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Die Hansestadt Hamburg ist für ihren renommierten Output an interessanten House-Acts weit über ihre Grenzen hinaus bekannt. Waren es früher die Disco Boys, schallt es heute aus dem Hause Diynamic mit Solomun, H.O.S.H. oder Stimming auf die Dancefloors dieser Welt. Mit Deo & Z-Man debütieren nun zwei junge Italiener auf dem ebenfalls prestigereichen Label hafendisko. An der Elbe aufgewachsen verschafften sich die beiden Brüder einen Namen im Norden, der immer häufiger mit gefeierten Live-Sets und Produktionen in Verbindung gebracht wurde. Auf „No Bullshit“ belegen die beiden nun, dass sie es ernst meinen.

Aufgewachsen im Land der Horizonte, von klein auf zwischen Instrumenten und Kabeln des italienischen Vaters gespielt, hatten die zwei bereits früh zahlreiche Berührungspunkte mit der Musik und dem Produktionswesen. „Das war für uns ein natürlicher Prozess und gehörte praktisch zur Erziehung dazu. Außerdem hatten wir ein hauseigenes Studio-Proberaum-Konstrukt, in dem wir früh Knöpfe bedienen konnten. Als wir anfingen, uns musikalisch auszuprobieren, hatten wir und unsere Freude natürlich einen fetten Spot zum Abhängen. Dort haben wir unsere ersten Rap-Tracks auf 4-Spur-Recorder aufgenommen und gleichzeitig alles noch Kommende ins Rollen gebracht. Heute beeinflussen uns vor allem Künstler, die es grundsätzlich schaffen, real und fresh zu sein. Genre, Dekade oder ähnliches interessiert uns nicht. Momentan haben wir ein starkes Faible für Memphis-Rap, Italo-Disco, skandinavischen House oder tote Genres wie Triphop und Acid-Jazz.“

Nach einer Zeit der Rückbesinnung und der Neuausrichtung ihres Sounds begannen Amedeo und Daniel 2011 mit den Arbeiten an ihrem Longplayer. „Wir hatten ein paar Jahre House und Techno veröffentlicht und schlichtweg keinen Bock mehr auf Beats mit solchen Strukturen. Wir machen beide schon seit Teenagerzeiten gemeinsam Musik und wollten wieder einfach nur rumflashen“, heißt es mit der typischen Hamburger Gelassenheit. „An dem Album haben wir nun knapp zwei Jahre gearbeitet, neben dem Daily-Grind natürlich. Wir sind musikalisch in den 90er-Jahren groß und aktiv geworden. In der kleinstädtischen Einöde haben wir unseren HipHop-Film gefahren und alles aufgesaugt, das wir durch die Medien mitbekamen – auch alle elektronischen Sachen, die total ‚dope‘ waren. Gefeiert, gespielt, gebaut.“ Einmal im Monat wurde dann mit Musikanhängern diese Passion zelebriert. Erst in Hamburg legten die beiden der Fokus ausschließlich auf den 4/4-Takt: „Kurz bevor wir endgültig mit dem Album begonnen haben, sind wir in ein neues und größeres Studio gezogen, was dazu führte, dass wir viel mehr Raum und Möglichkeiten hatten, Klang zu erzeugen. Das hat einen entscheidenden Faktor bei diesem Werk gespielt.“ Mit „No Bullshit“ trägt das Album allerdings einen Namen, der auf Anhieb zu polarisieren vermag. Ein roter Faden ihres säuberlich gepflegten Mafiosi-Images? „Wir haben einen Blick zurückgeworfen und dabei versucht herauszufinden, was uns in unserer musikalischen Vergangenheit am meisten Spaß gemacht hat. Und wir wollten genau das wieder machen. Wir hatten keine Lust mehr auf die ganzen Floor-Mechanismen, Hypes und zu vielen Bassdrums. Daher haben wir den ganzen ‚Bullshit‘ beiseite gelassen und einfach gecyphert.“ Heraus kam ‚No Bullshit‘. Eine Ansage, um mit der Vergangenheit abzuschließen und einen neuen Zyklus zu beginnen. Dieser weist in den letzten Wochen und Monaten u.a. einen Remix von Till von Sein, Daso und Tigerskin oder Releases auf Kammer Music und Dekadent Schallplatten auf.

Im Studio haben Deo & Z-Man klar strukturierte Herangehensweisen, erklärt Z-Man: „Die perkussiven Sachen werden von Deo übernommen. Ich widme mich dem musikalischem Part. Unterm Strich sind wir aber beide gleichermaßen versiert, so dass wir zu gleichen Teilen mitwirken können. Wir spielen häufig mit analogen Maschinen und samplen ununterbrochen Geräusche, Geklopfe, Stimmen und was uns sonst noch vor das Mikro läuft. Durch unser ebenfalls sehr musikalisches Umfeld genießen wir das Privileg, recht einfachen Zugang zu ungewohnten Klangerzeugern zu haben. Wir jammen sehr oft mit Freunden herum, bis wir irgendwann merken, dass Sachen durchaus zu gebrauchen sind. Auf unserem Youtube-Kanal gibt es einige Teaser davon zu sehen. Mit unserem Homeboy Xenon haben wir bereits sehr viel gemacht, und es wird sicherlich nicht dabei bleiben.“

Seit bereits acht Jahren sind Deo & Z-Man Residents im Hamburger Pudel Club. „Man fühlt sich definitiv verbunden mit dem Club und genießt immer wieder Nächte, in denen viele tolle Leute spielen. Allerdings sind wir schon immer eher in unserer Crew gewesen.“ Den Kontakt zu hafendisko knüpften sie über Kai Fischer von Liebe*Detail und anschließend über Tobias Lampe, ebenfalls seit einigen Jahren für den Abend mit dem Titel „Poke my Flat“ bekannt. „Danach ging es mit uns Mafiosibros. ziemlich schnell“, erklärt Z-Man, ehe er dieser Titulierung eine Erklärung nachfügt. „Das ist noch aus unseren alten HipHop-Zeiten. Es gab für jede Crew einen Namen, sei es der Lansen-Clan, die deutsch-afrikanische Connection, oder Schwarzbrot + Weißbrot = Farbcode. Wir waren eben die Mafiosibros. Gemeinsam mit Marc Schneider haben wir unter diesem Namen mal einen Remix produziert, ansonsten wurde er für Releases kaum verwendet. Mal sehen, vielleicht machen wir daraus mal eine Fashionserie. Aber bis dahin wird gedanct.“

FAZEmag #022/12.2013

www.mafiosibros.de

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Foto: Paul Gregor