Seit über zehn Jahren ist Pascal alias Brotech in der Szene aktiv. In dieser Zeit konnte der Berliner nicht nur zahlreiche Tanzflure, sondern auch einige namhafte Akteure für sich begeistern. Dazu gehören u.a. Richie Hawtin, Joseph Capriati, Roger Sanchez, Bob Sinclar oder gar David Guetta. Seine Singles “Party Dancer” und “Snake Charmer” stiegen 2019 in die Charts ein, gefolgt von weiterem erfolgreichem Output wie “Don’t Stop”, “Push It” und “Tell Me”, die allesamt auf Radiostationen weltweit gespielt wurden. Nach weiteren Releases im Herbst veröffentlichte Brotech – der neben seiner Tätigkeit als DJ und Produzent auch selbst ein Label betreibt – am 25. Dezember mit „Dis House“ eine frische EP auf Deeplomatic Recordings. Stilistisch changiert seine Musik zwischen groovigem House und Technoiderem.

Pascal, wie bist du zur Musik gekommen und was hat dich besonders beeinflusst?

Tatsächlich mache ich schon seit meiner Kindheit Musik. Mit sieben Jahren habe ich angefangen, Keyboard zu spielen. Mit 13 oder 14 hatte ich allerdings keinen Bock mehr, zum Keyboard-Unterricht zu gehen, vor allem, weil die Lieder, die ich dort gelernt hatte, nicht meinem Geschmack entsprachen. Mit 15 habe ich dann durch einen Freund aus London meine erste DAW bekommen. So habe ich dann auf Reason meine ersten Hip-Hop-Beats produziert. Damals war Techno bzw. Electronic Music noch in weiter Ferne. Glücklicherweise hat mir sechs Monate später ein anderer Kumpel Cubase empfohlen. Das wurde dann quasi mein treuer Begleiter bis November 2020. Mittlerweile habe ich endlich die Logik hinter Ableton geblickt und habe mich neu verliebt. (lacht). Nachdem ich mit meinen Jungs zum ersten Mal auf der Time Warp und der Nature One war – da muss ich ungefähr 21 gewesen sein – habe ich extremen Gefallen an elektronischer Musik gefunden. Ich habe mich sofort in die Musik und in die Szene verliebt. Jeder hatte Spaß, jeder hat sich mit jedem verstanden und ich habe nie Stress auf einer Techno-Party oder einem Festival erlebt. Das war für mich der Wendepunkt, wo ich von Hip-Hop zu Techno/House übergegangen bin. Dabei haben mich zum damaligen Zeitpunkt u.a. Künstler wie Marco Carola, Sven Väth, Loco Dice, Monika Kruse, Ricardo Villalobos, Jamie Jones und Chris Liebing sehr inspiriert.

Wie entstand dein Künstlername?

Als ich angefangen habe aufzulegen, habe ich lange mit meinem Bruder ein DJ-Duo gebildet. Auch damals haben wir uns schon Brotech genannt. Wie manche schon erahnen können, steht „Bro“ für uns als Brüder und „Tech“ selbstredend für Techno. 2016 hat mein Bruder allerdings die Musik auf Eis gelegt. Nach langen Überlegungen habe ich mich dazu entschieden, den Künstlernamen trotzdem weiterzuführen.

Nun bist du seit über zehn Jahren aktiv. Erzähle uns von deinen bisherigen Meilensteinen.

Zu meiner Anfangszeit habe ich ganz klassisch angefangen, eigene Events in meiner Heimat in Südwestdeutschland zu veranstalten. Ich habe damals Off-Locations mit einer Kapazität von über 3000 Gästen gemietet, Headliner gebucht und selbst aufgelegt. Später habe ich dann Events in verschiedenen Clubs veranstaltet. So habe ich mir schnell einen Namen gemacht und hatte dann Gigs auf einigen Festivals, aber auch in vielen Clubs national und international. Ich hatte die Ehre, bereits auf Ibiza, in London, Mozambique, St. Petersburg sowie in Zürich spielen zu dürfen. In den letzten Jahren habe ich oft vor oder nach DJ-Größen wie Aka Aka, Oliver Koletzki, Marek Hemmann, Klaudia Gawlas, Benny Benassi und Tomcraft gespielt. 2018 bin ich dann nach Berlin gezogen und habe über Kontakte in diversen angesagten Clubs wie Wilde Renate, Mensch Meier etc. gespielt. Im April 2020 hätte ich zusammen mit Colambo im Watergate bei der bekannten Tryland Party das Closing gespielt. Aber alle unsere Pläne wurden ja bekanntlich wenige Wochen zuvor durchkreuzt. Meine Singles “Party Dancer” und “Snake Charmer” stürmten 2019 die Charts, gefolgt von meinen weiteren erfolgreichen Singles “Don’t Stop”, “Push It” und “Tell Me”. Alle meine Releases liefen weltweit u.a. bei Kiss FM UK, Sunshine Live, Ibiza Global Radio und wurden von Acts wie Martin Ikin, Joseph Capriati, Richie Hawtin, Golf Clap, Mark Knight, Idris Elba, Bob Sinclar, Joris Voorn, David Guetta, Roger Sanchez, uvm. gespielt und supportet. Das freut mich natürlich sehr.

Das Jahr 2020 war für alle eine relativ große Katastrophe. Wie hast du persönlich das Jahr erlebt?

In erster Linie möchte ich mein Mitgefühl allen aussprechen, die in dieser schweren Zeit ihre Liebsten verloren haben. Gesundheit ist das Wichtigste im Leben, und jeder von uns kann dazu beitragen, andere zu schützen. Dennoch war das Jahr 2020 für die meisten und auch für mich natürlich das härteste Jahr überhaupt. Ich wünsche allen Club- und Festivalbetreibern, aber auch allen Künstlern und Musikliebhabern viel Kraft und Durchhaltevermögen. Ich bin sicher, dass wir zusammen diese harte Zeit meistern werden und bald wieder gemeinsam feiern können. Da ich aufgrund der Club-Schließungen 2020 viel Zeit hatte, habe ich einige neue Tracks produziert und kann es kaum abwarten, diese im neuen Jahr zu veröffentlichen.

Führe uns doch einmal durch deine aktuellen Releases.

Anfang 2020 habe ich eine Kollaboration mit Redux Saints auf seinem Label Deep Tech Los Angeles veröffentlicht. Der Song heißt „Dis Da Party“ und landete in den Beatport-Charts und wurde von Beatport zu unserer Freude in der Release-Woche bei „Best Tech House Hype“ und „Weekend Picks“ gefeaturet. Auch meine weiteren Releases in 2020 wurden von Beatport gefeaturet, wie z.B. meine letzte Single „Nan Guin Nan Wan“, die auf meinem Label SYNCOPE im Juni erschien. Die Single landete außerdem in den Dance-Charts auf #1 im Genre Tech-House und in den Top 30 bei den Music-Week-Upfront-Club-Charts in UK.

Am ersten Weihnachtstag ist deine neue EP „Dis House” erschienen.

Das ist korrekt, auf diese EP bzw. die zwei Titel darauf bin ich extrem stolz. Der Titeltrack wird ergänzt durch drei sensationelle Remixe von Robin Hirte, Redux Saints und Cheyne Christian. Die zweite Nummer heißt „Here We Go“, die mit einem Remix von Eduke veröffentlicht wurde. Für die Single „Dis House“ wurde außerdem mein erstes offizielles Musikvideo gedreht, worauf ich besonders stolz bin. Hier waren mehr als 40 Leute beteiligt und es lief unter der Regie von Double Trouble. Die Story hinter dem Video ist ziemlich geil, es geht es um ein Mädel, das von einem merkwürdigen Typen in ein verrücktes Wunderland gezogen wird, in dem verschiedene abgefahrene Party-Welten auf sie warten. Ich behaupte jetzt einfach mal, dass das Ergebnis zu den besten Videos aller Zeiten für einen Tech-House-Song gehört. Danke an alle Beteiligten.

Clubs und Gigs sind in weite Ferne gerückt, es gibt allerdings Licht am Ende des Tunnels. Was macht dich als Act im Club aus?

Meine Intention vor jedem Gig ist es, die Gäste auf dem Dancefloor zum Ausrasten zu bringen. Das schaffe ich, indem ich mich in die Köpfe der Gäste versetze und überlege, wozu ich jetzt selbst am liebsten tanzen würde. Dabei lieben sie meine groovige Mischung aus Techno und House. In letzter Zeit hören die Leute von mir aber auch immer öfter Afro-House und Melodic Techno und House. Eine gesunde und individuelle „Brotech-Mischung“ aus diesen genannten Genres beschreibt meinen Style am besten. Ich denke, als DJ ist es besonders wichtig, eine Connection zum Dancefloor herzustellen, um die Leute mental zu catchen oder zu fesseln. Deswegen bereite ich meine Sets auch nie vor, sondern kaufe vor den Gigs lediglich fette neue Musik und schaue dann spontan, welcher Song in diesem Moment am besten passt und welchen ich als nächsten spielen werde. Wenn du diese Herausforderung als DJ gut meisterst und die Leute mit einem guten Gefühl und geilen Erinnerungen in den späten Morgenstunden nach Hause gehen, hast du alles richtig gemacht (lacht).

Was steht bei dir für 2021 auf der Agenda, sowohl beruflich als auch privat?

Eines meiner Projekte in 2021 wird eine gemeinsame EP mit Colambo sein. Die EP heißt „Medusa“ und erscheint mit zwei Songs. Ich freue mich schon sehr darauf und kann es kaum abwarten, sie euch vorzustellen. Weitere Singles werden ca. alle zwei bis drei Monate erscheinen. Privat habe ich mir vorgenommen, endlich regelmäßiger und öfter Sport zu treiben als die letzten Jahre (lacht).

 

 

Aus dem FAZEmag 107
Text: Mett Eagle
Foto: Double Trouble
www.facebook.com/brotech.music