Relevance ist ein relativ neues Konzept, das erst vor drei Jahren auf den Markt kam und maßgeblich dazu beiträgt, die Entwicklung der elektronischen Musikszene in Kopenhagen, Dänemark zu fördern. Im 1856 erbauten Pumpenhaus ging es los, tagsüber, mit verschiedenen Knowledge-Sessions, die auf aktuellen Themen der elektronischen Musik basierten. Abends dann ein Musikfestival, das bis in die frühen Morgenstunden ging. Wir waren bei den Festivitäten vom 6. April vor Ort.

Startschuss der Konferenz war der Themenschwerpunkt „Beyond the Mainstream”. Neben den Vertretern von Beatport und der in Afrika ansässigen SJN-Agentur lockte Relevance auch lokale Musikunternehmen an, um über Szene und Nischengenres außerhalb des Mainstream zu diskutieren. Wer sich Info-Input holen wollte, konnte dies beim Auftakt des Opening Talks machen, mit einer Reihe aufstrebender, junger DJs und Produzenten, die bereit waren, von den Branchenprofis zu lernen. Die Konferenz in gemütlicher Runde mit Showcases aus dem Bereich „Producer Masterclasses“ war eine äußerst lehrreiche Angelegenheit. Man plauderte über brandaktuelle Themen, wie beispielsweise über die derzeit hitzig diskutierte EU-Urheberrechtsreform. Stichwort Paragraph 13. Das Podium moderierte Niels Mosumgaard von KODA (dem wichtigsten Regierungsorgan für Musik in Dänemark).

Das Abendprogramm wurde von einem der vielversprechendsten Musik-Exporte Dänemarks eingeleitet: Eine Knowledge Session mit Remodel. Als A & R für tiefgründige Musik war Remodel ein wesentlicher Bestandteil des Relevance-Teams. Er war die erste Stunde für das Warm-up auf dem Mainfloor zuständig. Das dänische House-Duo Umloud übernahm dann dort, wo Remodel mit deepen, groovy und funky-mello Rhythmen aufhörte. Stunde zwei.

Relevance-Gründer und Emotive-Sounds-Head Andrea Martini machte dann ab 23:00 Uhr das Take-over. Zu diesem Zeitpunkt war der beeindruckende Mainfloor nahezu rappelvoll. Progressive Techno mit Martini. Seine langjährige Erfahrung aus der dänischen Szene war für jedermann klar zu erkennen. Die Crowd, die mit Martinis unverkennbarem Mix aus Synthie-geladenem Melodic House und Techno klanglich gekonnt konfrontiert wurde, feierte die perfekte Party.

Auf Andrea Martini folgten WhoMadeWho. Das legendäre Trio hatte gleich zwei Auftritte: Einmal als DJs, und einmal als Band. WhoMadeWho liefern seit über zwei Jahrzehnten den gekonnten Mix aus Electronic und Synth-Pop. Eine großartige Energie und eine einmalige Bühnenpräsenz des Duos. Ihr DJ-Set sorgte für ein bezauberndes und faszinierendes Erlebnis mit funky Gitarrenspiel, Mello-House und Techno, inklusive eingängiger Electro-Punk-Vocals des Lead-Sängers. Pures „Hands up in the Air“-Gefühl, das die Partypeople allesamt zelebrierten.
WhoMadeWer ernteten enthusiastischen Applaus. Kaum hatten sie den letzten Ton gespielt, kam Thomas Schumacher mit seiner ersten Platte daher. „Wonder“, eine Studio-Kooperation mit Victor Ruiz. Schumachers unerbittlicher Techno ließ die Mauern der alten Wasserstation vibrieren. Die Produktionen von Victor Ruiz waren im gesamten Schumacher-Set präsent und zeigten, wie sehr Thomas seinen Kollegen schätzt. Auch Tracks mit anderen Techno-Veteranen beeindruckten permanent.

Die Reise durch die Nacht ging weiter, mit der Performance des britischen Progressive-DJs Don John Monkman. Das Anjunadeep-Aushängeschild setzte Schumachers Stil ab drei Uhr nachts professionell fort. In den frühen Morgenstunden dann der gelungene Abschluss in der sogenannten „Boutique“, in der die dritte Relevance-Ausgabe ihre Premiere feierte.

Fazit: Für eine Stadt, die in Bezug auf das Nachtleben und die Szene der elektronischen Musik noch in den Kinderschuhen steckt, ist Relevance schon jetzt an der Spitze des Eisbergs angekommen. Natürlich gibt es Raum für Verbesserungen und Erweiterungen, sowohl beim Tages- als auch bei Nachtprogramm. Dies ist jedoch etwas, woran die Event-Organisatoren bereits hinter den Kulissen arbeiten und konkrete Pläne für 2020 anvisiert haben.
Kopenhagen hat einen langen Weg vor sich, im musikalisch-elektronischen Sinne. Und von außen scheint es, als ob die Stadt gerade erst diesen Weg eingeschlagen hat. Aber es passt irgendwie perfekt zu dem Plan von Relevance, die Konferenz mit Pionierarbeit voranzubringen und im abendlichen Festival ausklingen zu lassen. Dieser Streifzug durch die Underground-Musikszene Dänemarks fühlt sich an, als wäre es nicht der letzte.

 

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