Es hätte durchaus günstigere Zeitpunkte gegeben, um ein neues Label zu gründen, das sich soundtechnisch auf kompromisslosen und straighten Techno spezialisiert, als inmitten einer Pandemie. Umso überzeugter muss aber Jerome D. aka Cri Du Coeur von seinem Vorhaben gewesen sein, und so startete der Belgier im Frühjahr 2020 Arkham Audio. Dieser Tage erscheint mit „Arkham Friends“ eine zweiteilige Compilation mit Akteur*innen aus dem Inner Circle des Labels. Veröffentlicht werden beide Kopplungen am 3. September.

Hört man auf dem ersten Teil rhythmischen, pulsierenden, energiegeladenen Techno von Roman Poncets bis hin zum perkussiv getriebenen, basslastigen und höchst fesselnden Upbeat-Stil von Insolate, liefern Crashguard & Denise Rabe fesselnde harte, dunkle und schwere Ansätze im Mix, während CYRK & DJ T-1000 eklektische Elemente zu Tracks verschmelzen, die einen einzigartigen, unkonventionellen Ansatz bieten, der voller Überraschungen steckt. Außerdem zu hören gibt es Künstler wie Luis Flores, Dustin Zahn & K-TEN.

Noch intensiver geht es auf Teil 2 zu, wo der Label-Chef selbst sowie Namen wie Marhu & Florian Meindl, Drumcell, Zadig & Joe Farr und Oliver Deutschmann Beiträge abliefern. „Unser Start bzw. der Zeitpunkt war zugegeben etwas suboptimal. Es war schwer, sich die Zukunft vorzustellen, da die Clubs, Veranstaltungen und Stores schon lange geschlossen hatten. Aber einige Künstler*inen wollten und mussten abliefern, und es war eine Gelegenheit für uns als junges Label, zu beweisen, dass wir mit dieser Pandemie umgehen können. Außerdem ist es nicht verkehrt, trotz der physischen Distanz den Fans trotzdem etwas bieten zu können. Wir möchten uns weiter so gut entwickeln wie in den letzten Monaten und irgendwann mit einem engen Kreis an Künstler*innen auch Clubnächte veranstalten.“

Events organisiert Jerome bereits seit 1996 und prägte die Szene in Belgien seit jeher maßgeblich mit. Die Idee zum Label kam dem Lütticher nicht zuletzt aufgrund seines renommierten Netzwerks, das er sich im Laufe der Zeit aufgebaut hat: „Als Teenager war ich jedes Wochenende in den Technoclubs wie Fuse, Cherry Moon und Montini, um nur einige zu nennen, aber auch auf den belgischen Raves Mitte der 90er-Jahre. Es war eine tolle Sache, an dieser Underground-Nation teilzuhaben und sie zu repräsentieren und die guten Vibes zu verbreiten.“

Im Dezember erschien bereits eine Compilation, bei der zahlreiche Künstler*innen wie Chris Liebing, Dave Clarke, Truncate, CYRK, Coyu und mehr den legendären Track „Anasthasia“ von T99 remixten. Dort kam ihm die Idee zum jetzigen Release: „Es war, als ob ich das perfekte Line-up für eine unanständige Party zusammengestellt hätte. Dann dachte ich, es wäre vielleicht eine gute Idee, all den Künstler*innen zu danken, mit denen wir im ersten Jahr zusammengearbeitet haben, und sie um einen Originaltitel zu bitten. Ich habe auch andere talentierte befreundete Künstler*innen gebeten, sich zu beteiligen, da wir ihren Sound mögen.“ Nicht zuletzt auch durch etwas skurrilere Umstände ist die Label-Familie dabei Stück für Stück gewachsen: „K-Ten aus Indien hat mich über Whatsapp kontaktiert, nur um über Musik zu reden. Dann wurden wir Freunde. Als ich die Idee zu diesem Album mit Originaltiteln von bekannten Künstler*innen hatte, kam mir die Idee, auch Newcomer in das Abenteuer einzubeziehen. Danke an ihn, dass er mir einige Demos geschickt hat.“

Mit „Twinpeak“ liefert der Boss höchstpersönlich ebenfalls ein Original ab, ganz in oldschooliger Rave-Manier: „Ich bin ein großer Fan der frühen Acid-Techno-Jahre. Ich erinnere mich immer an die energiegeladenen Acid-Sets von Miss Djax oder Jeff Mills im ,Planet of Cyberpunk’-Raum beim Universe-Tribal-Treffen in München. Ich habe das Produzieren vor 20 Jahren mit einigen Freunden aus meiner Stadt gelernt, auf analogen Maschinen. Dann habe ich damit aufgehört, um mich auf DJ-Sets und Event-Promotion zu konzentrieren. Jetzt komme ich mit meinen Freunden von CYRK mit neuen digitalen Erkenntnissen und Möglichkeiten zurück. Natürlich gibt es immer noch analoge Synths, aber sie sind mit all der neuen Technologie vermischt. Das ist aufregend, dennoch habe ich keine besonderen Ziele für die Zukunft. Da ich immer noch neue Ideen habe, mache ich immer weiter. Die Inspiration kommt, wenn man sie nicht erwartet, also mal sehen, was passiert.“

Hier geht’s zur „Arkham Friends“-Compilation.


Aus dem
FAZEmag 115/09.21
Text: Triple P
Credit: Marc Delporte
www.instagram.com/arkham.audio.records