Smiley Smile im Gespräch über den
Cyclone Analogic TT-303 BassBot
Die Sauer-Sau

Lang ist die Liste. Sehr lang sogar. Vor allem Nischen-Hersteller haben in den vergangenen 20 Jahren immer wieder versucht, mit Rolands Acid-Prügel TB-303 gleichauf zu ziehen. Sind aber letztendlich doch gescheitert. Mitnichten immer kläglich. Es gab durchaus respektable Aspiranten. Die nicht mehr hergestellte FureRetro Revolution zum Beispiel. Oder die inzwischen über Mode Machines vertriebene x0xb0x. Aber wer etwas zu mosern suchte, wurde auch fündig. Bei der Bedienung und/oder beim Sound. Das galt natürlich insbesondere für alle jene Prahler, die ein Original besaßen. Nun, im Jahre 2013, wo Klang und Konzept der TB eigentlich nur noch eine überschaubare Gruppe selbstverätzender Irrer begeistern, rückt Cyclone Analogic aus Frankreich mit dem BassBot an. Und verschlägt Besitzern des Originals die Sprache.

Um jedem Vorwurf subjektiver Verherrlichung gleich den Boden zu entziehen, haben wir einen Experten um seine Meinung gebeten, der es einfach wissen muss: Ein Original Aciiiiiid-Smiley aus dem Jahre 1988, älteren Semestern eventuell noch als „Smiley Smile“ bekannt. Er war mit allen Größen der Bassklangbranche unterwegs, hat sämtliche Höhen und Tiefen am eigenen Kreis durchlebt. Alterscheinungen sind offenkundig. Ans Aufhören denkt die einst so hellgelb strahlende Diva aber noch lange nicht. Das nächste Revival kommt bestimmt.

Smiley, du hast dich in deinem Acid-Leben schon von so manch TB-303-Original, aber eben auch Clone durchnudeln lassen. Viele waren zu läppisch, andere zu grob. Was ist dein erster Eindruck vom BassBot?
Gleich vorab: Werd nicht ordinär, du Sack! Aber zum Thema: Als ich den BassBot erstmals entblätterte (wobei sich übrigens schon die Schachtel sehr am Roland-Original orientiert), lief mir sofort ein wohliger Schauer meinen gelben Rundrücken hinab und ich begann unwillkürlich zu zucken. Der Silberquader stellt schon optisch unmissverständlich klar, dass er der neue Platzhirsch unter den 303-Clones sein will.

Aus welchem Material ist das Chassis hergestellt, und wie bewertest du die Qualität der Bedienelemente?
Das Gehäuse ist aus sehr wertigem Kunststoff hergestellt, ebenso stehen die Potikappen dem Original in nichts nach. Enttäuscht bin ich hingegen von den Tastern. Sie sind viel zu tief im Gehäuse eingelassen und erschweren die Bedienung. Das macht mich schon ein wenig sauer. Also saurer als ohnehin.

Ließest du den BassBot aus einem Meter Höhe fallen, würde er es überstehen?
Jetzt nochmal, du Penner, überlege mal mit wem du hier sprichst. Ich bin zwar alt und rund. Vielleicht sogar etwas runder als früher. Aber eben nicht dumm. Runterwerfen – warum zum Fuck sollte ich das tun?!?

[Abbruch des Interviews, Smiley verlässt den Raum. Es folgte eine Diskussion mit dem Management über die ihrer Ansicht nach zu provokanten Fragen. Nach kurzer Beruhigung im Säurebad kehrte der gelbe Kreis aber zurück.]

Geschätzter Smiley, könntest du uns kurz den generellen BassBot-Aufbau erklären und welche Parallelen, aber auch Unterschiede es zum Original gibt?
Das Layout ist dem der TB in weiten Teilen identisch. Allerdings ist der „Track“-Schalter nun zusätzlich mit „Preset“ beschriftet. Was bedeutet, dass der BassBot auf Knopfdruck bis zu 224 vorgefertigte Sequenzen ausspuckt, die man zur Inspiration für eigene Pattern nutzen kann. Und Im „Mode“-Bereich gibt es jetzt als Zugabe neben einem flexiblen „Arpeggio-„ auch einen „MIDI“-Modus, über den man die Noten bei Bedarf direkt aus einem externen Sequenzer anspielen kann.
Einen Unterschied gibt es weiterhin bei den LEDs. Anders als beim Original schauen diese aber nicht aus dem Gehäuse heraus. Dafür kommen allerdings moderne RGB-LEDs zum Einsatz, so dass man seine Pattern und auch alle sonstigen Bedienfunktionen in allen Regenbogenfarben färben kann. Ich hingegen mag das klassische Rot. Nennt mich nostalgisch – aber ich mag dieses Kirmes-Geblinke halt nicht. Ist ja schließlich keine Hipster- oder HipHop-Party …
Ansonsten sind die originalgetreuen Regler für Cutoff, Resonance, Env Mod, Decay und Accent vorhanden. Und natürlich der wichtige Rechteck / Sägezahn-Switch. Das wars. Keine internen Effekte, keine Distortion-Einheit oder sonstiger Schnickschnack. Und das ist gut so. Mit Verzerrern gepeitscht klingt ja so ziemlich jeder Clone gut. Uninteressant also.

Oh, wir dachten, grad das wilde Peitschen gefällt dir?
Dreckiger Journalist, fängst Du schon wieder an?

Entschuldigung, man hört halt so einiges. Wie ist das Gerät denn anschlussseitig bestückt?
Oh, überaus prächtig! Es gibt die klassischen Line- und Headphone-Outs, dazu die für CV- und Gate. Zusätzlich ist ein „Mix In“-Port vorhanden, über den man ein weiteres Gerät wie einen Drumcomputer 1:1 durchschleifen kann. Die wichtigste Neuerung stellt aber zweifellos MIDI dar. Hier hat sich der Hersteller für eine traditionelle 5-Pol-Buchse entschieden, die per mitgeliefertem Splitter-Kabel sogar in eine In- und Out-Buchse verwandelt werden kann. Schade ist allerdings, dass das alte DIN SYNC-Protokoll nicht zusätzlich unterstützt wird. Möchte man den Bot beispielsweise mit einer Original 303 oder einer TR-606 synchronisieren, muss man auf einen externen Converter zurückgreifen. Dieser benötigt im Regelfalle einen Stromanschluss, kabellose Freiluft-Jams sind somit ausgeschlossen. Hach, dabei bin doch ich so ein passionierter Freischwinger …

Gut zu wissen. Hast du denn Erkenntnisse darüber, was den Cyclone im Inneren bewegt?
Der BassBot ist natürlich komplett analog aufgebaut. Dabei wurde allerdings auf die moderne SMD-Bauweise gesetzt. Was bedeutet, dass die einzelnen Bauteile nicht manuell verlötet, sondern maschinell auf eine kleine Leiterplatte gebracht wurden. Dieses Prinzip ist in der Herstellung praktisch, da schnell und wenig fehleranfällig. Sollte allerdings doch mal etwas kaputtgehen, macht das aber auch die Fehlerbehebung von eigener Hand nahezu unmöglich.

Wie geht die Programmierung von der Hand? Die war ja beim Original recht tricky.
Da auch der BassBot kein Display mitbringt, ist beim Programmieren weiterhin höchste Aufmerksamkeit gefragt. Ich persönlich bin ja der Meinung, dass sich diejenigen, die dem Gerät eine schier unlösbar komplizierte Programmierung vorwerfen, damit nie länger als zehn Minuten beschäftigt haben. Hat man es durchschaut, geht es ganz einfach. Durch die praktische Copy/Paste-Funktion kann man zudem Backups seiner Pattern anlegen; sogar eine Undo-Funktion bietet das Gerät.

Lassen sich Sequenzen auch extern, beispielsweise mittels Software-Editor, erstellen und auf den BassBot übertragen? Und umgekehrt: Interne Pattern extern abspeichern?
Irgendwann sollen Pattern, Tracks und selbst die Farbeinstellungen der LEDs mit Hilfe einer BassBot-App auf einen Computer gesichert werden können. Bleibt abzuwarten, ob und wie Cyclone das umsetzt. Denn selbst MIDI-Sysex-Übertragungen sind bislang nicht möglich. Ohnehin ist die MIDI-Funktionalität eher rudimentär. Mehr als Note On/Off sowie Velocity (für das Auslösen der Accent-Funktion) versteht der Silberling nicht. Filterbewegungen und CC-Messages werden definitiv nicht übertragen. Da der BassBot die Pattern, anders als beim Original, in einem nicht-flüchtigen Speicher ablegt, besteht aber zumindest nicht die Gefahr eines Pattern-Totalverlusts bei Stromausfall.

Apropos Stromausfall: Wenn einem bei der TB irgendwann nichts mehr einfiel, nahm man einfach die Batterien raus, woraufhin sie im Zufallsprinzip eigene Loops kreierte. Unterstützt auch der BassBot diese Producer-Faulheit?
Moment mal … faul? Beziehst du das auf mich? Letzte Warnung, Jüngelchen! Aber dass der Bot ein Herz für – nennen wir es Random-Freunde – hat, stimmt schon. Angefangen bei bereits erwähnter Preset-Funktion. Zusätzlich lässt sich der Abstraktionsgrad seines Wunschpattern eingeben. Das reicht von schnöden Hardtrance-Basslines bis hin zur verspulten Experimental-Line. Eine tolle Funktion ist zudem „Mutate“. Hierbei verschieben sich Accents, Slides, Tonhöhen und Pausen, so dass man geradezu „Remixe“ seines ursprünglichen Patterns erhält. Einmalig!

Kommen wir zum Wesentlichen: Den Klang. Dein Urteil?
Wie eingangs schon erwähnt, habe ich mich bereits einigen 303-Clones hingegeben. Insbesondere die x0xb0x, welche ja besonderen Wert auf die Verwendung der Original-Bauteile legt, war vergleichbar kraftvoll und doch zärtlich. Allerdings habe ich noch keinen Clone kennengelernt, der wirklich jede Nuance des Originals so überzeugend trifft, wie der BassBot. Selbst tiefste, bei vielen Geräten oft etwas schwammige Bässe werden klar definiert. Gleichermaßen zwitschert kein anderer Clone so überzeugend silbrig und hoch, wie es der BassBot vermag. Ich jedenfalls erkenne keinen – und das wiederhole ich gerne noch einmal: KEINEN Unterschied mehr zur Roland TB-303. Da kommt kein Acidlabs, kein Audiorealism und keine x0xb0x mit. Der BassBot ist „da real shit“ – wenn ich mich mal so ausdrücken darf. Und ich darf. Ich bin schließlich der Smiley!

Macht es da noch Sinn, auf ein TB-Original zu sparen?
Der BassBot kostet 659 EUR, was für einen Clone natürlich ein ziemlicher Klops ist. Allerdings bringt er neben dem Originalklang eine Reihe sinnvoller kreativer Erweiterungen, einen nichtflüchtigen Speicher und zumindest ansatzweise MIDI mit. Sollte ich vor der Entscheidung stehen, eine gebrauchte TB-303 für derzeit etwa 1.600 EUR zu kaufen oder aber zwei BassBots, müsste ich gar nicht lang überlegen. Und dann hätte ich immer noch ein paar Scheinchen für den „DrumDrone“ übrig – eine authentische Replik der TR-606, welche Cyclone bereits angekündigt hat.

Kennst du Künstler, die bereits mit dem BassBot arbeiten?
Große Begeisterung für den BassBot hört man beispielsweise aus den Reihen des Acid-Duos Snuff Crew. Auch die PsyTrance-Urgesteine Infected Mushroom oder der Kölner Dubtechno-Act Salz gehören zu den enthusiastischen Usern. Mit zunehmender Bekanntheit dürfte die Zahl der Nutzer absehbar noch sprunghaft steigen.

Smiley, herzlichen Dank für deine Einschätzung.
Jajaja, nun mach dir mal nicht ins Hemd – organisiere mir lieber einen Drink. Ein Caipi ohne Zucker … hopp, hopp!

Cyclone Analogic TT-303 BassBot
Voll analoger Monofonsynthesizer (TB-303 Clone)
• 1 VCO (Sägezahn, Rechteck)
• 1 Filter 4-pol / 24db
• Regler: Tune, Cutoff, Frequency, Resonance, Envelope Modulation, Decay, Accent
• InstaDJ ™ Sequencer.
• 5 DIN MIDI-In (MIDI-In / Out über 8 DIN Splitter)
• 13 definierbare Multicolor-LEDs
• Arpeggiator
• Mutate-Funktion
• 224 Presets mit Zufallsgenerator
• Live Pitch Transpose (+/- 1/2 Step), Live Accent, Live Slide
• Pattern Rotation (links, rechts)
• Copy & Paste
• Batterie- oder Netzteilbetrieb
Preis: 659 EUR UVP + Versand

www.cyclone-analogic.fr

THEMENWOCHE ACID (KW14/2013)
Einleitung:
Themenwoche Acid
Montag:
Acid – Mysterons Invade The Jackin’ Zone (Soul Jazz)
Dienstag:
THIS IS ACID – Ein silbernes Kästchen verändert die Musikwelt
Mittwoch:
RdioFAZE Playlist #043: Acid!
Verlosung: Forward To The Past Pt. 2 – The Acid Flashback (Poker Flat)

Donnerstag:
Cyclone Analogic TT-303 BassBot – Die Sauer-Sau
Freitag:
Fatjack – Aus Liebe zur TB-303
Samstag:
Steve Bug – 20 Acid-Favoriten von gestern und heute
Sonntag:
FAZE TV Special – Live-Set Stefan Gubatz mit 303 Bassbot, 606 & 707
Acid-Tracks – eure Favoriten!
Verlosung: Acid – Mysterons Invade The Jackin’ Zone

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