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Das ist Heroin

Die Älteren unter uns / euch kennen das schockierende Buch „Christiane F – wir Kinder vom Bahnhof Zoo“, das anschaulich und auf einer wahren Begebenheit basierend die Leiden der jungen Wahlberlinerin Christiane Felscherinow schildert. In diesem Buch wird der Teufelskreis Drogensucht und Abhängigkeit speziell von Heroin so erschreckend abgebildet, dass kein normal denkender Mensch danach noch Heroin ausprobieren wollte. Heutzutage ist Äitsch, Schore oder Heroin jedoch wieder auf dem Vormarsch. Die Zahlen der auffällig gewordenen Erstkonsumenten stieg im Jahr 2015 um 15 Prozent. Auch die Zahl der Drogentoten stieg an.

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Die Geschichte des Heroinkonsums beziehungsweise von betäubenden und euphorisierenden, natürlichen Opiaten reicht bis ungefähr 2000 bis 3000 v. Chr. in das alte Ägypten zurück. Die schmerzstillende, beruhigende, manchmal aber auch anregende Wirkung von natürlichen Opioiden ist seit 1400 bekannt und darum versuchten Chemiker seit dem 19. Jahrhundert ein synthetisches Äquivalent zu dem Naturstoff Opium herzustellen.

Ende des 19. Jahrhunderts befasste sich der im Bayer-Stammwerk in Elberfeld (heute Wuppertal) beschäftigte Chemiker und Pharmazeut Felix Hoffmann mit dieser Reaktion, die direkt zu Diacetylmorphin führte. Am 26. Juni 1896 entwickelte Bayer hieraus ein Verfahren zur Synthese von Diacetylmorphin und ließ sich für diesen Pharmawirkstoff den Markennamen „Heroin“ schützen.

Heroin wurde zunächst als Allheilmittel vermarktet und die Nebenwirkungen wurden verschwiegen. In einer massiven Werbekampagne in zwölf Sprachen wurde Heroin als ein oral einzunehmendes Schmerz- und Hustenmittel angepriesen und auch bei etwa 40 weiteren Krankheiten wie wie Bluthochdruck, Lungenerkrankungen, Herzerkrankungen, zur Geburts- und Narkoseeinleitung empfohlen.

Als Nebenwirkungen wurden lediglich Verstopfung und leichte sexuelle Lustlosigkeit beschrieben, weshalb das Opioid von der Ärzteschaft sowie von den Patienten zunächst überaus positiv aufgenommen wurde.

Bereits 1904 wurde jedoch erkannt, dass Heroin, genau wie Morphin und sogar noch stärker als dieses, zur schnellen Gewöhnung und Abhängigkeit führt. Zwar warnten daraufhin einige Ärzte, dass es das gleiche Abhängigkeitspotenzial wie Morphin besitze, diese blieben jedoch zunächst in der Minderheit. Das lag einerseits an der aggressiven Vermarktung des Mittels, andererseits daran, dass die orale Darreichungsform zu einer sehr viel langsameren und geringer dosierten Aufnahme des Stoffes führte, wodurch starke Rauschzustände und Abhängigkeit in der Regel ausblieben. Außerdem gab es damals noch keine Stigmatisierung Opioidabhängiger.

1931 gab Bayer dem politischen Druck nach, stellte die Produktion ein und entfernte Heroin damit aus seiner Produktpalette. Stattdessen konzentrierte sich die Firma nun auf ihre zweite, bahnbrechende Entdeckung: das Aspirin. Aber trotz der Verbote stieg insbesondere nach dem Zweiten Weltkrieg und nach dem Vietnamkrieg die Zahl der Heroinsüchtigen weltweit stark an, da viele Soldaten mit Morphin und Heroin in Kontakt kamen. Nach 1945 organisierte vornehmlich die italo-amerikanische Mafia in Zusammenarbeit mit der italienischen Mafia den Schmuggel großer Mengen der Droge in die USA. In der BRD wurde Heroin noch bis 1958 verkauft. Das Verbot erfolgte am 6. April 1971. Da der medizinische Einsatz von Heroin heute allerdings in mehreren Staaten – darunter seit 2009 auch wieder Deutschland – unter strengen Auflagen erlaubt ist, gibt es nach wie vor eine legale Heroinproduktion.

Doch was ist Heroin eigentlich?

Heroin, die chemische Bezeichnung lautet Diacetylmorphin, ist eine halbsynthetische Substanz, gehört zur Gruppe der Opioide und wird aus Rohopium hergestellt, einer Substanz, die aus dem Schlafmohn gewonnen wird. Heroin gibt es als weißes, cremefarbenes, graues oder bräunliches Pulver und wird meist gespritzt. Seltener wird es auch geraucht oder geschnupft.

Wirkung

Schmerzlindernd, ausgleichend-beruhigend, angstlösend und euphorisierend. Dem euphorischen ‚Flash‘ zu Beginn folgen ein Zustand des Wohlbefindens und ein Gefühl der Gleichgültigkeit, Gelassenheit, Unbeschwertheit und Selbstzufriedenheit. Gespritzt und geraucht tritt nach wenigen Sekunden die Wirkung ein, geschnupft nach einigen Minuten und hält – je nach Dosis – zwei bis fünf Stunden an.

Risiken und Nebenwirkungen

Verlangsamung der Atmung, Übelkeit, Erbrechen, Juckreiz, Blutdruckabfall, Pulsverlangsamung, Pupillenverengung und Harnverhaltung können auftreten.
Weitere Nebenwirkungen bei regelmäßigem Konsum von Heroin: Verwirrung, Desorientierung, Erinnerungslücken, undeutliche und verwaschene Sprache sowie Koordinationsstörungen, extreme Verstopfung, Verringerung der sexuellen Lust und eine potentiell lebensbedrohliche Reduktion der Atemfrequenz auf 2−4 Atemzüge pro Minute (durch die Dämpfung des Husten- und Atemzentrums).

Hohe Dosen Heroin können tödlich sein, falls nicht sofort ärztliche Hilfe geholt wird!

Langzeitrisiken:

Die Gefahr einer Abhängigkeit mit psychischen und physischen Symptomen ist gross. Sobald sich eine Toleranz entwickelt hat und dem Körper nicht die notwendige Substanzmenge zugeführt wird, treten 8−12 Stunden nach der letzten Heroineinnahme körperliche Entzugserscheinungen ein. Entzugssymptome sind Schweissausbrüche und Kälteschauer, Augen- und Nasenrinnen, Erbrechen, Durchfall, Unruhe, Gereiztheit, Schwäche, Angst, depressive Zustände, schmerzhafte Krämpfe, Schlaflosigkeit und seltener auch Halluzinationen, psychotische Phasen und Krampfanfälle.

Spezifische Risiken nach Konsumform:

Sniffen: Schädigung der Nasenscheidewände und Schleimhäute. Gefahr von Hepatitis C Ansteckungen − Rauchen: Schädigung von Bronchien und Lunge (die Lunge verklebt bei täglichem Konsum). − Spritzen: Venenentzündungen und Gefahr von Infektionskrankheiten (Hepatitis C, HIV/AIDS, Pilze). Durch die Verunreinigungen im Heroin können Organschädigungen auftreten.

Safer Use Regeln von Saferparty

Verwende immer eigenes, sauberes und neues Spritzbesteck (Nadeln, Filter, Löffel). Beachte beim Sniffen die Safer-Sniffing-Regeln.

Vermeide den Mischkonsum mit anderen Substanzen, da sonst die Wirkung unkalkulierbar wird und die Risiken steigen! Beachte, dass die Kombination mit anderen Downern (z.B. Benzodiazepine) zu einem Atemstillstand führen kann.

Die Gefahr einer Überdosierung ist nach längeren Phasen des Nicht-Konsums und bei extrem reinem Stoff besonders hoch.

Konsumiere in ruhiger Umgebung und nicht alleine.

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