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Venedig – eine verträumte Stadt im Nordosten Italiens. Man denkt an Gondeln im Canal Grande, ausgestattet mit gutem Wein und einheimischen Sängern, die einen gen Sonnenuntergang quer durch die engsten Gassen gegleiten. Genau in dieser 260.000 Einwohner-Stadt haben sich Nicola Sansoni sowie Kaled Jabari vor rund 20 Jahren kennengelernt. Kürzlich veröffentlichten sie als Cosmic Cowboys ihr Debüt-Album „Zero Gravity Love“ auf Musik Gewinnt Freunde.

Genauer genommen stammen die beiden aus Treviso, einer kleinen Stadt in unmittelbarer Nähe zu Venedig. Dort begann ihre Liebe für die elektronische Musik, erzählt Nicola: „Damals waren wir 16 Jahre alt. Mit unserem anfänglichen Ausgehen haben wir recht schnell gewusst, dass dies genau unser Ding ist und haben zusammen alles auf eine Karte gesetzt. Auch wenn wir immer wieder Solo-Projekte realisiert haben, hat unsere Freundschaft und Passion nie gelitten. Während Kaled mehr im Thema Chillout und House war, fokussierte ich mich auf technoideren Sound.“ Es war eine regnerische und gewöhnliche Nacht im Oktober 2008, in der sie gemeinsam im Studio saßen und ihre verschiedensten Einflüsse fusionierten. „Wir fingen an, an einem Track zu arbeiten und hatten plötzlich das Gefühl, beide Soundwelten eins werden zu lassen. In dieser Nacht ist das Projekt Cosmic Cowboys entstanden. Danach haben wir nie wieder solo gespielt oder produziert. Wir hätten niemals gedacht, dass aus einer Leidenschaft ein Beruf und ein ganzer Lebensinhalt mit diesen Dimensionen entstehen könnte. Allein die Tatsache, dass man dabei die gesamte Welt sehen darf…“

Zwei Jahre nach ihrer Zusammenkunft verschickten sie eine Demo an die zu der Zeit in Hamburg lebenden Nico Plagemann und Christian Hilscher, besser bekannt als Kollektiv Turmstrasse und Label-Bosse von Musik Gewinnt Freunde. Ganz dem Namen zu Ehren, entwickelte sich bis heute eine ausgedehnte Freundschaft. „Das zwischen uns und diesem Label könnte man als wahre Liebe bezeichnen, daher könnten wir uns dieses Release auch auf keinem anderen Imprint vorstellen. Wir haben bereits einige EPs wie ‚Notre Jour Viendra‘ oder ‚Piano Africano‘ dort veröffentlicht. Nach einigen Monaten der Zusammenarbeit haben wir Nico und Christian während einer Show in Mailand kennengelernt. Dass wir ein Label gefunden haben, das perfekt zu unserem Sound passt und bei dem ein derart familiäres Miteinander herrscht, erfreut uns Tag für Tag.“ An den Arbeiten zum nun erscheinenden Longplayer begannen die zwei bereits im Sommer 2011 und haben in der darauffolgenden Zeit einige Phasen durchlebt. „Dieses Album war eine lange Reise, die über zweieinhalb Jahre in Anspruch genommen, sich aber definitiv gelohnt hat. Nach einigen sehr Dancefloor-orientierten Releases waren wir es müde, unseren Sound ausschließlich in diesem Kontext zu sehen. Daher haben wir uns entschlossen, unserer beider Attitüden, unser Ziel und die Sichtweisen zu ändern, etwas dennoch 100 % Kosmisches zu realisieren. So sind diese zehn neuen Stücke entstanden. Es war ein äußerst spannender Prozess, da wir den Anfang dieser Geschichte kannten und uns haben leiten lassen. Es ging irgendwann so einfach und natürlich. Der Grund, aus dem es dann doch so lange gedauert hat, ist der, dass wir mehrmals diese Ideen bearbeitet haben, um unserem Anspruch gerecht zu werden und das Gefühl der kompletten Zufriedenheit zu erzeugen. Wir sind uns bewusst, dass dieser Sound sicherlich entgegen des aktuell beliebten Strom fließt – aber damit haben wir uns glücklicherweise nie identifiziert. Von deep bis hin zu Jazz, Chillout oder einer Ballade mit Pop-Appeal grenzen wir uns keinem Genre so wirklich aus und haben dies in den zehn Jahren unserer Karriere nicht getan. Unterm Strich vermittelt jeder Song eine gewisse Emotion, daher sind wir mit dem Ergebnis sehr zufrieden. Es war für uns der Beweis, dass man Dinge nicht immer erzwingen kann, sondern zur richtigen Zeit angehen sollte. Ideen oder Herangehensweisen müssen ab und an verändert werden, um dennoch an das gleiche Ziel zu gelangen. Wir sind an diesem Album auch ein großes Stück gewachsen.”

Zu dieser Erfahrung gehörte ein nicht immer geregelter Studioalltag. Unzählige Gigs, zwei normale 9to5-Jobs sowie die für Künstler so typische Suche nach der perfekten Stimmung gestalteten sich gebündelt als zunehmend suboptimale Punkte, um ein zufriedenstellendes Produkt abzuliefern. „Nach einiger Zeit entwickelte sich eine Art ‚arbeiten‘, was uns gar nicht gefiel. Als wir die ersten Skizzen fertig hatten und jeder auch mal für sich arbeiten konnte, entspannte sich die Situation – nachdem wir wirklich über Wochen hinweg viel zu wenig Schlaf bekamen. Wir haben eine gute Organisation finden müssen. Sehr viel Spaß haben die Aufnahmen mit den Live-Musikern gemacht, und wie sie mit ihren Skills die gesamte Dynamik und Atmosphäre der Tracks verändern und befruchten. Gemastert wurden die Sachen anschließend von Massimiliano Orian, dem Keyboarder unserer Band und zeitgleich auch unser Sound-Ingenieur.” Generell finden sich auf „Zero Gravity Love“ zahlreiche Kollaborationen, darunter auch mit einigen in der Szene bekannten Größen. „Max und Giovianni aus unserer Band kennen wir natürlich schon ewig. Den Gitarissten Marco und die Sängerin Michele haben wir in Venedig kennengelernt, da wir einen Aufruf bei Facebook gestartet hatten, in dem wir nach Vokalisten suchten. Viele alte Freunde haben uns tatsächlich Sachen geschickt, und es sind dadurch zahlreiche neue Kontakte entstanden – alles in allem war es ein großes Miteinander. Darüber hinaus hatten wir die große Ehre, mit dem südafrikanischen ‚Master of Words‘, Lazarusman, zu arbeiten, der bereits mit Leuten wie Tigerskin und Stimming kollaborierte. Mz Sunday Luv hat bereits mit Echonomist oder Siopsis gearbeitet. Akami aus Rom kennt man bereits von dem Featuring mit Kiki von BPitch. Und das ist nur eine kleine Auswahl der Leute, die an ‚Zero Love Gravitiy‘ gearbeitet haben. Ohne diese vielen Einflüsse wäre dieses Werk niemals so geworden, und darüber sind wir sehr glücklich.”

Mit der gleichnamigen Singleauskopplung zum Album ist aktuell auch ein Remixpaket mit Versionen von Dub Taylor, Matthias Meyer & Patlac sowie Kollektiv Turmstrasse erhältlich. In den kommenden Wochen werden die Cosmic Cowboys auf Albumtour gehen, doch recht bald werden sie erneut im Studio sitzen. Ein neues Electro/Acoustic-Projekt ist noch vor dem Sommer 2014 geplant. Doch bis dahin liegt auch schon wieder einiges in der Pipeline. „Es wird wieder einige Nummern für den Dancefloor geben, z.B. mit DJ Le Roi von Get Physical und Giorga Angiuli von BPitch. Viele Dinge liegen in der Luft, der Fokus aber dennoch auf dem Album – schließlich hat das ja schon lange genug gedauert.“

 

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