Christian Löffler – Graal (Prologue) (Ki Records)

 

Am 5. April erschien Christian Löfflers drittes Album „Graal (Prologue)“ auf dem Label Ki, das er mitbegründet hat. Und wie der Namenszusatz Prologue schon erahnen lässt, soll noch ein weiteres folgen. Während „Graal“ mit seinen sechs Tracks wie ein Reisetagebuch skizzenhaft unterwegs entstanden ist, wird das vierte Album klassisch im Studio entstehen. Doch bleiben wir in der Gegenwart. Mit „Graal“, benannt nach Christians Zufluchts- und Erholungsort an der Ostsee, überwand der Produzent eine Phase der musikalischen Stagnation, die er während einer sehr intensiven Tourzeit erlebt hatte. Für die schöpferische Seite der Musik blieb keine Zeit, lediglich im visuellen Bereich konnte er seiner produzierenden Kreativität freien Lauf lassen, in Zeichnungen und in der Malerei. Aus einer gewissen Frustration darüber entwarf der Musiker musikalische Skizzen auf seinem Laptop, die er in einem mehr oder weniger „unfertigen“ Zustand belassen hat. Dies verleiht jedem Stück eine Großzügigkeit, Weite, Raum. Sich im Entschleunigten zu entfalten, aufzubauen, abzuflachen, nachzuhallen. Lange nachdem die letzten Beats verklungen sind, nachdem der Stop-Button gedrückt wurde, bleiben verschwommene Linien, die von einer besonderen Stimmung getragen, immer wieder neue Formen annehmen. Die Essenz aber bleibt immer gleich. Man streift im Downtempo mit Christian Löfller durch wunderschöne minimalistische Klanglandschaften, von rauer Schroffheit, nordischer Kühle und holziger Wärme. Wie unter Wasser hört man die entrückte Stimme von Mohna auf dem Track „Like Water“. Sanft flüstert sie durch die digitalen Wellen hindurch. Neben der Hamburger Sängerin, die schon anderen Löffler-Tracks ihre Stimme verliehen hat, gibt es einen zweiten Track mit Vocals, eine erstmalige Zusammenarbeit. Josephine Phillip wärmt das Stück “Running”, unterstreicht aber auch die fragilen Komponenten. „Ry“ bau sich mystisch auf, jagt den Hörer durch Dünen, durch den Wind, der sich dann im nächsten Moment zart streichelnd besänftigt. „Graal“ trägt zu Recht den Namen eines Ortes als Titel, den Christian Löffler als eine Art Heimat bezeichnet – fühlt sich das Stück doch am persönlichsten an, als würde man mit ihm einen verregneten, etwas zu kühlen Spaziergang entlang der baltischen Küste machen und mit zugekniffenen Augen in die Weite blicken. Wäre Christian Löfflers Album ein Werk der bildenden Kunst, ein Werk der Malerei, der er auch nachgeht, wäre es, passend zu seiner eigenen Interpretation des Skizzenhaften, eine Serie im Sinne des Impressionismus. Es hinterlässt eine Impression, einen Eindruck. Flüchtig zwar in der Erscheinung, aber nachhallend in der Wirkung. 9/10 Stella