Er ist ein echter Texaner. Matthew Dear, aufgewachsen zwischen Trailerparks und mit Country und Rock, wagte Mitte der 1990er-Jahre den Schritt in den Sektor der elektronischen Musik und stieg unter dem Einfluss von Größen wie Depeche Mode sowie Nitzer Ebb zu einem gefeierten Elektro-Produzenten auf. Seine Wurzeln hat er jedoch nie vergessen und somit schickt er nun “Preacher´s Sigh & Potion: Lost Album” ins Rennen, das vornehmlich von der Country-Ikone Emmylou Harris und Dears Vater inspiriert wurde. Freuen darf man sich auf seinen klassischen Dance-Music-Sound, gepaart mit Country-Folk-Einflüssen und Gitarren-Loops.

Bis der Texaner mit Country-Musik so richtig warm wurde, mussten allerdings ein paar Jahre vergehen. Dear erzählt uns, dass er zunächst keine wirkliche Bindung zu dem Genre verspürte und Abstand nahm, obwohl sein Vater ein populärer Country-Musiker der 1960er- und 1970er-Jahre war. In seinen Zwanzigern machte es dann aber „Klick“: “Ich realisierte, dass es sich bei der Musik meines Vaters um echte authentische Country-Musik handelte. Sie begann, mir zu gefallen”, so Dear, der das Genre nicht zwingend als klassisch texanisch einstuft. Der Bundesstaat sei schließlich sehr groß und somit eben auch vielfältig, was Musik und Kultur betreffe. Als er mit 16 Jahren nach Michigan zog, bekam er hingegen schnell einen stereotypen Stempel aufgedrückt. “Man fragte mich, ob ich auf einem Pferd zur Schule käme. Ich musste dann erklären, dass San Antonio [Großstadt in Texas, Anm. d. Redaktion] eine Metropole ist, mit Autos und Einkaufszentren, genau wie andere große amerikanische Städte.“

Zurück zum Musikalischen: Ein gänzlich neues Album ist “Preacher´s Sigh & Potion” nicht, denn die elf Tracks wurden allesamt vor zehn Jahren aufgenommen, jedoch nie veröffentlicht. Der im erweiterten Sinne auch als Popmusiker aktive Matthew Dear wagt mit der Verbindung von Country und Elektro einen mutigen Schritt – denn diese Mischung ist zweifellos außergewöhnlich – und er überzeugt. Im Vergleich zu seinen bisherigen Produktionen, die durchaus auch von nicht-elektronischen Elementen geprägt sind, stuft er das Album wie folgt ein: “Ich habe sehr viel mit akustischen Gitarren-Samples gearbeitet. Das Album arbeitet außerdem mit mehr linearen Erzählungen als meine anderen Sachen. Es gibt insgesamt weniger Zweideutigkeit, und die Texte versuchen, eine Geschichte von Anfang bis Ende zu erzählen. Das ist definitiv vom Country inspiriert.” Abschließend haben wir den 42-Jährigen zu seinen Lieblings-Country-Interpreten befragt. Neben Towne’s Van Zandt, Guy Clark und John Prine führt er an dieser Stelle auch Willie Nelson, Hank Williams Sr., Patsy Cline, Emmylou Harris und Bob Wills an, die laut Matthew insbesondere in historischer Hinsicht einen großen Beitrag für das Genre und dessen Erbe geleistet haben.

“Preacher´s Sigh & Potion: Lost Album” ist am 25. Juni via Cargo Records erschienen.

 

Aus dem FAZEmag 113/07.21
Text: Milan Trame
www.soundcloud.com/matthewdear