Foto Tel Aviv: Wikipedia
Vor wenigen Wochen hat uns DJ Aroma aus Berlin einen kleinen Tourbericht aus Tel Aviv geliefert, nun werfen wir einen Blick auf ein paar hiesige Protagonisten und haben ihnen ein paar Fragen zur Clubkultur in Israels Partymetropole geschickt. Los geht es hier mit Dan Yoel alias Lt. Dan. Auf den folgenden Seiten (Links siehe unten)  kommen noch Nadav Ravid, Red Axes (Niv Arzi & Dori Sadovnik) & Yogo zu Wort.

Wie lange lebst du schon in Tel Aviv? Bist du zugezogen oder dort geboren?
Lt.Dan:
Es ist gut 10 Jahre her als ich von meiner Heimatstadt Jerusalem nach Tel Aviv gezogen bin. Einer der Gründe war die Eröffnung eines neuen Club, dem Haoman. Ich begann im Nachtleben selbst aktiv zu werden, startete eigene Projekte und begann mit dem Auflegen.

Was genau machst du in der Tel Aviver Szene?
Lt.Dan: Seit einer Dekade schmeiße ich nun Partys. Zur Zeit läuft das ganze unter dem Namen „Freaktion“. Bei dieser Veranstaltungsreihe geht es um die Eigenheiten und Geheimnisse der verschiedenen Musik-Szenen und Leute, die sich in deren Szenen einbringen, sie also mitgestalten. Unsere Gäste kommen hier nicht nur aus Deutschland, sondern aus der ganzen Welt.

Wie bist du mit der elektronischen Musik in Kontakt gekommen?
Lt.Dan: Ich besuchte einen Club in meiner Heimatstadt Jerusalem, in dem ich später dann auch gearbeitet habe. Das britische Duo Circulation spielte ein Set aus Deep Progressiv Techno, was zu dieser Zeit ziemlich angesagt war. Seit dieser Nacht war ich jedes Wochenende unterwegs.
Ich war umgeben von allem was ich brauchte und fühlte mich, als hätte ich eine völlig neue und andere Verbindung zur Musik als zuvor.

Wie hat sich die Clubszene in Tel Aviv in den letzten Jahren entwickelt?
Lt.Dan: Wow, das ist eine lange Geschichte, da kann ich nur aus meinen eigenen Erfahrungen und Erlebnissen erzählen. Auf die Entwicklung der jeweiligen Szene in Tel Aviv und Israel müsste man spezifisch eingehen.
Ich wurde 2001 Teil des Ganzen, als „Global Underground“ mit Digweed und Sasha den Sound in Israel bestimmten. Außerdem hatten die Holländer Tony de Vitt, Dimitri, Erick E und Michel De Heij großen Einfluss auf die Musik. Später wurde der Begriff Techno von Künstlern wie Plastikman, John Acquaviva und Josh Wink geprägt. Auch schwappten nun immer mehr die verschieden europäischen Stilrichtungen eines Sven Väths, Youngsters, Lauren Garniers, Carl Cox und vielen weiteren herüber.
In Tel Aviv gibt es unterschiedlichste Clubs, die Raum für eine Vielzahl an Genres und Ausprägungen lassen. Von Partys der kleinen Labels mit 200 Leuten bis zu den den ganzen großen Techno-Veranstaltungen findet hier jeder seine passende Location.

Was macht die Magie von Tel Aviv aus, was ist anders als in anderen Städten?
Lt.Dan: Ich denke der größte Unterschied ist, dass die Leute hier sofort wollen wofür sie bezahlten. Seit die Preise für Eintritt und Getränke stark gestiegen sind, ist es den Gästen noch wichtiger geworden die Nacht so gut es geht genießen zu können. Ein weiterer Punkt sind die vielen OpenAir und Roof-Top Partys an den Nachmittagen. So kann am gut am nächsten Tag zu Arbeit gehen.

Du lädst regelmäßig DJs aus Deutschland ein und kooperierst auch diversen Clubs dort. Wie ist das entstanden?
Lt.Dan: Ja richtig, ein Konzept, das ich während der Zusammenarbeit mit Rivulet Records in Leipzig und Berlin zu lieben gelernt habe. Mein Freund Doron Eisenberg (Legotek Records) und ich waren nach Deutschland eingeladen worden, um für eine Leipziger Crew namens Tim & Struppi zu spielen (heute: RIVULET). Eine großartige Nacht, in der wir viele tolle Leute kennenlernten. Die Veranstalter waren sehr an Israel interessiert und so besuchten sie uns und spielten auf einer meiner Roof-Partys. Es entwickelte sich eine Art Tradition.
Leute aus verschiedenen Ländern einzuladen ist eine großartige Sache. Man hat die Möglichkeit neue Erfahrungen zu machen und den eigenen musikalischen Horizont zu erweitern. Außerdem ist eine gute Chance für einen netten Urlaub und die Gigs machen die Reisekosten wieder wett.

Ihr habt gut zehn Monate lang Sommerwetter. hat das einen Einfluss auf das Clubleben?
Lt.Dan:
Auf jeden Fall! Viele OpenAirs und Roof-Partys haben direkten und vor allem positiven Einfluss auf die Szene.

Die politische Situation in der Region ist ziemlich kompliziert. Hat das Auswirkungen auf das Ausgehverhalten der Leute?
Lt.Dan:
Auf den Partys merkt man davon nichts. Es kommt jedoch ab und an vor, dass uns DJs aus politischen Gründen nicht besuchen wollen.

Deine drei Lieblingslocations:

Deli
Sehr cooles Sandwich Deli & Bar, wo ich meine monatliche „Freaktion“-Party veranstalte. Klein, aber qualitativ hochwertig, mit zwei FLoors und einem großartigen Vibe.
www.facebook.com/deli.telaviv

Bootleg
Ein Veteran der Tel Aviver Clubszene. Ebenfalls zwei Floors. Ich spiele dort auch sehr oft, toller Unterground-Touch.
www.facebook.com/bootleg.telaviv

Shesek
Kürzlich geschlossen, aber für mich auf jeden Fall eine meiner Lieblingsbars in der Stadt. Immer gute Musik, nettes Personal und coole Leute am Start.
www.facebook.com/shesek 

Clubkultur Tel Aviv: Nadav Ravid
Clubkultur Tel Aviv: Red Axes
Clubkultur Tel Aviv: Yogo
DJ Aroma – Tourbericht Tel Aviv

Lt.Dan_by Anton Zak

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www.facebook.com/djltdan

Foto Lt.Dan: Anton Zak
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