
Ein neues filmisches Porträt über einen der einflussreichsten Köpfe des Detroit-Techno steht in den Startlöchern. „DESIRE: The Carl Craig Story“, eine Dokumentation über das Leben und Schaffen von Carl Craig, kommt am 8. Mai in die britischen und irischen Kinos.
Regisseur Jean-Cosme Delaloye verspricht ein „intimes Porträt“ des Musikers, das über den Club hinausblickt – auf die Stadt Detroit, den kreativen Prozess und die Schattenseiten eines rastlosen Lebens.
„Das Team und ich sind Carl in rasantem Tempo durch die ganze Welt gefolgt“, erklärt er. „Wir hatten vollen Zugang zu einem Künstler, dessen Bescheidenheit mit seiner Kreativität mithalten kann “ und: „Wir haben die andere Seite der Party kennengelernt, wenn die Lichter im Club ausgehen und Carl nur ein paar Stunden Zeit hat, sich auszuruhen, bevor er zur nächsten Veranstaltung fährt.“
Craigs Wurzeln reichen tief in die Anfänge des Techno zurück. Carl Craig ließ sich von den Pionieren Juan Atkins, Derrick May und Kevin Saunderson inspirieren. Ohne Zugang zu teuren Drumcomputern begann er mit Synthesizern zu experimentieren.
Ein frühes Tape mit „Neurotic Behavior“ überzeugte Derrick May, der ihn prompt auf Tour nach Europa mitnahm. 1989 erschien seine erste EP „Crackdown“ unter dem Pseudonym Psyche auf Transmat Records – der Beginn einer beispiellosen Karriere.
Mit seinem Label Planet E Communications, das er in den frühen 90ern gründete, setzte Craig neue Maßstäbe für Detroit Techno. Seine Vielseitigkeit zeigte er unter Aliassen wie BFC, Paperclip People oder Innerzone Orchestra.
Tracks wie „Bug In The Bassbin“ veränderten das Klangbild der elektronischen Musik nachhaltig. Auch als Remixer sorgte er für Furore, etwa mit seiner Neuinterpretation von Tori Amos‘ „God“. Später übernahm er sogar die künstlerische Leitung des Detroit Electronic Music Festivals (DEMF) – ein Zeichen für seine anhaltende Relevanz.
Der Film „DESIRE“ beleuchtet aber nicht nur die Höhen seiner Karriere, sondern auch die Herausforderungen, die ihn möglicherweise von der Tanzfläche fernhalten könnten. Craig selbst hat sich in den letzten Jahren vermehrt der Kunstwelt zugewandt.
Seine Soundinstallation „Party/After-Party“, die 2020 im Dia Beacon debütierte und 2023 in Los Angeles gezeigt wurde, verbindet elektronische Musik mit räumlichen Klangerlebnissen. Dennoch bleibt er ein fester Bestandteil der Szene – als Live-Performer, Produzent und Innovator.
Neben Craig selbst kommen in der Doku auch Weggefährten wie Moodymann, Laurent Garnier, Roni Size und Gilles Peterson zu Wort. Nach der Premiere auf dem Tribeca Film Festival feiert „DESIRE“ nun am Glasgow Film Festival sein britisches Debüt – inklusive einer Fragerunde mit dem Filmteam.
Fans dürfen sich also nicht nur auf einen tiefen Einblick in die Welt von Carl Craig freuen, sondern auch auf ein filmisches Denkmal für Detroit Techno.
Quelle: Mixmag
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