desperados vincent neumann


In Kooperation mit Desperados präsentieren wir jeden Monat den „Rookie des Monats“. Wir stellen Nachwuchs-DJs vor, die gerade Fuß fassen, sich etablieren und auch als Resident in einen Club spielen. Diesen Monat haben wir Vincent Neumann aus der Distillery in Leipzig befragt.

Warum bist du DJ geworden?

Ich war schon immer sehr musikinteressiert, habe früh im Kirchenchor und im MDR Kinderchor Flöte und Saxophon gelernt. Irgendwann entdeckte ich dann VIVA 2 und die Visions entdeckt, wodurch meine musikalischen Vorlieben eine geschmacklich gute Wendung nahmen. Dadurch habe ich auch früh gelernt – weil die Visions einige Platten zerrissen hat –, dass es okay ist, Sachen scheiße zu finden. Später entdeckte ich dann House und Techno. Aber immer wenn ich wegging, kam nicht die Musik, die ich gern hören wollte. Ich dachte dann oft – während jemand vorne stand und auflegte – sowas wie „Jetzt spiel doch mal ‚Trax On Da Rocks’ von Thomas Bangalter“ oder überlegte, welcher Track besser passen würde als der gerade gespielte.
Ich bin also aus dem banalen Grund DJ geworden, weil ich gern zum Tanzen das hören wollte, was mich zum Tanzen animiert – einfach weil es niemand anderes spielte.

Welcher aktueller Künstler inspiriert dich am meisten?

Da gibt es diverse DJs. Blind Observatory finde ich beispielsweise sehr gut, seine Tracks haben immer so eine Ausstrahlung, als würde man in einem dunklen Vakuum schweben. Seine DJ-Sets haben einen kosmischen Drive, bei denen mein Kopf Umlaufbahnen um die Platten zieht. Kyle Geiger finde ich inspirierend, wie er manchmal mit sehr simplen Dingen sehr effektive Ergebnisse erzielt.
Ich liebe auch Dr. Rubinstein, sie kriegt es hin dass sogar ich, ein passionierter Acid-Hasser, den Sound feiere.

Erinnerst du dich an deinen ersten DJ-Gig?

Mein erster DJ-Gig war in einer WG (Hallo Tobias!) an Silvester (2007 oder 2008?). Der erste „richtige“ Gig im Club war 2010 in Köln im Bogen 2. Mega aufgeregt und damals noch mit Laptop aufgelegt, aber nach dem zweiten geglückten Übergang fühlte ich mich sofort pudelwohl.

Dein kuriosestes Nightlife-Erlebnis?

Ich habe wohl eine gewisse Ähnlichkeit mit Surgeon. 2014, als ich auf dem Dimensions Festival gespielt habe, bin ich am ersten Abend für mich allein über das Festivalgelände spaziert, als auf einmal ein Engländer mich ansprach „Hello Mr. Child. Nice evening for a walk, isn‘t it? Would you like to have a few beers with me?“ Musste ihm dann beichten, dass ich Mr. Neumann bin, Bier gab’s aber trotzdem.

Seit wann legst du in der Distillery auf?

Seit März 2012.

Was macht die Distillery für dich aus?

Die Distillery hebt sich für mich besonders durch die entspannte Stimmung im Club  ab. Ein Technoclub, in dem Leute beim Tanzen lächeln, Hammer! Dazu jedes Wochenende ein qualitativ hochwertiges Programm, das beste Barpersonal der Welt und man ist auch als „Clubfremdkörper“ willkommen, wenn man sich an die Spielregeln hält. Früher, wenn wir abends nicht wussten, wo wir hingehen sollten, sind wir im Zweifelsfall immer in die Distillery gegangen und haben es in den seltensten Fällen bereut.

Was gehört für dich zu einer perfekten Partynacht?

Zu einer perfekten Partynacht gehört für mich prinzipiell nicht so viel.
Ich hatte zum Beispiel beim letzten Berghain-Auftritt wieder eine perfekte Partynacht. Alles Sound- und Lichttechnische sowie Oganisatorische hat gestimmt. Aber was das Entscheidende war, das war die Stimmung der Leute auf dem Floor und meine eigene Wahrnehmung der Party. Es waren so viele Freunde da und Leute, die im Laufe des Abends neue Freunde wurden. Und ich konnte meine Vision von Techno und House mit einer klaren Linie und ohne Angst, dass die eine oder andere Nummer vielleicht daneben gehen würde, durchziehen.
Die Stimmung war fröhlich, gelöst und voller Energie. Und sowas überträgt sich dann auf mich, dann hample ich (noch mehr als sonst) rum. Und das stachelt wiederum das Publikum an. Alles ein Energieaustausch. Und wenn der gelingt, ist es eine gelungene Partynacht für mich.

Dein Lieblingsklassiker, der immer geht:

Mark Broom & James Ruskin – No Time Soon (Blueprint)

Deine aktuellen Top-5-Tracks:

Thomas Hessler – Sixty Five
Stefan Rein – Panther
Philippe Petit – Warmed Up
Oliver Deutschmann – Lost In A Loop
Héctor Oaks – Move In Circles, Walk On Lines

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