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Dan Caster – Bei uns bist du shein


Seit vielen Jahren zählt der Berliner Dan Caster nun schon zu den fleißigsten Produzenten für housigen Tech-Sound und hat neben eigenen Releases auch Sascha Braemer, Niconé, René Bourgeois oder Alfred Heinrichs seine Producer-Skills angedeihen lassen. Höchste Zeit, den Herren mal in den Fokus zu rücken.

Seit 2009 bist du nun als Produzent umtriebig und hast bereits mit vielen interessanten Künstlern zusammengearbeitet. Wie bist du zur Musik gekommen? Was war der Auslöser, sich professionell mit House/Tech-House zu beschäftigen?

Eine gewisse Affinität zu elektronischer Musik hatte ich irgendwie schon immer. Mein erstes gekauftes Vinyl war tatsächlich 1988 Westbams „Do It In The Punk Mix“ – lange bevor ich mich intensiver mit der elektronischen Club-Szene beschäftigt habe. Wirklich angefangen hat es natürlich mit den ersten Clubbesuchen in Berlin. Das Feiern und Tanzen zu elektronischer Clubmusik war was Neues und Aufregendes. Aber ich bin fast immer bei den Partys und in den Clubs zu den DJs gegangen, um zu gucken, wie die das machen und das überhaupt funktioniert. Das hat mich am meisten gereizt. So habe ich 1995 angefangen, mir meine ersten Technics MK2s zusammen zu sparen und aufzulegen. 2000 bin ich dann über einen Bekannten an ein professionelles Studio vermittelt worden. Ich hatte zu der damaligen Zeit bisher nur aufgelegt und wirklich keine Ahnung vom Produzieren. Ich habe dann bis ca. 2003 mit meinem Produzenten gearbeitet, von dem ich alles Nötige und vor allem Wichtige gelernt habe, um selbst eigene Sachen produzieren zu können. Anfangs war das alles noch recht laienhaft, weil ich nun auf mich allein gestellt war. Ich habe natürlich auch immer wieder mit anderen Produzenten zusammengearbeitet. Aber ich habe die Erfahrung gemacht, dass man nur dann wirklich etwas lernt, wenn man allein vor den Programmen sitzt und einfach Dinge ausprobiert. Ich bin immer am Ball geblieben und habe die Musik nie aus den Augen verloren. Das wurde dann irgendwann auch belohnt. Damals gab es noch kein YouTube, SoundCloud oder Facebook, wo man sich Produktions-Tutorials angucken bzw. mit anderen DJs und Produzenten in Kontakt treten konnte. Das lief nur übers Weggehen und Connecten in den Clubs. Es wurde dann Stück für Stück professioneller und irgendwann konnte ich von der Musik leben.

Wurde diese Leidenschaft zur Musik von deinem Elternhaus unterstützt? Was war dein ursprünglicher Berufswunsch?

Es gab zu Hause auf jeden Fall eine gut sortierte Plattensammlung aller möglichen Styles. Von Pop bis Rock über Indie bis Electronic. Einer meiner Favoriten über die Jahre war The Andrew Sisters mit „Bei Mir Bist Du Shein“. Hat mich damals irgendwie total abgeholt. 2011 habe ich diese Inspiration umgesetzt und im Juni auf Supdub veröffentlicht. Ansonsten habe ich in meiner Jugend alles Mögliche gehört: Metallica, Pearl Jam, Rage Against The Machine, Kraftwerk, Kate Bush, Cindy Lauper, Madonna, den Soundtrack zu der „Rocky Horror Picture Show“, vor allem die „Time Warp“-Szene. Nach der Trennung von meiner ersten großen Liebe selbstverständlich Lionel Richie und Michael Jackson usw. Dann natürlich manche Sachen von dem ganzen 90s-Dance-Kram wie z. B. M.C. Sar & The Real McCoys „It’s On You“, was ich damals ziemlich cool fand. Und nicht zu vergessen die ganzen Oldies, mit denen ich dank meiner Eltern groß geworden bin. Von Elvis Presley über die Beach Boys bis hin zu dem All-time-Favorite von meinem Vater, David Dundas „Jeans On“. Die 80er und 90er hatten auf jeden Fall einen großen Einfluss auf mich und auf die Musik, die ich jetzt mache und mag. Wenn das mit der Musik alles nicht so funktioniert hätte, wäre ich bestimmt in irgendeiner Event-Agentur gelandet oder im Verkauf tätig. Schließlich bin ich ausgebildeter Kaufmann im Einzelhandel und studierter Kommunikationswirt.

Du wohnst in Berlin – ein Melting-Pot der besonderen Sorte. Hier gibt es unzählige Produzenten und solche, die es werden wollen. Wie hast du Kontakt zu Artists wie beispielsweise Niconé und Sascha Braemer hergestellt?

Sascha habe ich so ab 2006/2007 immer wieder mal getroffen. In Clubs, aber auch privat sind wir uns öfter über den Weg gelaufen. Wir haben jedes Mal gesagt, dass wir unbedingt mal was zusammen machen müssen. Das haben wir dann so ab 2009 auch getan. Wir hatten uns zu der Zeit beide zufälligerweise von unseren Freundinnen getrennt, sind dann zusammen in mein Studio gezogen und haben einfach Mucke gemacht. Dann auch sehr erfolgreich, wie man gesehen hat. Ich glaube, „People“ war damals die erfolgreichste Nummer. An der haben wir echt ziemlich lange herumgefummelt, bis die finale Version stand. Sascha ist wirklich ein Perfektionist, der alles immer exakt so umsetzen will, wie er es im Kopf hat. Wir hatten eine echt coole Zeit und der Erfolg hat uns auch schnell Recht gegeben sowie gezeigt, dass wir als Team gut funktionieren. Niconé kannte ich noch aus Low-Spirit-Zeiten, habe ihn aber erst später über Sascha richtig kennengelernt. Wir haben dann das erste Niconé & Braemer-Album zusammen produziert. So hat meine Arbeit als Produzent und als Künstler Dan Caster so richtig angefangen. Stück für Stück kamen dann immer mehr Künstler dazu, von denen mittlerweile viele zu meinem festen Künstlerstamm gehören.

Inwiefern ist es befriedigender, mit eigenen Releases in den Charts aufzutauchen als mit Fremdproduktionen oder mit Remixen?

Es war am Anfang definitiv so, dass die eigenen Releases und Remixe, deren Chartpositionen und Erfolge für einen als Künstler emotional viel wichtiger waren als Sachen, die man mit anderen oder für andere Projekte gemacht hat. Ich baue momentan drei Künstler auf und versuche, mit ihnen zusammen ihren jeweils eigenen Sound zu kreieren. Wenn man dann die Entwicklung live mitbekommt, ist es für einen selbst mindestens genauso spannend, wie sich ihre Releases platzieren und wie erfolgreich sie sind. Es ist selbstverständlich auch ein Business und jeder, der sagt, dass es nur um Musik geht, ist ein Heuchler. Wir machen alle das, was wir lieben, und das ist ein Privileg. Aber wenn wir damit kein Geld verdienen könnten und kein Business damit betreiben würden, wäre es gar nicht möglich, sich so intensiv damit zu beschäftigen und die Möglichkeit zu haben, sein Können weiterzuentwickeln und besser zu werden. Man hätte nicht die Zeit dafür, weil man gezwungen wäre, mit anderen Jobs Geld zu verdienen.

Welchen Stellenwert hat das DJing für dich und inwiefern steigt dieser unter der Prämisse, dass man dort mit „weniger Einsatz“ mehr Geld verdienen kann?

Das DJing hat für mich nach wie vor einen sehr hohen Stellenwert. Er steigt bei mir aber nicht unter der Prämisse, dass ich damit in kürzerer Zeit mehr Geld verdienen kann als mit dem Produzieren. Wobei das auch so nicht ganz stimmt, da ich als Produzent auch andere Sachen als nur Clubmusik produziere. Mit manchen Projekten kann man auf lange Sicht durchaus mehr Geld durch Schreiben, Komponieren oder Produzieren verdienen als mit dem DJing. Ich liebe es, aufzulegen und live und ungefiltert das Feedback zu Produktionen zu bekommen und dazu, wie gut ich in meinem Handwerk bin.

Es gibt des Öfteren Geschichten zu hören, in denen der Produzent bekannterer Acts gerippt wird. Auch wenn wir hier jetzt keine Namen nennen müssen, was war bislang der größte Abfuck in deiner Musikerkarriere?

Ich denke, ich habe viele Erfahrungen in dem Business gemacht, an denen ich gewachsen bin. Positive wie negative. Das Positive waren immer das Feedback der Fans meiner Musik und das Gefühl, dass man als Künstler wahrgenommen wird. Das ist eigentlich das Schönste an dem Job. Es kam oft zu Problemen und Streitigkeiten, wenn man im Vorfeld nicht klar seine Wünsche und Forderungen äußerte sowie seine Vorstellungen von einem Deal oder einer Zusammenarbeit. Das lernt man aber zwangsläufig sehr schnell, weil man sonst auf der Strecke bleibt. Es gibt immer Leute in dem Business, die versuchen, unerfahrene, frische und talentierte Künstler auszunutzen und von deren Skills zu profitieren, ohne sie dafür entsprechend zu entlohnen. In welcher Form auch immer. Am Anfang ist man froh, wenn man die Möglichkeit bekommt, für oder mit jemandem Bekannteren zu arbeiten. Das wissen diese aber meistens auch und nutzen es halt aus.

Wie sieht dein Studio-Setup aus?

MacBook Pro 13-Zoll-Laptop, Fireface 400, A.D.A.M. P-2530 Studiolautsprecher, Midi Keybord, Maus, Tastatur, Logic, Ableton, etliche Software-Synthies und Plugins und eine Sample-Library der letzten 16 Jahre.

Welche Kollaborationen und eigenen Produktionen stehen in Bälde an?

Gerade wurden zwei Remixe von mir releast. Für Danito & Athina & Fabio Montanas „Alcantara“-EP auf Click Records und für Hawies EP „Tunnel“ auf Rennbahn Records. Im August wird es ein „Woodpeckers Love Affair“-2016-Release ebenfalls auf Rennbahn Records geben. Ich habe 2012 zusammen mit Sascha einen Remix für Miyagis „Woodpeckers Love Affair“ gemacht, der sehr erfolgreich war. Dieser Remix wird jetzt sozusagen als Original mit Vocals von Jan Blomqvist als Feature rereleast. Dazu wird es einen Dan-Caster- und einen Sascha-Braemer-Remix geben. Wir remixen sozusagen jeder unseren Remix mit den Vocals von Jan. Klingt komisch, ist aber so.

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Aus dem FAZEmag 054
Text: Sven Schäfer
Foto: Vitali Gelwich