Durch einen Zufall gelangte Laura Korinth zur Musik. Als sie sich eines Nachts von den Klängen eines Straßenmusikers angezogen fühlte, erweckte es in ihr den Wunsch, selbst die Stimme zu erheben. Kurz darauf packte sie ihre Sachen und verlies die einstige Heimat Nürnberg, um in Berlin ihren Traum zu leben. Mit dem Komponisten und Produzenten Stephan Schulz fand sie den perfekten musikalischen Partner. Zusammen verwandeln sie Lauras poetische Texte mittels Stephans kraftvoller Musik in ein Klangerlebnis der besonderen Art. Dabei wird die komplette Musik von Laura selbst komponiert. Erste Ergebnisse präsentieren die beiden auf ihrer EP „Aufbruch“, die im Juli releast wurde. Bei ihren Gigs kann man mit einem Mix aus Jazz Noir der 50er Jahre, neoromantischen Anklängen, Poprock, Chanson und Blues rechnen. Die Texte werden von Laura vorwiegend auf Englisch gesungen, jedoch gibt es einzelne Stücke auch auf Deutsch, wie beispielsweise „Gebrochen“. Ich habe mich mit den beiden unterhalten, um mehr über ihre Musik zu erfahren.

Hallo Laura und Stephan, erzählt doch mal. Wie seid ihr zur Musik gekommen? 

Laura: Ich war in München auf einer Technoparty, das war damals im Harry Klein. Vor dem Club machte ein Straßenmusiker  Musik. Ich ging hin und nahm ihm das Mikrofon aus der Hand und fing einfach an zu Singen. Mich überkam die Lust, selbst drauf los zu singen und das ohne Rücksicht auf Verluste! Ich hatte in meinem Leben zuvor nie wirklich gesungen. Manchmal sang ich heimlich, wenn ich mir sicher war, dass keiner Zuhause ist und die Nachbarn mich nicht hören können oder unter der Dusche. Als ich noch jünger war, war mir Singen einfach peinlich. Aber dieser Moment, den ich da vor vier Jahren hatte, krempelte mein komplettes Leben um. Als ich den Straßenmusiker sah, mit einer Begeisterung für mein Talent in seinen Augen, wollte ich selbst Musik machen. Eine Woche später fing ich an und nahm Gesangsunterricht.

Stephan: Als Kind begann ich damit mir autodidaktisch verschiedene Instrumente beizubringen und begeisterte mich für die Idee einmal eigene Musik zu entwickeln. Mit 18 startete ich meine ersten Bandprojekte, inspirieren lies ich mich dabei von der Musik in meiner Jungend und Idolen wie Depeche Mode, the Cure und U2. Nach und nach baute ich mir mein eigenes kleines Tonstudio zusammen. Doch erst später, in einer Umbruchphase, machte ich meine Leidenschaft zum Beruf und studierte am SAE Institute. Seitdem sind Musik und Tontechnik der wichtigste Bestandteil in meinem Leben.

Und wie habt ihr beiden zueinander gefunden?

Laura: Damals war ich auf der Suche nach jemanden in Berlin, der mit mir Cover Videos dreht. Aus diesem Grund habe ich in einer Berliner Musikergruppe eine Anfrage gestellt. Stephan schrieb mich an und wir nahmen das erste Cover Video von Nancy Sinatra – „Bang Bang“ auf.

Der Text deiner ersten Single „Lost Control Again“ erzählt die Geschichte vom Kampf einer verlorenen Liebe. Was steckt dahinter Laura?

Nichts spezielles. Ich finde es einfach wichtig, dass man sich nicht immer als allzu perfekt darstellt. Wir haben alle unsere Fehler. Ich kenne da eine Menge Leute, die auch mal die Kontrolle über ihre Emotionen usw. verlieren. Allerdings ist das auch ein Thema, was ganz gerne mal unter den Tisch gekehrt wird und nicht sehr präsent in der Öffentlichkeit ist. Ich empfinde es als wichtig, sich auch zu seinen Schattenseiten zu bekennen und diese als Mensch bewusst und vielleicht sehr dramatisch, ironisch und überzogen darzustellen.

Jetzt mal zu eurem Sound. Wie würdet ihr den beschreiben?

Laura: Es ist eine Mischung aus Soul, Melancholie, Downtempo, Blues und Elementen des Jazz . In der heutigen Zeit lässt sich das immer schwieriger einordnen, vielleicht auch Richtung Pop Noir.

Stephan: Unverwechselbar, würde ich mal so behaupten. Lauras charakteristische Stimme prägt unsere Musik und wird von meinem Arrangement und den passenden Sounds weitergetragen. Daraus ergibt sich eine Symbiose aus melancholischer Tiefe. Viele unserer Songs klingen ‘’filmisch’’ und ein wenig wie aus der Vergangenheit ohne einer bestimmten Epoche zu gehören. “Chanson Noir’’ trifft es vielleicht am ehesten.

Laura ist geprägt durch die 50s, 60s – wieso gerade diese Zeit?

Nach dem Krieg 1945 war die Musik sehr rosig und friedlich, die Leute wollten keine Probleme. In den 50ern wendete sich das Blatt allmählich und der Rock ’n’ Roll kam langsam auf. Mich inspiert die Energie in der Musik. Dieser „Aufbruch“. Die Frau wurde in den 50ern außerdem stark unterdrückt. Dann änderte sich das Blatt etwas und alle Menschen brachen aus ihren Gitterstäben aus. Man hört diese Freiheit und diese Gefühle in der Musik.

Was inspiriert euch?

Laura: Ich schwärme besonders für die 20er, 40er-70er und 90er Jahre.

Stephan: Die Musik als Sprache zu benutzen ist Inspiration für mich. Musik zu machen. Nirgendwo sonst kann sich der Mensch mehr entfalten, ausdrücken und Gefühle zeigen als mit Musik.

Laura, was sprichst du in deinen Texten an?

Laura: Ich liebe es, bewusst die Unperfektion eines Menschen darzustellen. In dem ganzen Trubel von Instagram und den Medien bekommt man mental vorgeschrieben, was Perfektion in der Gesellschaft in dem Augenblick ist, wie man sich zu verhalten hat, wie man aussehen muss, wie man hip genug ist-  um Anerkennung zu erhalten. Natürlich hat sich das Bild der Frau schon stark verändert, wenn man es mit dem Frauenbild der 50er Jahre vergleicht. Nach dem Mauerfall wurde Techno in Berlin groß und gab unzähligen Menschen eine neue Art der Freiheit. Ich finde diese Freiheitsbewegungen sehr inspirierend und wichtig in unserer Gesellschaft. Einfach die Ketten abwerfen und man selber sein ohne Scham, ohne Angst und ohne Hemmungen.

Darin geht es auch in meinen Texten der kommenden EP, die am 26. Juli releast wurde. Sei einfach Mensch –  Melancholie, Träumerei, Dramatik, Ungeduld, Sehnsucht … das sind alles menschliche Eigenschaften.

Laura, du schreibst deine Lyrics selbst und komponierst die Stücke. War das schon immer da? Und wann kommen dir die besten Ideen?

Ich wusste nie dass ich so etwas kann. Jedoch meinte meine Klassenlehrerin schon in der zehnten Klasse zu mir, dass sie glaubt, dass ich ein kleines Genie bin. Das freute mich total und mit 18 schrieb ich mein erstes Buch. Es bekam eine sehr gute Rezension als ich es einem Verlag vorstellte, allerdings hätte ich die Druckkosten übernehmen müssen, was ich in dem Alter natürlich nicht konnte. Danach gab ich das Schreiben für einige Jahre auf und verbrachte meine Zeit auf Partys, anstatt auf Partys weiter zu schreiben. Als ich durch Kolumbien reiste, fing ich wieder an, meine Gedanken aufzuschreiben und merkte, dass das einfach ein Teil von mir ist und ich ohne Schreiben sehr unausgeglichen bin.

Was bedeutet Individualität für euch?

Laura: Ich denke, Individualität ist durch Denken und Handeln bestimmt und kreiert. Sofern man auf sich selber hört und dementsprechend handelt, hat man seine eigene Individualität. Man darf sich einfach nicht durch andere beirren lassen, dazugehören größtenteils auch die Medien. Sich den Rat vertrauter Personen einzuholen, ist jedoch etwas anderes. Gute Freunde sind sehr wichtig.

Stephan: Ein entscheidender Faktor, der nachhaltigen Erfolg verspricht ist es, sich treu zu bleiben und nicht beirren zu lassen. Wir haben alles selbst in die Hand genommen, konnten somit authentisch bleiben, unsere Individualität entwickeln und in der Musik ausdrücken. Im Mainstream mit zu schwimmen ist nicht unser Plan. Ich finde es viel spannender, wenn unsere Musik polarisiert.

Wie habt ihr gelernt, in der Musikindustrie richtig Fuß zu fassen?

Laura :Ich würde sagen, wir sind gerade dabei, dass sich die Tore öffnen und wir den Saal betreten dürfen.

Stephan: Der ständige Wille und das Vorantreiben der Musik führt einen irgendwann zum Ziel. Wir haben viele Erfahrungen, sowie gute Kontakte gesammelt und können nun unser Projekt umsetzen. Wichtig sind auf jeden Fall eine gute Organisation und rechtzeitige Planung. Um dieses schwierige Business und die Mechanismen, die sich stark verändert haben zu verstehen, braucht man eine gute Beratung und viel Geduld. Man darf nicht aufgeben, muss viel unterwegs sein, alles mitnehmen und immer überzeugen.

Eure erste gemeinsame EP erschien am 26. Juli. Was könnt ihr mir darüber erzählen?

Unsere EP trägt den Titel „Laura Korinth – Aufbruch“. Die Produktion fand in meinen eigenen Studioräumen statt. Veröffentlicht wurde sie über mein eigenes Label Stepsudio

Die erste EP mit dem Titel “Laura Korinth – Aufbruch’‘ erscheint am 26.7.2019
Die Produktion entstand in meinen eigenen Studioräumen.
Die Veröffentlichung erfolgt über mein Label Stepsudio Records und ist auf allen Streaming- und Downloadportalen erhältlich.

Mit was wurde produziert?

Stephan: Ich arbeite mit Avid-Protools, Hardwaresynthesizern und diversen Softwareinstrumenten (Vienna Symphonic Library, Additive Drums etc.). E-Drums, Gitarren und Bassgitarren spiele ich alle selbst ein. Das Mastering habe ich gemeinsam mit Carsten Schedler in seinem Studio gemacht.

Wie lange habt ihr an der Produktion gearbeitet?

Laura:  Es waren ca. sechs Monate.

Stephan: Ende 2018 haben wir mit den Songs begonnen und die ersten Vorproduktionen gemacht. Die Songs wurden in einem fließenden Prozess weiterentwickelt, verbessert und bis ins Detail neu aufgenommen. Die finalen Gesangsaufnahmen haben wir im April, Audiomix und Mastering dann Ende Mai fertiggestellt.

Doch Laura hatte kürzlich auch noch eine andere Produktion zu feiern. Du bist die Stimme auf Boris Brechjas neuer EP „Gravity“. Wie kam es dazu?

Boris folgte mir auf Instagram und schrieb mich an, nachdem er einen Gesangausschnitt von mir hörte. Das ist jetzt ca. drei Jahre her. Ich war ich total begeistert und freute mich wahnsinnig. Auf seiner Seite sah ich einen kleinen Piano-Ausschnitt den Boris postete, der berührte mich. Boris meinte, ich könne mir hierzu etwas überlegen. Er sendete mit ein paar seiner unveröffentlichten Tracks bzw. Demos und wir arbeiteten zusammen an neuen Ideen. Nach einigen Aufnahmen, passte meine Stimme am besten zu Gravity. Für Boris Unterstützung bin ich ihm bis heute sehr dankbar, damals sang ich erst etwas mehr als ein Jahr. Er motivierte mich sehr, dran zu bleiben, das Alter spielt keine Rolle. Es ist nie zu spät seinen Traum zu erfüllen !

Wo konnte man euch bisher sehen?

Laura: Angefangen habe ich im Hafen Berlin, danach folgten Auftritte in verschiedenen Bars, Restaurants und auf privaten Events. Dieses Jahr gab es dann das erste eigene EP Konzert im Maze Berlin, welches sehr erfolgreich war und einen Gig auf dem Festival Zurück zu den Wurzeln.

Was steht noch so an Projekten an?

Stephan hat noch ein weiteres Bandprojekt am Laufen und ich bin im Moment auf der Suche nach einem weiteren Projekt. Ich würde sehr gerne in Clubs Live singen, gerne auch in Verbindung mit elektronischer Musik. Am liebsten in Richtung Jazz-Electro, Downtempo, Soul electro oder Trip -Hop. Interessierte können sich gerne mit einer Demo bei mir bewerben.

Mittlerweile konntet ihr ja ganz gut Fuß im Leben eines Musikers fassen. Wie sehen die Schattenseiten aus und was lohnt sich umso mehr?

Laura: Zu den schlechten Seiten gehört für mich der steinige Weg, um sich erstmal etwas aufbauen zu können. Die Vermarktung eines Produktes zieht enorme Arbeit mit sich. Da bei uns kein großes Label dahinter steht, müssen wir das selber machen, was wirklich viel Energie kostet, die man eigentlich in die Kunst investieren könnte. Andererseits hat sich eine komplett neue Welt geöffnet. Voller Freude, Farben und Abenteuer! Man lernt ständig super interessante Künstler kennen, hat immer wieder schöne Überraschungen, wenn ein Song im Radio läuft oder man eine Anfrage für einen Gig bekommt. Es wird einfach nie langweilig.

Stephan: Gerade am Anfang muss man natürlich mit unregelmässigen Arbeitszeiten und Einkommen zurecht kommen. Gerade wenn man dann mal auf Tour ist, ist es nicht so leicht, das mit einem Familienleben zu vereinbaren. Es ist aber eine Entscheidung, die einem beim Genuss des Erfolges auf der Bühne zeigt, dass es die richtige Entscheidung war, seiner Intuition zu folgen.

Habt ihr einen Trick auf der Bühne, um Lampenfieber zu umgehen?

Laura: Dehnübungen, tief in den Bauch atmen, Selbstgespräche z.B. Texte durchgehen

Stephan: Lampenfieber bedeutet Energie für mich. Man muss es willkommen heissen und in positive Energie umwandeln. Bei unserem ersten Auftritt mit den eigenen Songs waren wir gut vorbereitet und haben viel geprobt. Das hilft natürlich. Mit jedem weiteren Auftritt reguliert sich das Lampenfieber auf ein gesundes Maß.

Laura, deine fünf Lieblingstracks?

DJ Hell- You Can Dance

Boris Brejcha- Fear

Boris Brejcha – Gravity

Smoke City- Underwater Love

 

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Foto: Kai Eiffinger Blattkunst Video: Stephan Schulz, Hans Hirschmüller und Laura Korinth