
Gelegen im Münsteraner Hansaviertel, im Komplex eines alten Autohändlers, befindet sich das AMP. Die Venue – damals noch ein Studentenclub – wurde Anfang 2020 von Tim Höltje, Lars Rüther und Sven Krützmann übernommen und zu einer festen Adresse für Techno, House und verwandte elektronische Spielarten geformt. Was kurz vor der Pandemie als Neustart begann, ist heute ein Club mit echtem Szene-Charakter, Funktion-One-Sound und internationalen Bookings. Sven Krützmann liefert Einblicke.
Das alte AMP besaß zwar einen eigenen Charme, war aber eher als Studi-Disko für Mainstream-Sounds bekannt. Mit welcher Vision seid ihr an diesen radikalen Umbruch herangegangen?
Der alte Laden kam konzeptionell an sein Ende, und mit der Übernahme hatten wir die Möglichkeit zu einem Neuanfang. Wir sind in der elektronischen Szene der 2010er aufgewachsen – musikalisch wie menschlich. So offen und solidarisch die Community war, haben wir auf den Floors auch Reglementierung erlebt: Als Opener über 128 BPM zu spielen, galt fast schon als Tabubruch. Diese Eindimensionalität empfanden wir als einschränkend. Gleichzeitig haben wir lokal wie national eine losgelöstere, humoristischere Variante von Techno wahrgenommen. Der Zeitgeist nach der Pandemie kam dem entgegen. Diese Vision prägt bis heute Programm und Ausrichtung.
Mit dem Fusion Club, aber auch anderen Venues wie dem Favela, befindet sich namhafte Konkurrenz am Hawerkamp. Versteht ihr euch als Teil dieses Geflechts oder wollt ihr euch mit einem Alternativprogramm bewusst davon absetzen?
Wir haben alle einen guten Draht zueinander, stehen im Austausch und verbringen auch mal die Sommerabende zusammen in den Venues. Uns verbindet die Leidenschaft für Veranstaltungen, elektronische Musik und Community. Gleichzeitig setzen wir uns in bestimmten Nischen voneinander ab. Es verbindet uns viel, auch wenn es programmatisch Unterschiede gibt.

Werfen wir einen Blick in das Innenleben des Clubs: Was kannst du zu Floors und Technik erzählen?
Auf dem Mainfloor haben wir ein komplettes Funktion-One-System für Main-PA und Monitoring verbaut. Bei der Lichttechnik setzen wir auf Moving Heads, LED-Panels, Fluter/Strobes und Blinder. Das Konzept verbindet organische Bewegungsläufe mit statischeren Elementen und soll möglichst nicht zu repetitiv wirken. In der Regel verändern und erweitern wir es alle zwei Jahre. Gewachsen ist es aus räumlichen Gegebenheiten, eigener Raver-Erfahrung sowie Budget und technischen Möglichkeiten. Der kleine Floor ist intimer ausgestattet; dort haben wir eine KV2-Anlage verbaut.
Treibende Kraft hinter dem Club ist Panorama – das hauseigene Label des AMP. Welchen Einfluss hat Panorama?
Panorama war das erste gemeinsame Outdoor-Event von Tim, Lars und mir und damit der Startschuss für alles, was danach kam – bis hin zur Übernahme des AMP. Die Marke begleitet uns bis heute und hat sich zu einer kleinen Agentur mit Künstlerbetreuung und eigenem Label entwickelt. Gleichzeitig veranstalten wir weiter Events. Panorama bleibt fester Bestandteil unseres Projekts.
Ab 2022 lag euer Fokus stark auf dem Trance-HypeMittlerweile ist der Trend etwas abgeflacht und das AMP hat seinen Sound wieder mehr diversifiziert. Ein paar Worte zu eurem aktuellen Musikprogramm?
So wie wir haben sich auch Künstler, Gäste, Mitarbeiter, Residents und DJs weiterentwickelt – menschlich wie musikalisch. Das spiegelt sich in einer stärkeren Diversifizierung wider. Heute reicht das Spektrum von House und Disco über Techno bis Trance, Groove und verwandte Spielarten. Hard Techno, Schranz und härtere Richtungen finden sich bei uns nicht im Programm. Dafür gibt es am Hawerkamp andere Clubs. Bei uns wäre es schlicht nicht authentisch.
Aus dem FAZEmag 175/09.26
Foto: Tim Höltje
www.amp-ms.de
www.instagram.com/amp_muenster