David Jach


Mit seinem oftmals von seiner Gefühlswelt geleiteten Sound arbeitet David Jach gekonnt gegen das immer einheitlicher klingende Klangformat aktueller Beatport-Charts und anderer szenerelevanten Ranglisten. Es sind seine sinnbildlich farbenfrohen Sets, gepaart mit einer gewissen Prise Romantik und Melancholie, die den Vinyl-Liebhaber zu einem gefragten Akteur machen. Dies stellte er u. a. während seines Konzertes mit Beatamines in der Dortmunder Philharmonie unter Beweis. Seine Veröffentlichungen erschienen bis dato auf Labels wie Get Physical, Upon.You, Hive Audio und W&O Street Tracks. Auch 2016 war bislang ein gutes Jahr für den gebürtigen Dresdner.

Wie geht es dir, wo bist du aktuell und wie war das Jahr 2016 bislang für dich?

Aktuell genieße ich, neben meiner Studioarbeit tagsüber, die lauen Sommernächte in meiner Heimat Dresden mit einem kühlen Bier in der Hand. In diesem Jahr war ich bereits ziemlich viel national und international unterwegs und auch die derzeitigen Festivals sind immer wieder große Highlights. Auf die b2b-Sets mit meinem Buddy Emanuel Satie freue ich mich auch immer besonders und davon stehen in der nächsten Zeit einige an.

Du hast 1999 mit dem Auflegen und Produzieren begonnen. Wie kam es dazu?

Auslöser war ein Geschenk eines Bekannten meiner Eltern: ein Mischpult. Ich war fasziniert davon, wie man Musik mixen kann, und habe mir meine ersten Platten auf dem Flohmarkt gekauft. So baute ich mir meine ersten Sets zusammen. Das Produzieren kam erst viel später dazu, nachdem ich mit meinen Gigs über die Grenzen von Dresden hinaus gekommen bin und als DJ Geld verdient habe – dieses wurde direkt in meine erste Drum Machine Roland TR-707 investiert. Über die Jahre kamen immer neue Sachen dazu – ich entwickle mich auf diesem Gebiet stetig weiter und lasse mich neu inspirieren.

Wer bzw. was hat dich damals am meisten beeinflusst?

Definitiv Leute wie Prince oder David Bowie. Musikalisch war man damals ja wesentlich breiter aufgestellt. Da gab es auch mal Hip-Hop-Tracks in meinen Sets zu hören. Sowieso war Ende der Neunziger House ein sehr dehnbarer Begriff und in zahlreichen Facetten angesagt – dementsprechend gestalteten sich auch meine Sets: Von Ian Pooley bis hin zu Derrick Carter war alles möglich. Heute ist es in der Musik wie in der Mode – alles kommt irgendwie wieder, vermischt sich und wird wieder neu erfunden.

Du bist in Dresden geboren und wohnst dort noch immer. Wie hat die Stadt deine Karriere beeinflusst und wie wichtig ist die dortige Szene für dich?

Viele zieht es natürlich nach Berlin, aber ich habe hier einfach meine Basis, in der ich die Ruhe genießen kann und zugleich eine gute DJ-Szene, die ich sehr schätze. Ich treffe mich alle zwei Monate mit einigen Kollegen zum DJ-Kochen, das ist immer ein super Austausch für mich. Dresden hat außerdem eine sehr coole Subkultur, die klein, aber fein ist. Es gibt viele interessante Partys und Clubs mit kulturellem Charakter, wo ich gern mal hingehe, wenn es die Zeit zulässt. Ein jährliches Highlight ist z. B. das DAVE – Dresden Audio Visual Experience Festival für Clubkultur: eine Woche alles rund um elektronische Musik mit vielen Workshops, Vorträgen und Veranstaltungen.

In den letzten Jahren hast du in vielen Ländern gespielt. Welche Erinnerungen sind besonders hängen geblieben?

China und Dubai. In beiden Ländern herrscht eine völlig andere Kultur, die sehr interessant ist, und dennoch fand ich es bemerkenswert, dass die Feierkultur dann doch überall sehr ähnlich ist – und das ist das tolle an meinem Job: zu sehen, wie Musik und Clubkultur überall auf der Welt funktionieren und die Menschen verbinden. Mein Gig in Paris im Zig-Zag war unvergesslich – allein der Club ist schon eine Institution in der Szene und das Publikum ist wahnsinnig feierwütig. Das Set gibt es bei YouTube auch als Videomitschnitt. Persönlich spiele ich auch immer gern in kleinen Clubs, nahe am Publikum in familiärer Atmosphäre.

Du kaufst und spielst noch immer sehr viel Vinyl.

Definitiv. Gerade weil dieses Medium mittlerweile zur Rarität geworden ist, versuche ich, weiterhin daran festzuhalten, und das ist wahrscheinlich auch das, was mich ausmacht. Vinyl auflegen – das können heutzutage nicht mehr viele, aber es ist nun mal der Ursprung des DJing und es ist wichtig, dieses Können zu bewahren und so auch dem jungen Clubpublikum zu zeigen, wie alles angefangen hat: mit einem DJ, der einen Plattenkoffer dabei hat und am DJ-Pult mit Turntables umgehen kann. Natürlich geht der Wandel auch an mir nicht vorbei und viele Tracks, die ich gern spiele, werden gar nicht mehr auf Vinyl veröffentlicht, weshalb auch ich CDs und USB-Stick dabei habe – was das Reisen wesentlich erleichtert. Zuletzt habe ich mir übrigens die neue Platte von Midland, „Final Credits“ – eine „Vinyl only“ –, gekauft und mein absolutes Lieblingsteil im Plattenregal ist Mr. Gs „Music For All“, ebenfalls „Vinyl only“.

Du wirst in diesem Jahr 30 und planst aktuell eine neue Partyreihe. Was gibt es sonst noch für Pläne?

Ja, das stimmt. Es ist Zeit, etwas Neues zu machen. Sowohl ich als auch das Publikum haben sich weiterentwickelt und da muss man einfach mit der Zeit gehen und neue Plattformen und Veranstaltungen bieten. An Pfingsten findet dennoch unser jährliches ICH&DU Open Air statt, eine Party, auf die ich mich immer sehr freue und eine große Sache für mich in der Heimat. Außerdem plane ich, ein eigenes Vinyl-Label zu betreiben. Damit die Rarität nicht allzu rar wird. Und es kommen einige Solo-Produktionen sowie eine Kollaboration mit Sven Tasnadi.

Aus dem FAZEmag 055
Text: Triple P
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