chriscolt
Wie so viele Teenager in seinem Alter hörte der aus Linz in Österreich stammende Chris Colt mit 15 eher Hip-Hop. Eine Phase, die sich zwei Jahre später von selbst beendete, als sich seine musikalischen Interessen gen Elektronisches bewegten. Mit 25 Jahren entschied Colt sich, selbst Musik aufzulegen. Im Juli 2012 debütierte er in Sachen Produktionen mit der EP „Rock This House“ auf dem Label C47 Digital mit Remixen von Join Forces und Pimp!ie. Nun hat er mit Sonority sein eigenes Label, wo dieser Tage sein Debütalbum „Love And Beats“ veröffentlicht wird. Soundtechnisch changiert er dabei zwischen House und treibendem Tech-House.


Rekapituliert er die Zeit, in der er zu elektronischer Musik fand, stellt er nach wie vor eine große Leidenschaft fest. „Die gesamte Materie hat mich sofort in ihren Bann gezogen. Es war alles neu, aufregend und die Leute, die involviert waren, schienen mir um ein Vielfaches netter und herzlicher, als ich es bis dato kannte. Auch wenn der Begriff mittlerweile nicht mehr zeitgemäß oder modern klingt, war ich damals dennoch ein typischer Raver (lacht).“ Einen speziellen Moment gab es allerdings nicht, der ihn zum Auflegen gebracht hat. In seinen Augen war das eher eine natürliche Entwicklung. „Das kam alles aus der Faszination für die Musik bzw. die Szene. Ich habe nach einer Zeit nicht nur auf dem Dancefloor gestanden, sondern den DJs bei ihrer Arbeit zugeschaut. Irgendwann kam in mir der Wunsch auf, selbst an den Reglern zu stehen. Gesagt, getan. Wohin mich das überall führen und was man dadurch alles erleben würde, das konnte ich mir damals ehrlich gesagt gar nicht vorstellen. Ich liebe es und die Tatsache, dort meine Kreativität ausleben zu können. Damals war Linz, wo ich nach wie vor lebe, ein guter Ort für die Szene. Alles war frisch und lebendig. Ob mir der Standort heute noch weiterhilft, bezweifle ich. Aber ich bin hier geboren, mit der Musik hier aufgewachsen und werde sie auch weiterhin hier hören und spielen.“ Angefangen hat der Heimatverbundene Colt auf Vinyl. „Als dann irgendwann die Übergänge klappten, habe ich Mexx Headroom, einem Veranstalter hier aus Linz, ein Tape von mir gegeben. Er buchte mich dann für den Club Stone Wall in Linz, eine Art Afterhour-Mekka damals. Ich habe sehr oft dort gespielt und mich dort entwickelt.“ Heute findet sich sein Sound in „treibenden Gefilden mit atmosphärischen Komponenten“, wie er es nennt. Dies stellt er nun auf „Love And Beats“ unter Beweis. Das Format Album macht für den Österreicher nach wie vor Sinn und war für ihn auch die einzige sinnvolle Schlussfolgerung. „Natürlich hätte man auch einige EPs veröffentlichen können. Aber ich gehöre zu der Sorte Künstler, für die ein Album noch eine ganz andere Wertschätzung genießt. Man kann sich wesentlich besser präsentieren, mehr ausprobieren und auch mal von seinem herkömmlichen Sound abweichen. Die künstlerische Freiheit ist in jedem Fall eine größere. Im Studio arbeite ich mit Cubase, weil ich darauf gelernt habe und das Programm einfach beherrsche. Darüber hinaus nutze ich unterschiedlichste Software und Synthies, z. B. Battery 4 und Arturia Spark LE für Beat-Sachen. Die Herangehensweise an ein Stück ist immer anders. Ich probiere so lange rum, bis mir eine zündende Idee kommt, abhängig von der jeweiligen Stimmung. Obwohl ich jetzt schon langsam mit mehr Plan an die Sache herangehe, glaube ich zumindest (lacht).“ Und um den künstlerischen Prozess durch nichts zu beeinträchtigen, releast Colt seine Produktionen auf seinem eigenen Label. „Es wird mit Sicherheit demnächst mal etwas woanders erscheinen. Bislang tat mir diese Freiheit aber sehr gut.“

Für die kommenden Monate sind einige Gigs, Events sowie weitere Produktionen geplant, am 9. September feiert Chris Colt im Buddha Club in Ingolstadt seinen ersten Gig außerhalb Österreichs. / Triple P

Aus dem FAZEmag 051/05.2016
www.chris-colt.at