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Es war das erste Konzert ihrer weitere acht Termine umfassenden Hallentour, wenngleich Depeche Mode bereits im Sommer diverse Stadien bespielten. Der Run auf DM-Tickets war so groß, dass dieser Gig der bestehenden Tour verspätet hinzugefügt wurde. Wenn Dave, Martin und Andy rufen, kommen sie eben alle. Sie, die den drei gebürtigen Briten seit drei Jahrzehnten die Treue halten und im besten Falle bei jeder Tour mindestens ein Mal zugegen sind. So ist es wenig verwunderlich, dass das Publikum bei Depeche Mode-Konzerten von einem Recht hohen Durchschnittsalter gezeichnet ist. Nur wenige sind unter 30, nicht viele unter 40, um so mehr weit darüber.

So auch am vergangenen Donnerstagabend in der Kölner LANXESS Arena. 15.000 erwachsene Fans in der ausverkauften Halle, die zum ersten und nicht zum letzten Mal Kopf stehen, als Gahan, Gore, Fletcher und ihre Begleitmusiker Christian Eigner (Schlagzeug) und Peter Gordeno (Keyboards und Bass) um kurz vor 21 Uhr die Bühne betreten und mit dem “Delta Machine”-Albumopener “Welcome To My World” auch das Konzert eröffnen. Zwei Stunden lang erleben die Menschen vor der Bühne und auf den Rängen eine Zeitreise, die zum einen geprägt ist von zeitlosen wenn auch bisweilen modern aufbereiteten Klassikern wie “Black Celebration”, “Enjoy The Silence”, “Personal Jesus” und “A Question Of Time”, zum anderen aber natürlich auch von den Songs des aktuellen Albums, die nicht weniger befeiert werden.

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Ganz besondere Momente sind jene, in denen das Rest der Band die Bühne verlässt und Martin Gore mit Peter Gordeno allein zurücklässt. Die Momente, in denen Gore intim und intensiv seine Balladen performt, wie – in der Zugabe – eine reduzierte Version des 1985-Smashers “Shake The Disease”. Aber auch Dave Gahans energetische Arschwackler, das obligatorische Obenherum-Blankziehen und das typische Herumstolzieren können – gerade die Frauen im Publikum – auch heute noch begeistern. Einzig Andy Fletcher hält sich – ebenfalls wie gewohnt – im dunklen Hintergrund, verzieht kaum eine Miene. Nur in der Großaufnahme kann man sehen, wie er schon mal etwas angestrengt die Backen aufbläst. Man ist halt keine 20 mehr …

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Die drei Herren sind also ohne Frage in die Jahre gekommen – hier kennen die HD-Bildschirme rechts und links der Stage keine Gnade – doch scheinen auch sie sich auf einer Art Zeitreise zu befinden, sobald sie die Bühne betreten. Sie präsentieren sich munter und energiegeladen wie kaum eine andere Band – weder ihres Alters noch jüngerer Generationen. Und sie begeistern immer wieder, was jedem, der an diesem Abend beseelt die LANXESS Arena gen Heimat verlässt, die Hoffnung gibt, noch viele, viele weitere Konzerte Depeche Modes miterleben zu dürfen.

Hier die gesamte Setlist:

01. Welcome To My World
02. Angel
03. Walking In My Shoes
04. Precious
05. Black Celebration
06. Should Be Higher
07. Policy Of Truth
08. The Child Inside (Martin)
09. But Not Tonight (Martin)
10. Heaven
11. Behind The Wheel
12. A Pain That I’m Used To
13. A Question Of Time
14. Enjoy The Silence
15. Personal Jesus

— Zugabe —

16. Shake The Disease (Martin)
17. Halo
18. Just Can’t Get Enough
19. I Feel You
20. Never Let Me Down Again

Fotos: Stefan Ditner