Nicht zuletzt durch sein im Jahr 2015 in drei Teilen veröffentlichtes Album „Kontra“ gehört Robert Vosmeijer aka De Sluwe Vos zu den erfolgreichsten Techno-Importen aus den Niederlanden. Von Awakenings über DGTL bis hin zu Festivals wie Glastonbury, Pukkelpop oder PollerWiesen: Der Mann aus Haarlem bespielte bereits nahezu jedes wichtige Get-together der Szene. Mit „Live At Lowlands“ veröffentlichte Vosmeijer am 10. Dezember einen weiteren Langspieler. Wie der Name es bereits erahnen lässt, wurde das Werk, das aus 14 Titeln besteht, bei seinem Auftritt beim Festival in Biddinghuizen Mitte August aufgenommen. Releast wurde das Album auf seinem eigenen Label Patron Records.


Robert, wie war das vergangene Jahr für dich?

2019 war definitiv ein Jahr, in dem viele Dinge bei mir ihren Platz gefunden bzw. Sinn ergeben haben. Es begann damit, dass ich mein neues Live-Set auf dem Eurosonic Noorderslag Festival im Januar uraufgeführt habe. Diese Show hat mir den Weg geebnet, im Verlauf des Jahres an vielen verschiedenen fantastischen Orten zu spielen. Der Januar war auch der Monat, in dem „Never Know“ veröffentlicht wurde, ein Track von Sjamosoedin und mir. Der Track war Teil meiner 4-Track-EP auf DGTL Records und hat bereits vorher einige tolle Feedbacks bekommen, als ich oder Dixon, Âme und Job Jobse ihn gespielt haben. Mein persönliches Highlight jedoch spielte sich gegen Ende des Sommers ab, als ich nach zahlreichen Live-Gigs meine Show auf dem Festival der Festivals in den Niederlanden zum Besten gab: dem Lowlands. Der CEO von Lowlands nannte die Bravo-Bühne, auf der ich spielte, in diesem Jahr „Church“. Die Stage bestand aus zwei 40 Meter langen Bögen, die sich in der Mitte kreuzten – wie in einer Kirche entstand eine Art Kirchenschiff mit der Bühne als Altar. Normalerweise werde ich vor solchen Shows immer extrem nervös, aber als ich anfing, verging die Nervosität wie im Flug und ich konnte jede einzelne Sekunde frei genießen.

An diesem Tag hast du dein neustes Album gespielt und aufgenommen.

Ich bin superstolz auf das Album, sowohl darauf, wie es klingt, als auch auf das Artwork. Wir haben mein Logo auf eine recht interessante und frische Art und Weise neu interpretiert, aber so gestaltet, dass es immer noch erkennbar ist. Das Live-Erlebnis auf der Aufnahme aufrechtzuerhalten, war jedoch etwas Besonderes. Ich habe alle Kanäle einzeln aufgenommen und einen neuen Mixdown gemacht. Das Master klang sehr dynamisch, da die Bravo-Bühne ein riesiges Zelt war, in dem die „größeren“ Momente des Set wirklich gut funktionierten wie z. B. Snare-Rolls, größere Breaks und Reverb. Jedoch klangen genau diese Momente auf der Aufnahme nicht wirklich super, also beschloss ich, einige dieser Parts etwas kompakter im Mix klingen zu lassen. Anschließend klang es allerdings eher zu perfekt, was dem Live-Feeling abträglich war. Es ging also in der Post-Bearbeitung darum, die richtige Balance zu finden. Denn es sollte eine Live-Aufnahme mit allen Ecken, Kanten und gar Fehlern werden und bleiben.

Wie entstand überhaupt die Idee zu diesem Projekt?

Das war mehr oder minder zeitgleich mit der Konzeption meiner Live-Show, die komplett analog ohne Laptop stattfindet. Ich habe mit dem VJ-Team Deframe kollaboriert, das durch verschiedene Kameras auch in Sachen Visuals eine Live-Darbietung umgesetzt hat. Irgendwann hatten wir dann die Idee, diese großartige Produktion in Form eines Live-Albums festzuhalten.

Du hast etwa die Hälfte deines Studios auf die Bühne gebracht. Wie sah dein Setup aus?

Ich bin ein Mensch, der gerne schnelle Mixe macht auf der Bühne, und ich liebe diese Dynamik auch hier. Bei einem modularen Aufbau, wie er ursprünglich geplant war, ist das etwas schwieriger, da ich nur zwei Hände habe. So begann ich mit verschiedenen Geräten wie dem Roland TR8S für Drums und dem Waldof Blofeld für einen zusätzlich polyfonen Touch zu arbeiten. Letzteres fungiert tatsächlich als eine Art Klebstoff des Setups, der alles vereint. Mein Baukastensystem ist so mono wie möglich und durch dieses Polysynth wurde das Set quasi zum Leben erweckt.

Wie siehst du die Balance zwischen klarer Idee und Improvisation auf dem Album?

Improvisation ist definitiv ein großer Teil dieser Show, obwohl ich das Set schon ein paar Mal gespielt hatte vorher. Ich bin ein totaler Kontrollfreak und gehe ungern Risiken ein, besonders dann nicht, wenn ich vor 10 000 Leuten spiele. (lacht) Die Erfahrung aus zwei früheren Live-Tourneen in den Jahren 2014 und 2015 hat mir geholfen, genau zu definieren, was ich möchte und was ich nicht möchte.

Wie lange hast du für den Prozess gebraucht, völlig analog zu arbeiten, und welche Technik macht dir besonders Spaß?

Das waren sicherlich zwei Jahre. Mein Anspruch war es, mich aus meiner Komfortzone heraus zu bewegen und den Laptop zu Hause zu lassen. Am Anfang war der Aufbau komplett modular, aber schon bald wurde mir klar, dass das alles etwas mühsam werden würde. Es waren also zwei Jahre des Experimentierens. Den größten Spaß hatte ich mit der Bitbox und dem Blofeld. Die Bitbox ist ein modularer Sampler, der tatsächlich wie eine Art Ableton-Raster in meinem Live-Set funktioniert, was mir erlaubt, meine vorhandenen Spuren abzuspielen. Außerdem kann ich mit dem Rest meines modularen Systems neuerdings auch mit dem Blofeld jammen.

Würdest du sagen, dein Sound hat sich durch die technische Veränderung ebenfalls verändert?

In den letzten Jahren habe ich in den verschiedenen Subgenres von House und Techno viel Inspiration gefunden, die ich vorher nicht hatte. Ich war noch ziemlich jung, als ich mit dem Auflegen und Produzieren begann, und ich denke, dass mein Sound mit der Zeit gereift ist. Mein Live-Set zeigt viele dieser neuen Einflüsse, es beinhaltet eine breite Palette von Sounds, die jedoch immer noch eine Art gemeinsamen Nenner haben.

Welche Pläne hast du für die kommenden Shows mit deinem Live-Act?

Um ehrlich zu sein hätte ich gerne noch mehr Kontrolle in der Show bei verschiedenen Aspekten. So z. B. eine Lichtshow mit Lasern, die durch mein modulares System gesteuert werden kann. In Sachen Sound kann ich das Setup sicherlich noch etwas mehr ausreizen bzw. erkunden. Vor allem den Octatrack benutze ich aktuell auf noch recht simple Weise. Ich bin sicher, dass dort noch viel mehr zu holen ist.

Was steht auf deiner Agenda für 2020?

Ich würde mit der Live-Show gerne international touren. Und ich bin auch neugierig, was die Festivalsaison 2020 bringen wird, darauf freue ich mich definitiv schon jetzt. Es gibt auch einige neue Veröffentlichungen, sowohl solo als auch in netten Kooperationen.

 

Aus dem FAZEmag 095/01.2020
Text: Triple P
Foto: Sven Signe Den Hartough
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