Pablo Escobars Mutter Hermilda lehrte ihn schon als kleinen Jungen: „Der Tag, an dem du was Schlechtes machst, mach es vernünftig. Die Welt ist für die Durchtriebenen und nicht für die Doofen“. Auch er, der Begründer der Psychoanalyse konnte nicht wiederstehen. Bevor er Seelenleiden bekämpfte, erforschte und genoss er die euphorisierende Wirkung von Kokain und testete sie an sich selbst und anderen. „Wenn Du unartig bist, wirst Du sehen, wer stärker ist, ein kleines sanftes Mädchen, das nichts isst, oder ein großer wilder Mann, der Kokain im Leib hat“, schreibt Freud an seine große Liebe Martha im Jahr 1884. Was viele nicht wussten, zu Beginn seiner Karriere beschäftigte sich Sigmund Freud mit der medizinischen Nutzung des weißen Goldes. Anfangs total begeistert, verteilte er den Wirkstoff in seinem Bekanntenkreis. Welche fatalen Folgen dies mit sich zog, musste er auf schmerzvolle Art und Weise lernen. Bis zu seinem eigenen Ableben fühlte sich Freud verantwortlich für den Tod eines Freundes, den er Kokainabhängig machte.

Heute geht es um die Drogenerfahrung einer jungen Frau, die schon nach zweiwöchiger Einnahme des Wirkstoffes ein starkes Suchtverhalten an den Tag legte.

Wer ist Christiane?

Wir lernten uns vor einiger Zeit auf einer Afterparty kennen. Aus anfänglichen Druffy-Deeptalk entstand eine ernstzunehmende Freundschaft. Aus letzterem Deeptalk erhielt ich meine Story.

Sie erinnert mich an eine Mischung aus Pippi Langstrumpf und Christiane F: schmalhüftig, langhalsig, langmähnig und rotzfrech. Ihre Größe von 157 Zentimeter hat den Anschein, als ob ihr Körper nur aus Beinen besteht. Sie ist stets freundlich und hilfsbereit, sowie offen gegenüber neuen Dingen und anderen Menschen. Von außen wirkt sie eher unschuldig, doch ihr Blick verrät wer sie wirklich ist: eine junge, unabhängige und vor allem forsche Frau – man könnte auch meinen, sie zählt zu den Rebellen der heutigen Zeit. Ihre Lippen sind zu einem frechen Grinsen gewölbt, ihr Blick ist durchtrieben. Ihr braunes Haar wellt sich weit über die Schultern, ihre buschigen Augenbrauen umranden ihre rehbraunen Augen. In Strumpfhose und Oversized-Tshirt fühlt sie sich am wohlsten, ihre Füße versteckt sie am liebsten in ihren ausgelatschten Vans. Make-up lehnt sie ab. Zum Zeitpunkt des Geschehens ist sie 18 Jahre alt.

Schicksal oder doch einfach nur Zufall?

Manchmal macht es den Eindruck, als ob unser persönliches Glück von einer höheren Macht abhängig ist  – das Schicksal. Jedoch stellt sich mir die Frage, gibt es überhaupt so etwas wie eine Vorherbestimmung von Ereignissen? Oder ist das alles doch reiner Zufall?

Für Christiane sind Partys nichts Außergewöhnliches. Seit ihrem 15. Lebensjahr benutzt sie regelmäßig den Ausweis einer volljährigen Freundin, um ihre Wochenenden in Diskotheken totzuschlagen. Meistens tanzt sie sich die Seele aus dem Leib und badet am Ende in ihrem eigenen Schweiß. Wenn sie sich dann mal ein Päuschen gönnt, um ihrer Nikotinsucht nachzugehen, nutzt sie die Zeit, um neue Leute kennen zu lernen. Bitte denk jetzt nicht an eine dieser Nervensägen mit Hardcore-Laberflash, nein nein. Das Girl, von dem ich rede, ist relaxed. Cool. Einfach entspannt.

Da in ihrer Heimat Nürnberg die US-Armee noch bis zum Jahr 2015 stationiert war, machte sich die amerikanische Militärpräsenz primär im Nachtleben bemerkbar. Neben den üblichen Festivitäten gab es noch allerhand anderer Möglichkeiten um sich volllaufen zu lassen. Bei Dorfkindern wie uns war besonders das jährlich stattfindende Volksfest von großer Beliebtheit.  Umzingelt von Fahrgeschäften, einer beschaulichen Menge an süßen und deftigen Speisen, sowie allerhand beschwipster Menschen geriet Christiane an einen Soldatenguy. Wie? Der Klassiker schlechthin. Mann sieht Frau. Frau gefällt Mann. Mann spricht Frau an. Begleitung steht daneben doof rum. Gut, dass Christiane auch nichts zu tun hatte, als ihre Freundin zum Zielobjekt des Soldatenkumpels wurde. Erfahrungsgemäß hält der Flirt nicht lange an, die Zeit, die die beiden gezwungenermaßen teilen mussten, schweißt jedoch zusammen. Christianes Freundin ließ den Partyhengst abblitzen und wollte weiterziehen, mein Mädel fand an besagten Abend zu einem neuen Buddy.

Das Erste Mal

Nach dem Abitur beschloss Christiane, sich mit einer Reise entlang der East Coast zu belohnen. Es ist das erste Mal, dass sie sich so weit weg von zu Hause befindet – und das völlig alleine. Sie wollte ein anderes, neues Land kennenlernen und ihre Freiheit genießen: tun und lassen können worauf sie Lust hat, ohne dass ihr jemand sagt, was richtig oder falsch ist. Durch ihren stationierten Freund lernt sie den pensionierten Soldaten Charly kennen. Der Boy passt ziemlich genau in die typische Soldatenschublade. Weiß, groß und durchtrainiert. Der Körper ist von Tattoos nur so verziert. Zum damaligen Zeitpunkt trug er sein schwarzes Haar kurzgehalten, sodass sich die Locken gerade noch einmal kringeln konnten. Mit 24 Jahren war er bereits pensioniert, da er sich eine schwere Verletzung zugezogen hatte und wechselte im Anschluß auf das College. Charly zählt zu den stilleren Persönlichkeiten unserer Gesellschaft, sein Blick ist ernst und geradeaus gerichtet. Klar war er auch für Spaß zu haben, jedoch wirkte er immer etwas abwesend. Mag vielleicht auch an seiner beruflichen Vorgeschichte liegen. Anstatt sich an Gesprächen zu beteiligen, antwortet er nur, wenn er direkt angesprochen wurde. Zu seinen größten Vorlieben zählt hochprozentiger Alkohol. Seine Sucht lebt er Tag für Tag aus, ohne Rücksicht auf seine Umwelt.

Charly nahm Christiane für zwei Wochen bei sich in Florida auf. Die beiden hatten keine Gelegenheit, sich vorher kennen zu lernen. Und so hoffte sie darauf, dass es sich bei ihm um einen entspannten Weggefährten handelte. Und so war es. Etwas durch aber durchaus angenehm, wenn er nicht gerade besoffen war. Als Christiane in der Zweizimmerwohnung ankam, fiel ihr Blick zuerst auf die trippy Wanddeko: die komplette Bleibe war mit hängenden Wandteppichen verziert. Die Wohnung gab Aufschluss darüber, dass dort die ein oder andere Party in der Vergangenheit stattgefunden hatte. Bekanntlich gehört in unseren Kreisen auch was zum Ziehen dazu. In Florida ist Koks ne große Nummer. Durch die Übersee gelangt das Zeug direkt aus Kolumbien an die sonnige Ostküste. Das macht sich auch am Preis bemerkbar, für ein Gramm zahlt man dort umgerechnet ca. 50 Euro.

Am Abend ihrer Ankunft lernte Christiane das Partygirl Nikki kennen. Eine junge Frau, in der Blüte ihres Lebens: Mitte zwanzig, mit einem Körper, der Lindsay Lohans ähnelte. Dünn, sodass es bereits einen ungesunden Eindruck hinterließ. Nikki ist gelernte Friseurin, davor arbeitete sie für geraume Zeit als Stripperin. Der Job hinterließ seine Spuren. Ihr Gesicht ist hübsch, verrät jedoch, dass sie ihr Näschen gerne mal in weiße, berauschende Substanzen eintaucht. Zudem hat sie ein Faible für kaputte Typen. Was sie letztendlich in die Koksszene rutschen ließ. Ihr Charakter könnte mit dem einer Narzisstin gleichgestellt werden. Zu ihren Lieblingsthemen gehörte sie selbst. Im Vergleich zu Charly war das Geplapper jedoch ganz angenehm.

An besagtem Abend trudelte Nikki wie gewohnt bei ihrem Kumpel Charly ein. Wie es sich für eine Koksmaus gehört, hatte sie ausreichend Stoff dabei. Lines auflegen war für meine Protagonistin nichts Neues und da in Florida das Ziehbrett nicht an der Tagesordnung steht, sondern der Kokslöffel allgegenwärtig ist, krallte sich Christiane den Job der Aufstreicherin.  Zu diesem Zeitpunkt hatte sie noch nie Schnee geschnupft, war aber auch nicht abgeneigt, mal etwas anderes auszuprobieren. Ganz nach dem Motto: Probieren geht über Studieren.

Die erste Line fühlte sich überdurchschnittlich gut an, sie wirkte eher unbewusst und das Selbstbewusstsein stieg direkt. Sie fühlte sich wie Sven Väth, der gerade unterm Pult eine geballert hatte und das Geschrei der jubelnden Meute am Ende seines Sets geradezu in sich aufsog. Die Bedenken, die sie hatte, dass sie sich allein in einem fremden Land befand, umgeben von Menschen, die sie nicht kannte, verflogen radikal mit der Droge. Ein Gefühl von Sicherheit und Wohlbefinden machte sich breit.

Und was jetzt?

Koksen Zuhause hat zwar durchaus seinen Charme, aber früher oder später bekommt man Bock auf Feiern. Aus diesem Grund startete die Gruppe eine Diskussion über den weiteren Verlauf des Abends. In einem Raum, voll mit druffen Menschen, kann es schon mal vorkommen, dass das eigentliche Thema schnell untergeht. Nach reiflichen Überlegungen, wurde der Entschluss gefasst, das Shephards aufzusuchen.

Bevor es in den Club ging, steckte nochmal jeder sein Gesicht in den Ziehteller und ab gings Richtung Nightlife. Angekommen im Geschehen machte sich ein Problem bemerkbar, welches von der Gruppe bisher nicht bedacht wurde – in den Staaten  ist der Konsum von Alkohol nämlich erst ab 21 Jahren erlaubt. Scheiße gelaufen für die 18-Jährige. Wenn man Koks hat, braucht man nicht unbedingt was Alkoholisches, daher war der Verlust eigentlich zu verkraften. Blöd war nur, dass der Schnupfstoff auch aus war. Wenn du schon mal gekokst hast, dann weißt du wahrscheinlich auch, dass der Wirkstoff schnell nachlässt und sich die Nebenwirkungen – wie plötzliche Niedergeschlagenheit, Antriebslosigkeit, Müdigkeit und Erschöpfung – schnell bemerkbar machen. Während sich Christianes Crew ihren Rausch mit Alkohol am Leben hielt, verlor sie nach zweistündigem Aufenthalt die Lust an der Feier. Macht ja auch nicht wirklich Spaß, wenn der Körper nach Drogen schreit und keine da sind. Das gesamte Setting verwandelte sich in einem Mal in eine Horrorshow. Die Menschen, mit denen sie zuvor noch ausgelassen auf der Tanzfläche tobte, kamen ihr mit einem Mal einfach anstrengend vor. Die Gesichter waren verschwitzt und es schien, als ob nahezu alle auf Drogen waren. Pupillen, so groß, dass man kaum noch die Augenfarbe erkennen konnte. Kieferfaxen soweit das Auge reicht. Der Sound, den sie zuvor hochgelobt hatte, war nun nichts weiter als laut und nervend. Zudem machten sich Bauchkrämpfe bemerkbar, da die letzte ernstzunehmende Nahrung bereits mehrere Stunden zurücklag. Auf den Höhenflug der Gefühle folgten nun die Depressionen.

Also ab ins Taxi und rauf auf die Coach. Miesgelaunt lümmelte sie im Wohnzimmer rum und suchte nach Charlys Gras. Als sie es inzwischen von leeren Pizzakartons und Unmengen an Bierflaschen dann endlich fand, drehte sie einen Joint. Ohne diesen wäre die Reise ins Nimmerland unvorstellbar gewesen. Gebaut, geraucht und weg war sie.

Home is where the coke is

Nachdem Christiane im Club nicht bechern konnte, hatte es sich schnell ausgefeiert. Daher waren ab sofort Homesessions angesagt. Mit von der Partie waren nach wie vor Charly, Christiane und das Partygirl Nikki. Zwei Tage waren bereits vergangen, seitdem die Freunde in Charlys Bude eingetroffen waren. Zwei Tage ohne Schlaf. Zwei Tage voller synthetischer Energie.

Irgendwann ging der Hausbesitzer mal vor die Tür, um Besorgungen zu machen. Christiane fühlte sich nicht imstande die Wohnung zu verlassen und Nikki wollte ihr Gesellschaft leisten. Als die beiden so auf dem Sofa lagen und auf den Fernseher starrten, total verschwitzt – draußen herrschten immerhin beachtliche 38 Grad – griff Nikki ihre Hand und sagte mit einem hoffnungsvollen Blick: „Chrissi, ich find dich echt heiß. Wirklich heiß. Vielleicht hast du es noch nicht bemerkt, aber ich lass mich nicht nur von Typen ficken. Im Gegenteil, ich finde Muschis lecken richtig geil und wenn du nichts dagegen hast, wäre ich wirklich gerne deine erste lesbische Erfahrung.“ Dabei tropfte ihr der Schweiß von der Stirn und Christiane hatte nur im Kopf, wie sie sich mit ihrem bibbernden Kiefer ihrer Klitoris nähern würde.  „Nein danke“, sagte sie und verließ den Raum.

Aufgrund der Tatsache, dass Nikki der Stoff ausgegangen war, hatte sie keinen wirklichen Nutzen mehr für Christiane und war ohnehin nur noch ein Störfaktor in ihren Augen. Also musste Frischfleisch ran. Nachdem Nikki die Fliege machen musste, lud Charly seinen Kumpel Mr. Coke ein. Den Spitznamen hatte er, weil er immer was zu Ziehen hatte. Könnte wahrscheinlich auch daran gelegen haben, dass er anstelle eines normalen, zukunftsorientierten Jobs als Dealer tätig war. Eine seiner Spezialitäten war Nose Candy, was ihm direkt einen Pluspunkt bei Christiane einbrachte und somit zum festen Mitglied der Gruppe ernannt wurde – für die restlichen zwei Wochen, die meine Kleine noch vor Ort war.

Wie viel Kokain ist zu viel Kokain?

Eine Woche war vergangen, seitdem sich Mr. Coke bei den beiden breit gemacht hatte. Eine Woche, in der sie die Wohnung kaum verlassen hatten – warum auch, es war ja alles Wesentliche da: Für den Sound sorgte Charlys Surround System. Alkohol konnten sie sich im Supermarkt um die Ecke besorgen und den Schnupfstoff schaffte Mr. Coke an. Durch den gegenwärtigen Schlaf- und Nahrungsmangel fehlte es der Gruppe an Energie und Lust, Ausflüge zu unternehmen. Selbst ein Spaziergang zum Meer war für die Druffys zu anstrengend, da sich ihr Gewicht in kürzester Zeit reduziert hatte. Für die Jungs stellte das kein großes Problem dar, doch für meine Protagonistin – mit ihren anfänglichen 48 Kilogramm – könnte dieser fortlaufende Zustand lebensgefährlich enden.

Die Tage verflogen und die Nächte wurden immer unklarer. Erinnerungen blieben aus, da die Synapsen durch den permanenten Glücksüberschuss völlig am Draht drehten. 

Anfangs konnte sich Christiane noch mit zwei, drei Lines pro Abend zufrieden stellen. Mittlerweile war ihre Toleranzgrenze so hoch aufgebaut, dass sie schon das doppelte konsumieren musste, um auf dem selben Level zu bleiben – die Nasen ähnelten mittlerweile der Länge eines Zahnstochers. Durch den dauerhaften Kokainkonsum erlosch ihre anfängliche noch offene, lockere Art und sie entwickelte sich in eine antisoziale, narzisstische Richtung. Sie wuchs immer mehr zu einer Person heran, die sie nie sein wollte – Nikki.

Das erste Mal, als Christiane bewusst wurde, dass sie abhängig ist, wurde ihr gegen Ende der letzten Woche bei Charly bewusst. Es war einer dieser Nächte, in denen es ihr möglich war, durchzuschlafen. Als sie aufwachte, war das Apartment leer. Sie ging in die Küche, um sich einen Tee zu machen, dabei fiel ihr ein Zettel ins Auge.

Hey Chrissi, sind für ein paar Stunden unterwegs. Kommen heute Abend wieder. Bringen Stoff mit, mach dir einen schönen Tag. XOXO, Charly. 

Die Jungs waren also weg und auf dem Tisch lagen nur noch ein paar letzte Krümmel ihrer neugewonnen Liebe. Scheiß drauf, dachte sie, kratzte den Rest zusammen und zog ihn weg. Befriedigung trat ein. Auch wenn es nur für den Moment war. Und jetzt? Als sie sich so in der Bude umsah, fiel ihr der Saustall auf, den sie in den letzten Wochen fabriziert hatten. Auch der Geruch war übel. Eine Mischung aus vergammelten Essensresten und offenen Bierflaschen, sowie jeder Menge ausgedrückter Zigaretten. Sie ging in die Küche, nahm einen Müllbeutel in die Hand und sammelte Müll und Kippen auf. Danach machte sie einen dicken Knoten rein und schmiss den Sack auf den Balkon. Erst danach viel ihr der eigene Gestank auf. Druffyschweiß hatte sich in Form einer kleinen Wolke um sie geschlängelt. Also ab unter die heiße Dusche. Eingeseift, abgestuft, trockengerubbelt und Haare gekämmt. Voilà, geht doch.

Ausgekokst

Kokain kann dir das Gefühl geben, du hättet 150 Prozent deiner Fähigkeiten. Das Selbstwertgefühl steigt enorm, die Gedanken sind glasklar. Doch was passiert, wenn du keines mehr hast?

Christiane lümmelt auf dem Sofa, keine Motivation um Aufzustehen. Die Vorhänge sind geschlossen, der Ventilator auf höchster Stufe. Der Fernseher läuft leise im Hintergrund, keine Lust mehr auf Musik. Drei Stunden waren vergangen, seitdem sie die letzten Reste eingenommen hatte. Der Downmodus schlich sich ein. Um sich abzulenken, kippte sie das letzte übrig gebliebene Bier. Half jedoch nichts. Der Wasserfall unter ihrer Nase machte sie langsam wütend. Sie könnte sich noch so oft ins Taschentuch stürzen, half nichts. Also schniefte sie was das Zeug hält. Der Sound wäre super Material für einen Track – aber nicht um Menschen happy zu machen, eher als Foltermethode. Negative Gedanken machten sich breit, was wäre wenn…

Plötzlich sind Schritte im Flur zu hören. Schlüssel im Schloss, umgedreht, Tür geht auf. Ihr Herz fängt an zu Tanzen. Yes, denkt sie sich – endlich kann es weite gehen.

Ihr Lächeln verflog, als sie in Charlys miesgestimmtes Gesicht schaut. Entschuldigend zuckte er mit den Achseln, als er sagte: „Sorry Kleine, sie haben ihn gefickt.“

Abfahrt

Christianes Kurzurlaub bei Charly neigte sich dem Ende zu. Nur noch wenige Stunden, bis sie in ihren Bus nach Charlotte (NC) einstieg. Es gab nur eine Sache, an die sie denken konnte. Und das war der fehlende Stoff. Schweiß, Depressionen und Paranoia begleiteten sie auf dem Rest ihrer Reise.

 

Du fragst dich jetzt höchstwahrscheinlich, warum ich dir diese Geschichte erzählt habe. Kokain ist eine Droge, die ein hohes Suchtpotenzial mit sich führt. Verschiedene Faktoren wie die Psyche oder das Alter können dabei eine wesentliche Rolle spielen. Für meine Freundin war der Trip in die USA jedoch eine Lehre, das Gefühl der Abhängigkeit ließ sie lange Zeit nicht los. Und wie du weisst, handelte es sich bei ihr nur um wenige Wochen. Zudem wollte ich dir einen anschaulichen Einblick in die Welt der Drogen ermöglichen. Die Entscheidung Drogen zu nehmen, liegt bei jedem von uns selbst. Doch wer durch Drogen nicht mehr in der Lage ist, richtige Entscheidungen treffen zu können – derjenige ist in meinen Augen verloren. 

Alle Bilder aus diesem Artikel stammen aus dem Fotoarchiv meiner Freundin. 

 

 

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