Credit: Yaya Kosikova


Erst vor rund vier Jahren hat die gebürtige US-Amerikanerin angefangen, unter dem Deckmantel ihres neuen Pseudonyms DESNA Musik zu spielen. War sie in den Jahren zuvor bereits als DJ aktiv, avancierte sie 2017 zum Resident im berühmt-berüchtigten und mittlerweile leider geschlossenen „Output Club“ in Brooklyn, New York. Sie entwickelte sich zu einer der gefragtesten Künstlerinnen der Stadt und spielte ab 2019 in Venues wie „Avant Gardner“ und „Brooklyn Mirage“, wo sie die Stage mit den größten Namen der Szene teilte. Aber auch beim EDC Mexico oder im georgischen Tiflis stand sie bereits im Line-up. Ende November bespielt sie mit Acts wie Ben Klock, Richie Hawtin und Nina Kraviz die US-Edition der „Time Warp“. Mit einer Reihe von Veröffentlichungen hat sie 2020 über eine Million Streams erreicht und ist in den Top-20 der Beatport-Charts gelandet. Ein Teil ihres Erfolges ist dabei sicherlich ihre, wie sie es nennt, „Besessenheit“ vom Thema Spiritualität und Quantenphysik. Seit Beginn des Jahres beschäftigt sie sich zunehmend mit Solfeggio-Frequenzen und deren Einfluss auf die Zuhörer*innen.

DESNA, erzähl uns von deinen musikalischen Wurzeln und den stärksten Einflüssen auf dich.

Ich war als Kind Sängerin, war oft im Fernsehen und habe dann als Backgroundsängerin für ein paar Rockbands gesungen. Musik war schon immer etwas, das mich angezogen hat. Ich würde nicht sagen, dass ich eine großartige Sängerin war, aber ich war gut und habe es wirklich geliebt, auf der Bühne zu stehen. Vor Jahren habe ich zum Spaß angefangen, Musik zu machen und als DJ aufzutreten. Ich würde sagen, meine größten elektronischen Einflüsse waren The Prodigy und The Chemical Brothers. Ich bin ein sehr sensibler Mensch, deshalb hat die ganze Produktion auf Raves, das Eintauchen in Visuals und Lichter zusammen mit den sich wiederholenden rhythmischen Beats meine Leidenschaft dafür geweckt.

Du lebst in New York, wo du in Clubs wie dem „Output“, „Avant Gardner“ und „Brooklyn Mirage“ als Resident tätig warst. Wie hat dich diese Zeit seit 2017 geprägt?

Die Auftritte in solchen Clubs, in denen man immer sein Bestes geben musste, haben meine Art zu performen sicherlich geprägt. Meine Bühnenpräsenz musste groß sein. In einer Stadt wie New York muss man herausstechen, keine Frage. Das alles hat dazu geführt, dass ich meine Auftritte technisch und physisch so gestaltet habe, dass sie das Publikum ansprechen. Zumindest haben sie das immer, und immer mehr.

Du interessierst dich sehr für Spiritualität und Frequenzen. Ende letzten Jahres hast du herausgefunden, was besondere Sounds bewirken und erschaffen können.

Ich habe im Laufe der Jahre eine sehr starke spirituelle Praxis entwickelt und wollte schon immer einen Weg finden, all dem, was in der Musik bereits getan wurde, einen „Mehrwert“ zu verleihen. Während der Pandemie fing ich an, reine Solfeggio-Frequenzen zu hören und war besessen davon, diese Sounds zu erforschen, um zu verstehen, warum das Hören dieser Töne meine Seele so sehr erhebt. Es gibt eine Menge wissenschaftlicher Belege für diese besonderen Sounds und wie sie unsere DNA beeinflussen. Ich dachte, es wäre cool, Techno mit diesen Tönen zu machen. Das Ergebnis war besser, als ich erwartet hatte. Je mehr ich über diese Töne recherchierte, desto faszinierender wurde das Thema. Das umfangreiche Wissen über verschiedene Hz ist im Prinzip nur eine Google-Suche entfernt. Von Harvard-Studien an Mäusen mit 528 Hz, über Einsteins Behauptungen, bis hin zu aktuellen Wissenschaftler*innen, die beweisen, wie wohltuend bestimmte Töne sind – dass sie tatsächlich den Zelltod verhindern und unsere DNA auf zellulärer Ebene verjüngen können. Ein Schauer durchlief meinen ganzen Körper und ich wusste, dass dies das Ding war, nach dem ich gesucht hatte, und auch ein Weg, meine spirituelle Seite mit meiner musikalischen Passion zu verbinden, ohne dass ich dazu ein Pseudonym verwenden müsste.

Wie, würdest du sagen, hat sich dein Sound verändert und weiterentwickelt, seitdem du diesem Thema verfallen bist?

Er hat sich auf jeden Fall zum Besseren verändert. Ich habe gelernt, dass weniger oftmals mehr ist bei meinen Tracks. Ich nenne es „thin but expensive“, was auf Deutsch eben so viel bedeutet wie „dünn, aber teuer“. Ich habe gelernt, wählerischer bei den Sounds zu sein, die ich nehme, sodass man im Track selbst viel weniger braucht, um gewisse Effekte zu erzielen.

Die Pandemie hat die Welt in vollem Umfang getroffen. Würdest du sagen, dass Heilung und spezielle Hilfsmittel wie Musik mit solch nachgewiesener Wirkung immer wichtiger werden?

Ja, aber ich denke, meine Botschaft ist auch, dass ich andere vielleicht dazu inspirieren kann, mehr darüber nachzudenken, wie sie ihre Musik bewusster gestalten. Als Künstler*in können wir alle unsere Ideen nehmen und sie in unserer DAW kreieren – aber wie wäre es, wenn wir einen Schritt weiter gehen würden, um unsere Lebenskraft und DNA noch mehr zu supporten? Ich finde die Idee großartig.

Wie hast du die Zeit in den letzten anderthalb Jahren ohne Gigs verbracht, abgesehen davon, dass du dich mit Hz und anderem beschäftigt hast?

Hauptsächlich habe ich mich wirklich nur mit Hz beschäftigt, aber ich habe mich auch oft mit meinen Fans connectet. Ich bin oft live aufgetreten und habe viele von ihnen kennengelernt, was cool war. Ich habe einige Livestreams für Charity-Zwecke gemacht, was Spaß gemacht hat. Und ich habe meine Zeit eben genutzt, um meine Musik mit einem Mehrwert zu verbinden. Das Ziel war mir schon immer wichtig. Allerdings ist das etwas, das man nicht überstürzen kann, also habe ich die Auszeit genutzt, um tief in mich zu gehen.

Die Welt kehrt langsam, aber sicher zur Normalität zurück. Ende November wirst du auf der „Time Warp“ in New York spielen. Erzähl uns von deinen Vorbereitungen für dein Hybrid-Set. 

Ahhhhh, ich kann es kaum erwarten! Wieder auf einer großen Bühne zu stehen, wird sich so befreiend anfühlen! Ich werde sicher viel von meiner neuen Musik spielen, die noch nicht veröffentlicht wurde. Ich werde einige meiner Tracks so arrangieren, dass sie leerer sind, um sie mit meiner Drummachine live zu kombinieren.

Da du Spiritualität in deine Kunst einbeziehst – was ist eigentlich die Botschaft, die du zu verbreiten versuchst?

Im Moment ist die Message, dass wir unsere spirituelle Praxis nicht von unseren sonstigen Aktivitäten trennen müssen. Für viele Menschen sind das zwei verschiedene Welten. Wenn ich früher Leuten erzählte, dass ich Techno-Künstlerin bin, fragten sie, wo ich spiele oder wo ich Musik veröffentliche, und das war das Ende des Gesprächs. Wenn ich jetzt erkläre, dass ich diese Frequenzen in meine Musik einbaue, dauert das Gespräch eine Stunde oder länger und es geht weniger darum, wo ich gespielt habe, sondern mehr darum, welche Effekte diese Sounds haben und wie sie Menschen unter Umständen helfen können. Ich liebe das! Ich möchte mein Konzept weiterentwickeln, um zu zeigen, dass unser spirituelles Selbst ein Teil von allem sein kann, wenn wir es zulassen. Der spirituelle Weg eines jeden ist anders inspiriert. Aber ich denke, wenn du dein „Warum“ findest, kannst du eine Einheit in dir selbst herstellen.

Was steht in den kommenden Wochen und Monaten auf deiner Agenda?

Ich spiele ein paar Shows in New York, aber vor allem arbeite ich an einem Release-Plan, da ich jetzt sechs Titel mit diesem Konzept fertig habe. Ich kann mir vorstellen, dass ich im Frühjahr 2022 viel mehr touren werde. Nächsten Monat fahre ich mit engen Freund*innen in den Urlaub nach Lake Tahoe, wo es bestimmt wunderschön wird.

 

Aus dem FAZEmag 116/10.21
Text: Triple P
Credit: Yaya Kosikova
instagram.com/desnamusic