_DSC5075


Die Schweiz – Schokolade, Käse, Berge, keine Minarette, noch mehr Käse und vier Amtssprachen bei acht Millionen Einwohnern. Dass es in unserem südlichen Nachbarland nicht nur für Steuerfahnder etwas zu entdecken gibt, sondern auch für Technotouristen mit etwas höherem Einkommen, ist unter anderem dem Caprices Festival zu verdanken. Aber um den helvetischen Weg des Feierns zu verstehen, ist das Event in Crans-Montana bestens geeignet.

Das Caprices Festival lebt die schweizerische Exklusivität. Dixon, Deep Dish, Solomun, Dubfire, Ellen Allien, Luciano, Sven Väth, Damian Lazarus und Chris Liebing traten unter anderem auf. Unbekannte Supportacts? Fehlanzeige. Auch in der Auswahl der Locations schlägt das Caprices einen unorthodoxen Weg ein. Während ein Teil in Crans-Montana, einem edlen Skiresort, stattfand, waren die MDRNTY-Partys auf einer Berghütte auf 2.200m Höhe. Ja, während wir in Deutschland mittlerweile verzweifelt jedes Wasserloch als Beachstage auf einem Festival deklarieren, ist der schweizerische Weg ein wenig nobler. Und so traten zum Beispiel Väth, Villalobos, Christian Burkhardt und Damian Lazarus in einem durchsichtigen, festaufgebauten Zelt auf einem Berg auf. Während im Hintergrund schneebedeckte Berge ein massives Panorama liefern, hämmerten die Beats von erstklassigen DJs bis zum Sonnenuntergang. Abends ging es dann in einer großen umgebauten Halle, dem Moon, weiter.

Vor diesem beeindruckenden Setting ließen sich auch viele mitreißen, die Tickets waren limitiert, die Stimmung großartig. Das lag unter anderem aber auch daran – wie ich schockiert festgestellt habe – dass Kiffen in der Schweiz fast legal ist. Die Verbrecher! Passend dazu lieferte Damian Lazarus eine Schamanen-artige Performance bei seinem Set. Solomun spielte zwar nicht auf dem Berg, hatte aber von der Trackauswahl das wohl überzeugendste Set, Dixon stand gewohnt ein wenig apathisch auf der riesigen Bühne und machte einfach sein Ding, ob es nun gefiel oder nicht. Luciano durfte bei seinem Auftritt erstmal 20 Minuten lang seinen Laptop kühlen, bevor es dann neue Tracks des Schweizers zu hören gab. Und dann haben wir noch Sven Väth, der Babba, dessen Ruf mittlerweile dem von Mohammed gleicht – Huldigung ist Pflicht. Pünktlich um 16 Uhr auf der Bühne für sein 16-Uhr-Set, mitten beim Ende von Burkhardts Liveset, tobte die Menge schon beim Anblick von Väth. Sein Set war brachial, technoid und experimentell und der ideale Abschluss für drei Tage Party auf dem Berg.

An der Talstation befand sich währenddessen die Afterhourlocation, die am Sonntag von Alejandro Mosso und einem Secret Act (Väth) beansprucht wurde. An den anderen Tagen traten dort unter anderem Magda, David K und DJ Tennis auf. Abschließend bleibt ein überwältigender Eindruck. Kulisse, Acts, Aufmachung – das Caprices ist ein absolutes Highlight. Auch wenn einige Gäste bedauerten, dass es über die Jahre hinweg kleiner geworden ist und die Partykasse des durchschnittlichen Deutschen stärker belastet als heimische Festivals. Wer kann schließlich schon sagen, dass er drei Tage lang auf über 2.000 m Höhe mit einer Auswahl der besten DJs der Welt gefeiert hat?

Das könnte dich auch interessieren:
Apollonia auf dem Caprices Festival – „Vorbereiten ist langweilig“
www.caprices.ch