Es ist ja schon lange nichts Ungewöhnliches mehr, wenn DJs auch eigene Tracks produzieren, ein Label gründen oder eine Booking-Agentur ins Leben rufen. Die große Kunst besteht jedoch darin, dabei an jedes Detail zu denken, denn spätestens wenn alle diese Punkte zusammenkommen, braucht man mindestens doppelt so viele Arme wie Shiva, um alles unter einen Hut zu kriegen. Mal abgesehen von einem vorzeigbaren Artist-Roster und einem Team, in dem man sich im besten Fall gegenseitig pusht, sind Promo, Realeses, Bookings, Webseitenpflege und eine 24/7-Erreichbarkeit nur ein paar Punkte, die für den Erfolg unabdingbar sind. Dazu muss man sich natürlich auch Zeit abzwacken, um selbst im Studio Kreatives zaubern zu können und ganz nebenbei auch Wochenende für Wochenende selbst auf der Bühne zu stehen. Matthias Sperlich aka Cubixx besitzt ein einzigartiges Talent. Er produziert seit 15 Jahren zeitlosen, klassischen Progressive Psytrance und wird auf dem gesamten Planeten für die angesagtesten und bekanntesten Events gebucht.

Die Gründung von Iono Music, so verriet er mir im Vorgespräch, war eine Herzensentscheidung, die er bis heute nicht bereut.


Matthias, vielen Dank, dass du dir etwas von deiner kostbaren Zeit freigeschaufelt hast! Dein Pseudonym Cubixx steht für viele verschiedene Dinge. Wie würdest du die Bedeutung beschreiben und was macht deinen einzigartigen Musikstil aus?

Das ist richtig, der Name Cubixx symbolisiert viele verschiedene Dinge, weil er aus mehreren Merkmalen besteht. Zum einen gibt es überall auf der Welt Menschen, die mich nicht bei meinem persönlichen Namen nennen. Sie nennen mich Cubixx, sie kennen mich als Cubixx – es ist ein Teil von mir. Zum anderen bin ich ein DJ, der auf der ganzen Welt auftritt und Tracks mixt, die meiner Meinung nach gut für meine Sets sind und von denen ich glaube, dass sie gut für das Publikum sind, das mich hört. Und dann bin ich im Laufe der Jahre unter einem anderen Namen Künstler und Musikproduzent geworden – das ist aber immer noch ein Name, der mit Cubixx verwandt ist. Und zu guter Letzt besitze ich eine erfolgreiche Plattenfirma, Iono Music, und eine Booking-Firma, Iono Bookings, die junge und alte Künstler aus der ganzen Welt beherbergt. Das ist mein Baby und ich bin sehr stolz darauf. Die Möglichkeit zu haben, Künstler dabei zu unterstützen, sich zu entwickeln und qualitativ hochwertige Musik zu veröffentlichen, macht mich sehr glücklich. Diese vielseitigen Bereiche sind alle Teile von mir, aber sie bilden ein Ganzes – sie machen Cubixx aus. Es gibt auch eine tiefer gehende Erklärung für den Namen Cubixx: Ein Würfel besitzt eine geometrische, dreidimensionale Form. Jede der sechs quadratischen Flächen ist gleich und erzeugt eine stabile, starke, aber vorhersehbare Form. Wenn es jedoch jemandem gelingt, über die gewöhnliche Form hinaus zu sehen, diesen Würfel wie einen Zauberwürfel zu behandeln und eine komplexe und kreative neue Form zu schaffen, dann können innovative, aufregende und unvorhersehbare Dinge geschehen. Ich denke, diese Idee repräsentiert meinen einzigartigen Musikstil.

Wie hat deine musikalische Reise begonnen?

Da ich in Berlin geboren und aufgewachsen bin, wurde ich von dem wachsenden Boom des elektronischen Genres, der sich nach der Wende ereignete, stark beeinflusst. Ich kaufte mein erstes Vinyl, als ich 16 Jahre alt war – Cosmic Baby, „+“. Ich war fasziniert von den neuen Klängen, besonders von denen, die von Eye Q und Hard House Records kamen. Ich begann 1993, meine Mixing-Fähigkeiten zu erforschen, und erkannte, dass es viele Stunden harter Arbeit erfordern würde, um die Kunstform des DJings zu beherrschen, also übte ich die nächsten zwei Jahre wie verrückt. Nach endlosen Monaten des Übens war ich in der Lage, im Schlaf zu mixen, und dann war es an der Zeit, aus dem Schlafzimmer auf die Tanzflächen zu ziehen – ich spielte in ganz Deutschland mit den neuen Techno-Sounds. Im Jahr 2001 ging ich zum Fusion-Festival, hatte meine erste Begegnung mit Psychedelic Trance und war sofort süchtig danach. Das aufkommende Progressive-Trance-Genre beeinflusste mich stark.

In welchem Alter hast du angefangen, dich für Musik zu interessieren?

Ich kann mich nicht mehr an das genaue Alter erinnern. Ich glaube, ich kam aus dem Mutterleib und hörte und liebte Musik!

Hast du schon als Kind davon geträumt, Musiker zu werden?

Als Kind wusste ich nicht, was ich werden wollte, aber ich war von der Musik besessen – das war ich immer und werde ich immer sein. Deshalb bin ich sehr gesegnet, dass ich von der Musik leben kann.

Gibt es jemanden, der dich dazu inspiriert hat, Musik zu machen? Wenn ja, wer war es und was hat dich so inspiriert?

Ich glaube, in den frühen Tagen hörte ich Vibrasphere, Atmos und Phony Orphans, und die haben mich definitiv dazu inspiriert, meine eigene Musik zu machen. Ihr Klang war so frisch und innovativ – das hat mich wirklich bewegt.

Jeder Künstler begegnet auf seiner Reise Herausforderungen. Welche Probleme und Herausforderungen hast du erlebt und wie hast du diese gemeistert?

Ja, als Künstler – und als Mensch generell! – sehen wir uns ständig mit Herausforderungen konfrontiert. In der Vergangenheit habe ich Herausforderungen erlebt, als ich meine Musik unterbringen wollte – also habe ich mein eigenes Label gegründet. Ich habe finanzielle Herausforderungen erlebt und musste zusätzliche Arbeit auf mich nehmen, und manchmal stehe ich vor kreativen Herausforderungen – dann muss ich einfach eine Auszeit nehmen, mich erfrischen und neue Energie tanken. Ich denke, mit der Zeit habe ich gelernt, zu akzeptieren, dass das Leben voller Herausforderungen steckt, und ich habe mir angewöhnt, diese als Chance zu sehen, zu wachsen und mich zu entwickeln. Das hilft mir dabei, mich durch sie hindurch zu bewegen und sie zu überwinden.

Hast du irgendwelche Ratschläge oder Tipps für frische, aufstrebende Künstler?

Der beste Rat, den ich geben kann, ist, das Ganze in erster Linie aus Liebe zu tun. Dann fühlen sich die Herausforderungen nicht so schlimm an. Harte Arbeit, das Investieren vieler, vieler Stunden ist unerlässlich, um die Fertigkeiten des DJings und der Produktion zu erlernen und etwas zu kreieren, was originell und von höchster Qualität ist. Junge Künstler erhöhen so ihre Chancen, ihre Musik bei einem Label zu platzieren und Bookings zu erhalten. Das ist es also, was ich ihnen raten würde, zu tun. Es ist toll, sich von anderen Künstlern inspirieren zu lassen, aber es ist wichtig, seinen eigenen Sound zu haben – seine eigene Identität. In der Kunst geht es darum, das auszudrücken, was in einem steckt – und dann hofft man, dass das eine Verbindung mit anderen herstellen kann. Künstler sind Individuen, also kann man etwas Eigenes nicht schaffen, indem man anderes nachahmt. Man muss authentisch sein.

 

Aus dem FAZEmag 098/04.2020
Text: Jeanette Leiendecker
Foto: Yonatan Benaksas