Gewinner in der Kategorie „Best International Festival 2018“ bei den DJ Awards. Wer diese preisgekrönte Auszeichnung einheimst, der muss organisatorisch definitiv etwas auf dem Kasten haben. 

Und zurecht, das Caprices Festival im schweizerischen Crans-Montana setzt vielem in puncto WOW-Erlebnisse immer noch einen oben drauf.

Doch der Reihe nach …
Crans-Montana liegt aus deutscher Sicht nicht gerade um die Ecke, doch auch die Anreise mit Zug oder Auto am Genfer See vorbei entlang des Rhône-Tals fühlt sich bereits wie Urlaub an. Die fahrt geht entlang von Weinreben, weit oben die weißen Gipfel.
Auf einmal geht es dann vom sonnigen frühlingshaften Tal hoch in die eben diese Berge.
Immer weiter schlängeln sich die schmalen Straßen in Serpentinen aus dem Tal hinauf, vom kleinen Ort Siders an der Rhône ins Hochgebirge. Innerhalb weniger Minuten kommt man von T-Shirt-Wetter in winterliches Schneetreiben. Mit jedem gefahrenen Kilometer geht es höher in die schneebedeckten Walliser Alpen und ein spektakuläres Bergpanorama breitet sich aus, wie eine riesige weiße Wand, einige tausend Meter hoch.
Der erste Gedanke: ein äußerst abwegiger Ort für ein House- und Techno-Festival.
Über tausend Höhenmeter später erreichen wir schließlich den Ort Crans-Montana. Für ein Festival mit internationalem Booking macht der Ort einen ziemlich gechillten Eindruck. Die Ski-Saison ist fast vorbei, es ist beinahe verdächtig, ruhig im Ort. Die Fassaden der typischen Holzhäuser strahlen eine umgarnende Ruhe aus. Irgendwo aus der Ferne wummert ein dumpfer Bass. Festivalflaggen schmücken Häuserfassaden, Spannung und auch eine ungewisse Vorfreude liegen in der Luft.

Die Party steigt tagsüber ab 12 Uhr mittags 700 Meter höher, auf dem Gipfel des Cry d’Er. Mit der Gondel direkt in den Club. So ist das Gefühl. Wir sind auf 2200 Metern Höhe, auf dem MDRNTY Floor, mit einem atemberaubenden Blick auf die Walliser Alpen. Hier in Crans-Montana ist der höchste Spot der ganzen Alpen, 19 Gipfel ragen über 4000 Meter hinaus in den Himmel, ein majestätischer Anblick. Der Floor ist ein transparentes Zelt mit atemberaubender Aussicht für ca. 2.500 Feierwütige. Ein beinahe schon intimes Gefühl bei einem Festival. Feiern mit Urlaubsfaktor.

Um 17 Uhr am Freitagnachmittag ließ Ricardo Villalobos den Bass überschwappen und die gesamte Feiermeute bebte zu seinem herrlich einlullenden und schwurbeligen Beat-Brei.

Nach einigen Stunden Gipfel-Rave ging es mit der Seilbahn wieder talwärts, wo direkt im Anschluss die untere Bühne THE MOON und SATELLITE direkt an der Talstation im Ort auf die schon gut eingefeierte Meute warten, um sie bis morgens weiter zu bespielen.

Seth Troxler, Pan-Pot, Marcel Dettmann, Len Faki, Jamie Jones und Black Coffee erfreuen sich hier an der Gondelstation massiven Zuspruchs. 

Krönender Abschluss ist Sonntag das Closing Set von Sven Väth, wieder on top of the mountain – auf dem MDRNTY Floor. Im Hintergrund geht langsam die Sonne hinter weißen Bergspitzen unter, drinnen im transparenten Zelt wird die Hütte abgerissen. Wahnsinn!

Unter organisatorisch-logistischen Aspekten muss den Veranstaltern mit Sicherheit ein Kompliment ausgestellt werden. Der Shuttle-Verkehr zwischen den jeweiligen Festival-Venues lief reibungslos. Die Sound-Systeme sowohl auf dem MDRNTY als auch auf dem MOON-Floor klingen präzise. Andererseits: Für nicht sehr günstige 60 bis 80 Euro Eintritt pro Veranstaltung erwarten wir das auch.

Das Caprices Festival verwandelte in diesem Jahr erneut ein entschleunigtes Bergidyll in eine glitzernde Musikhochburg für 25 000 Besucher, wofür alleine das super-hochkarätige Line-up sprach. Dass solch ein Festivalkonzept aufgrund seiner besonderen Rahmenbedingungen in anderen Dimensionen funktioniert, widerspricht mit Sicherheit dem traditionellen Festivalgedanken. Es passte allerdings bestens in ein Gesamtbild aus spätwinterlichem Après-Ski mit gehörigem Luxusfaktor.

Abschließend sagen wir: Caprices ist ein sehr feines und tolles Festival, das man miterlebt haben sollte. 

 

Ausserordentlich war auch das Programm, das sich das Crans-Montana Tourist Board für die Party-Presse ausgedacht hat.

Zum Einstand ein 3-Gang-Dinner mit dazugehörigen lokalen Weinen und Schnäpsen, in einem authentisch rustikalen Schweizer ‚Lädli’. Somit konnten wir gut gestärkt am ersten Abend den SATELLITE Floor mit Acid Pauli und Britta Arnold eröffnen.

Tags darauf war eine Husky-Schlitten Tour auf dem Gletscher in 3000 Meter Höhe organisiert und wir konnten testen, wie gut man sich nach einigen Schnäpsen auf den Kufen hält. Ein unschlagbares Erlebnis. Nach ein paar flotten Runden Husky-Rennen stand ein Käse-Fondue in einem riesigen Iglu bereit. Satt und seelig ging es in den Lift rüber zur Party. Wer wollte bekam einen Skipass, um die Pisten mit mehr Speed abzufahren. Um diese Jahreszeit gibt es sehr viel Platz auf den kilometerlangen Pisten.

Caprices Festival ist definitiv ein aussergewöhnliches, teilweise bizarres, aber auf jeden Fall ein spektakuläres Festival.

Die Auszeichnung „Best International Festival 2018“ ist die angemessene Beschreibung für dieses Erlebnis.

 

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