
Der Onlinehandel mit medizinischem Cannabis erlebt derzeit einen Höhenflug – ein Boom, wie ihn sonst nur Pilze nach einem Regen im Herbst kennen. Doch Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) hat genug von der grünen Internetfreizügigkeit. Bald könnte Schluss sein mit dem „Ganja per Klick“: Ein neuer Gesetzesentwurf sieht vor, dass medizinisches Cannabis künftig nur noch nach einem „echten, analogen“ Besuch beim Arzt verschrieben werden darf. Ja, du musst dich tatsächlich anziehen. Und rausgehen. In die Welt. Zu Menschen.
Wer bisher dachte, ein bisschen Husten oder Rückenschmerzen und ein Zoom-Call reichen für das Rezept mit dem gewissen Extra, wird bald enttäuscht. Im Gesetzesentwurf heißt es sinngemäß: Nur wer seinem Arzt live gegenübergesessen hat – mit Augenkontakt und echtem Händedruck (oder mindestens einem kräftigen Nicken) – darf sich auf ein Cannabis-Rezept freuen. Und selbst für die Folgeverschreibung gilt: Kein Wiedersehen in den letzten vier Quartalen? Dann auch kein Wieder-Rauchen auf Rezept.
Die Regierung will, dass medizinisches Cannabis künftig nur noch in echten Apotheken über den Ladentisch wandert – mit Gespräch, Blickkontakt und vielleicht sogar einem netten Schwätzchen mit der Apothekerin. Die Ära der Online-Rezepte samt diskretem Versand im neutralen Päckchen geht dem Ende zu. Wer weiterhin über das Netz an seine Blüten kommen will, riskiert bald mehr als nur schlechtes WLAN: Im Entwurf ist von einer Strafbewehrung die Rede. Auf gut Deutsch: Da könnte es richtig Ärger geben.
Das Problem? Zu viel Boom, zu wenig Arzt
Laut Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte ist der Privatverkauf von Cannabisblüten im zweiten Halbjahr 2024 um ganze 170 Prozent gestiegen. Gleichzeitig stiegen die Kassenrezepte nur um schlappe neun Prozent. Die Politik vermutet: Irgendwas läuft da ein bisschen zu gut. Vor allem telemedizinische Plattformen, bei denen man mit drei Mausklicks mehr THC bekommt als Likes auf ein Katzenvideo, stehen im Kreuzfeuer.
Das Gesundheitsministerium zeigt sich besorgt: Cannabis sei ein „Arzneimittel mit Suchtrisiko“, das bisher teilweise ziemlich leichtfertig verschrieben wurde – irgendwo zwischen Vitamin D und Baldrian. Besonders junge Leute scheinen der Meinung zu sein, dass ein bisschen Gras bei jedem Wehwehchen hilft – das Ministerium jedoch warnt: Gehirnschäden könnten die Folge sein, und das nicht nur bei übermäßigem Konsum, sondern schon beim exzessiven Googeln nach „Wie bekomme ich legal Gras?“.
Aber keine Sorge: Niemand soll leer ausgehen, der es wirklich braucht. Das Ministerium betont, dass schwer kranke Patientinnen und Patienten natürlich weiterhin Zugang zu Cannabis haben sollen. Nur halt mit mehr Struktur. Und weniger Klicks. „Besondere Maßnahmen zur Gewährleistung einer sicheren Arzneimittelversorgung“ nennt das der Entwurf. Oder wie es auf Deutsch heißt: Erst zum Arzt, dann zur Apotheke – nicht umgekehrt, und schon gar nicht per Drohne.
Der grüne Hype wird also reguliert. Online-Cannabis verschwindet von der Bildfläche – oder besser gesagt, aus dem Warenkorb. Bleibt nur noch die Frage: Wer schreibt jetzt eigentlich all die „Symptome“ für das nächste Arztgespräch auf?
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