolute Waffe.

 

Aus dem FAZEmag 114/08.21
www.bootshaus.tv
www.soundcloud.com/antipolar