Rund 85 000 Besucher haben Anfang April den Weg auf das Frankfurter Messegelände gefunden, um die Schwesterveranstaltungen Musikmesse und Prolight + Sound zu besuchen. Das sind nochmals knapp 5000 weniger als im letzten Jahr. Ebenfalls ist die Zahl der Aussteller weiter gesunken. So ist es für jeden spürbar in den Hallen leerer geworden – vor allem, wenn man als alter Messehase noch die Aussteller- und Besucherrekordzeiten miterlebt hat. Die sind übrigens gerademal fünf Jahre her.

Gleichzeitig haben die seitdem vorgenommenen Änderungen am Messekonzept und bei der Hallenbelegung aber auch dazu beigetragen, dass die Messe wieder zu einem neuen Erlebnis geworden ist. Denn man muss sich die Veranstaltung neu erarbeiten. Das bedeutet – insbesondere für termingetriebene – zwar einerseits Stress. Denn nichts befindet sich mehr an der Stelle, wo es über Jahre zu finden war. Anderseits stößt man so immer wieder auf spannende Neuerungen, die es entweder früher nicht gab oder für die man kein Auge bzw. Ohr hatte.

Die Musikmesse ist heute vielleicht nicht mehr der Ort, auf dem technische „First Reveals“ mit großem Tamtam entblättert werden. Dafür erfreut sie durch ihren deutlich gesteigerten Event- und Education-Charakter sowie dem damit verbundenen Socialising-Aspekt. Beste Beispiel war neben der bereits etablierten DJCon die Zusammenarbeit mit den Machern des Sample Music Festivals, die mit Workshops und Demos neuer Produkte Leben ins Foyer der Halle 4 brachten. Vielleicht war die Ankündigung der SMF-Kooperation etwas zu kurzfristig, um noch spürbar mehr Besucher anzulocken. Aber grundsätzlich sollte die Messeleitung diesen Weg weiter verfolgen. Gleiches gilt für die Innovationsplattform „Music Tech Festival“, die auf der Messe neue Instrumente kreierte und innerhalb des 24-stündigen „Trackathon“ einen Technotrack produzierte.

Wer bereit ist, sich von der Tool-News-Schlacht vergangener Tage zu lösen und neuen Präsentationsformen zu öffnen, kann auf der Traditionsveranstaltung unverändert eine tolle Zeit erleben. 2020 steht übrigens der 40-jährige Musikmessegeburtstag mit sicherlich einigen Überraschungen an. Abschließend noch eine Handvoll technischer Messe-Leckerbissen.

MakeProAudio Dino Park
Lust auf Fossiliensammeln? Die einst legendären DSP-Soundkarten-Synthesizer Minimax, Prodyssey und Pro12 des Siegburger Herstellers Creamware feiern gemeinsam als Dino Park Ihre Wiederauferstehung. Möglich macht das die junge Firma MakeProAudio, die nur einen Steinwurf von Siegburg entfernt Ihren Sitz hat und vom Ex-Creamware-Kopf Frank Hund gegründet wurde. Die drei Dinos sind wiederum als DSP auf einer Leiterplatte verewigt, die wahlweise als nackiges Dino Board, als Dino MakeKit inklusive Gehäuse und Display oder als großes Dino MakeKit EX mit Netzteil und einer erweiterten Zahl an Anschlüssen erhältlich ist. In die Gehäuseoberseite kann weiterhin ein separat erhältlicher Streifen mit sechs Encodern für die direkte Dino-Bedienung eingelassen werden. Auch ist mit den drei Analog-Sauriern das Potential keinesfalls ausgeschöpft. Mehr als 30 weitere Synthesizer-Emulationen lassen sich im On-Board-Speicher ablegen. MPA selbst will in Kürze unter anderem eine Drum&Bass-Machine und einen Wavetable-Synth anbieten. www.makeproaudio.com

Pioneer DJ RB-DMX1
Entgegen vereinzelter Gerüchte war Pioneer DJ natürlich auch weiterhin in Frankfurt vertreten. Die dort gezeigten Neuerungen haben wir inklusive des Einsteiger-Frischlings DDJ-SB3 bereits in den vorangegangenen Ausgaben vorgestellt. Eine Innovation haben wir jedoch bislang ausgespart, weil sie sich nur bedingt an herkömmliche DJs richtet: den RB-DMX1. Die mobile Box ist ein Interface für die neue Lichtsteuerungsfunktion in rekordbox DJ. Wird sie über den DMX-Out mit dem Lichtequipment eines Clubs verkoppelt, lassen sich die Lichtsequenzen mit der Musik synchronisieren. Die Lichtsequenzen selbst werden im Lightning Modus von recordbox DJ automatisch erstellt, lassen sich aber ebenso bearbeiten oder komplett selbst kreieren. Wichtig ist, dass das Hardware-Lichtequipment DMX512-fähig ist, wovon aber bei auch nur halbwegs modernen Anlagen auszugehen ist. www.pioneerdj.com

Soundforce SFC-1
Die niederländischen Hardware-Spezialisten von Soundforce stellten einen weiteren Ableger ihrer SFC-Serie vor. Was da aussieht, wie ein kompletter Vintage-Synthesizer, ist tatsächlich „nur“ ein hochwertiger Controller für die Steuerung von Software-Nachbildungen. Der neuen SCF-1 ist, wie die Bedienoberfläche verrät, für den Zugriff auf einen virtuellen Sequential Circuits Pro-One prädestiniert. Perfekt gemappt sind die 51 Regler, 41 Schalter und sechs Taster für den RePro-1 der Berliner Softwareschmiede U-He. Aber auch mit jedem anderen Pro One-Plugin auf Mac und PC wird der SFC-1 harmonieren. Alternativ hat Soundforce handgefertige Vollmetall-Controller unter anderem für Emulationen des SQ Prophet-5, Roland Juno 60 und Minimoog im Programm.
www.sound-force.nl

SuperStereo DN78 Vierkanal-Version
Der Zweikanaler DN78 gehört seit 2015 zu jener Riege sündhaft teurer Edelmixer, nach denen sich die Rotary-DJ-Welt alle Finger leckt. Nun legt die britische Manufaktur eine clubgerechten Vierkanal-Version nach. Natürlich ist dieser ebenso mit den hochwertigsten Bauteilen ausgestattet, die aktuell am Markt erhältlich sind. Dazu zählen das interne 32bit/384kH-Audiouinterface, zweistufige Phono Vorverstärker, ALPS-Potentiometer, XLR-Master- und Booth-Outs, ein externer Effektweg, oder auch der Master-Isolator inklusive Kill. Highlight bleibt jedoch die 2018 nochmals verbesserte Röhrenkomponente, die für den bemerkenswert ausgewogenen und druckvollen Klang des DN78 verantwortlich ist. www.superstereo.co.uk

Softube Buchla 296e
Um die 1960er-Jahre West-Coast-Synthese, bis heute vor allem vertreten durch den kalifornischen Hersteller Buchla, entwickelt sich zunehmend ein Hype. Jüngstes Beispiel ist die native Umsetzung des Hardware-Moduls 296e Spectral Processor, seines Zeichens eine analoge Filterbank. In die virtuelle Welt überführt wurde der sonst 3000 EUR verschlingende Klangverbieger von der schwedischen Softwareschmiede Softube für Ihr Modularsystem. Der digitale 296e verfügt über 16 Bandpassfilter, die jeweils über einen VCA mit eigenem CV-Eingang, Hüllkurvenfolger und CV-Ausgang verfügen. Aufgrund seines besonderen Aufbaus und der vielfältigen Funktionen lässt sich das Filter unter anderem als Pseudo-Vocoder nutzen. Einen vollständigen Vocoder erhält man, indem man zwei 296e-Instanzen verknüpft. Zudem sind die 16 Bänder der Software-Variante im Gegensatz zur Hardware aufgrund der Midifizierung tonal spielbar. www.softube.com