Die Ganovenkomödie blickt auf eine lange Tradition zurück und gehört seit Jahrzehnten zu den größten Publikumsmagneten an der Kinokasse. Kein Wunder – denn sympathisch-zwielichtige Charaktere und Stories mit vielen überraschenden Wendungen verschaffen dem Zuschauer Spannung und Lacher gleichzeitig. Doch welche „Heist-Movies“ gelten aktuell als Könige des Genres? Im Folgenden werden sie vorgestellt.


Frankie und seine Spießgesellen – ein absoluter Klassiker

Wer bereits Fan von Oceans Eleven ist, sollte den 1960 erschienenen Kultfilm. unbedingt auf seine Watchlist setzen. Denn Frankie und seine Spießgesellen erzählt die ursprüngliche Geschichte davon, wie Danny Ocean („Frankie“ in der deutschen Version) und seinen Kumpanen die „Mutter aller Casinoüberfälle“ in Las Vegas planen.

Die Handlung – worum geht´s?

Um den Raub durchzuziehen, reaktiviert Frankie seine ehemaligen Kameraden aus dem Fallschirmjäger-Bataillon. Denen hat das Leben nach dem Zweiten Weltkrieg übel mitgespielt: Sam hält sich als Barsänger über Wasser, Josh arbeitet bei der Müllabfuhr, Jimmy kommt frisch aus dem Knast und Tony ist schwerkrank. Insgesamt finden sich so 10 Freunde zusammen, denen Frankies Plan, die fünf größten Casinos von Las Vegas um eine gigantische Summe zu erleichtern, mehr als entgegenkommt. Doch wie lässt sich der Coup bewerkstelligen?

Für die Gangster läuft nicht alles glatt – fürs Publikum steigt die Spannung

Silvester um punkt Zwölf soll es knallen. Und zwar mit einer Ladung Sprengstoff am Haupt-Stromversorgungsmast der Stadt. Im Dunkeln können sich die Gangster jetzt mit Infrarotbrillen an vorab gemalten Farbmarkierungen orientieren und die orientierungslosen Wachleute überwältigen. Die Beute versteckt die Bande zunächst in verschiedenen Mülltonnen der Stadt – das Geld landet dank Müllmann Josh auf der Mülldeponie wieder in ihren Händen. Doch kein Gangsterfilm ohne eine dramatische Wendung: Ein Ex-Ganove aus Jimmys Verwandtschaft hat Wind vom Raub bekommen und will die elf Freunde um ihren Fang bringen. Tony stirbt in der Aufregung des Raubes an einem Herzinfarkt, doch bietet sich den zehn Verbliebenen damit die Möglichkeit, das Geld in seinem Sarg aus der Stadt zu schmuggeln…

Ein legendärer Cast – das Rat Pack

Die Urfassung von Oceans Eleven ist weniger wegen seiner Handlung heute noch Kult, sondern wegen seiner unvergessenen Hauptdarsteller: Als Filmdiebe mischen Frank Sinatra, Dean Martin, Sammy Davis jr., Joey Bishop und Peter Lawford die Glitzerwelt von Las Vegas auf – das legendäre Rat Pack, das die Casinometropole damals mit seinen Shows und Exzessen auch in der Realität auf den Kopf stellte.

Der Clou – Weltwirtschaftskrise, Pferdewetten und viel Spaß

The Sting, wie der Clou im Originaltitel heißt, gilt als prägender Klassiker des Ganovenfilm-Genres und ist aufgrund der raffinierten Story und der guten Schauspieler auch heute noch sehenswert. Erzählt wird die Geschichte der zwei Trickbetrüger Henry Gondorff und Johnny Hooker – gespielt von Schauspiel-Legenden Paul Newman und Robert Redford – die es einem Mafia-Boss heimzahlen wollen. Der hat nämlich den Mord an einem Freund auf dem Gewissen.

Wie betrügt man einen Gangster?

Bei einem Pokerspiel mit dem Mafioso gewinnt Johnny dessen Vertrauen und ermuntert ihn, sich am falschspielenden Sieger der Partie (gespielt von Johnnys Kompagnon Henry) zu rächen. Johnny schlägt vor, gemeinsam Henrys Wettbüro durch hohe Einsätze auf Pferdewetten zu ruinieren. Um beim Tippen stets richtig zu liegen, erhalten die Verschwörer angeblich Hinweise von einem Mitarbeiter des Telekommunikationsbüros: Er übermittelt ihnen den Namen des Siegerpferds, bevor er offiziell bekanntgegeben wird.

Für diese Kulisse, die den Mafioso letztendlich um sein gesamtes Kapital bringen soll, bauen Henry und Johnny eine Scheinwelt auf: Nach gefakten Radioübertragungen und dem Erfinden einer FBI-Einheit gipfelt der Betrug schlussendlich in einer Schießerei – was hier echt ist und was einen doppelten Boden hat, überrascht auch den Zuschauer am laufenden Band.

Tricks und Enthüllungen – das Oscar-Rezept

Die ständig wechselnden Perspektiven honorierte auch das Publikum: Mit 160 Millionen Dollar spielte der Clou für seine Zeit einen Rekord-Umsatz an den Kinokassen ein. Darüber hinaus gewann er 7 Oscars; darunter Auszeichnungen für den besten Film, die beste Regie und das beste Drehbuch.

Hinweis: Heute ist es legal möglich, auf Pferde und andere Sportarten zu wetten. Die Auswahl an möglichen Wettereignissen ist dabei nahezu endlos. Ob nun Fußball, Pferderennen, Reiten, Boxen oder Tennis – für nahezu jedes wichtige Sportereignis bieten Wettanbieter heute oft online entsprechende Platzierungsmöglichkeiten. Damit können heute auch Sportfans in die Fußstapfen berühmter Wettlegenden wie Leonard Dodson treten. Der Golfspieler hat mit einem texanischen Ölmulti im Jahr 1936 gewettet, dass er mit einem Tennisball drei Löcher auf einem Golfplatz in 18 Schlägen schafft – und gewann letztlich die Wette mit nur 16 Schlägen.

Die Oceans Reihe – Hollywoods Crème de la Crème im Gangsterfilm

George Clooney, Brad Pitt, Matt Damon, Andy Garcia und Julia Roberts – so wie das Rat Pack die Originalversion unvergessen macht, verlieh Hollywoods erste Schauspielergarde dem Remake von Frankie und seine Spießgesellen den Glamour-Faktor. Zur Jahrtausendwende gedreht, modifizierte Drehbuchautor Ted Griffin natürlich auch die Handlung von Oceans Eleven ein wenig:

Casinoraub zur Jahrtausendwende – hier braucht es technisches Equipment

Profi-Dieb Danny Ocean, der gerade aus der Haft entlassen wird, plant schon seinen nächsten Coup: Da der millionenschwere Casino-Mogul Terry Benedict den Erlös seiner 3 größten Häuser Bellagio, MGM Grand und Mirage stets in einem Tresor zusammenfasst, steht einem geschickten Dieb eine Beute von 160 Millionen Dollar in Aussicht. Der einzige Haken: etliche computergesteuerte Sicherheitshürden vom Netzhautscan bis zur Laserschranke müssen überwunden werden. Unterstützt wird Danny dabei von einer bunt zusammengewürfelten Crew, der vom nervösen Hacker bis zum chinesischen Zirkusakrobaten 10 bunte Individualisten angehören. Sie halten zu Danny, selbst als sie erfahren, dass er dem Casinomillionär Benedict eigentlich einen noch wertvolleren Schatz abjagen will: Seine neue Flamme Tess, die, wie es der Zufall will, Dannys Exfrau ist.

Die Geschichte geht weiter …

Im Sequel, Oceans 12, müssen Danny und seiner Gauner-Crew wieder ihr Können als Ganoven beweisen, weil sie erpresst werden, ihre Beute aus dem ersten Casinoraub zurückzuzahlen. Um das Geld zu beschaffen, planen sie in Amsterdam den Diebstahl der weltweit ältesten Aktie, bevor sie von einem französischen Meisterdieb zum Wettstreit um den Raub eines Fabergé-Eis aus einem römischen Museum aufgefordert werden …

Und weiter …

Im letzten Teil der Ocean-Trilogie wird schweres Geschütz aufgefahren: Als Reuben, einer von Dannys Kumpanen, von seinem Geschäftspartner betrogen wird und infolgedessen einen Herzinfarkt erleidet, schwören seine Gefährten Rache: Eine gigantische Tunnelbohrmaschine, eine E-Bombe, die Computer im Umkreis einer Meile lahmlegt, ein Tresorraub per Hubschrauber – hier scheint nichts zu aufwändig, um Reubens Ehre und seine Gesundheit wiederherzustellen …

Die Unfassbaren – Trickbetrug mit einer Spur Zauberei

Wie stiehlt man Millionen von Dollar vor den Augen eines begeisterten Publikums? Die Antwort darauf geben in Die Unfassbaren vier Magier, die in ihrer gemeinsamen Show ihren Zuschauern einen unverhofften Geldsegen verschaffen. Als Finale ihrer Vorstellung teleportieren sie einen ihrer Fans von LA in seine Pariser Bankfiliale, wo er eine Vorrichtung aktiviert, die Geld aus den französischen Tresoren absaugt und auf das Publikum in LA niederregnen lässt. Keine Illusion – denn das Geld ist tatsächlich aus Frankreich verschwunden. Doch schlichte „Magie“ gibt dem FBI keinen ausreichenden Grund, die Showleute festzunehmen. Ein spannendes Kräftemessen zwischen den Magiern und den Agenten beginnt …

Catch me if you can

Im New York der 1960er Jahre ist der 16-jährige Frank Abagnale gestrandet: Nachdem er von Zuhause ausgerissen ist, hat er zwar keinen einzigen Dollar in der Tasche, aber einen guten Instinkt für Gelegenheiten. Weil er weiß, wie bedingungslos Menschen Autoritäten vertrauen, organisiert er sich kurzerhand eine Pilotenuniform und beginnt mit ihrer Hilfe ein neues Leben. Denn als vermeintlicher „Dead Head“, als Pilot außerhalb der Dienstzeiten, darf er bei jeder Airline kostenlos mitfliegen und löst allerorts seine gefälschten Gehaltschecks ein. Doch eine erfundene Karriere ist dem jungen Mann nicht genug: mal ergattert er eine Anstellung als Arzt, mal eine als Anwalt – und schließlich erobert er die Frau seiner Träume. So wird die Story, die Steven Spielberg in gewohnt genialer Manier inszeniert, zur modernen Fassung einer Hochstaplergeschichte in der Art von Thomas Manns Felix Krull oder Carl Zuckmayers Hauptmann von Köpenick. Doch das beste am Spielberg-Blockbuster ist – er basiert auf einer wahren Geschichte …

Auch die Realität schreibt Ganoven-Geschichten

Die Handlung von Catch me, if you can ist der Biographie des realen Frank Abagnale entlehnt, der als Amerikas jüngster Hochstapler und Scheckbetrüger in die Geschichte einging. In den 1960er Jahren erbeutete er durch Scheckbetrug und mithilfe einer erschlichenen Pilotenuniform insgesamt 2,5 Millionen Dollar. Nach seiner Verhaftung wechselte Abagnale – wie auch im Film – schließlich die Seiten: Nach kurzer Haftzeit startete er eine Karriere als Berater beim FBI, während der er großen Unternehmen in Sachen Betrug und Dokumentenfälschung beistand. Das wahre Leben schreibt eben doch die spannendsten Stories – das gilt auch in punkto Gaunergeschichten.

Fazit

Diebe, Gauner, Trickbetrüger – Filmzuschauer identifizieren sich gern mit den Unterwelt-Akteuren, zumal sie auf der Leinwand meist nur gewissenlose Kriminelle oder unmoralische Unternehmen um ihr Geld erleichtern. Außerdem bietet eine Story mit vielen Überraschungen die beste Garantie für gute Unterhaltung. Das gilt sowohl für die Klassiker aus den 1960er und 1970er Jahren als auch für die aktuellen Versionen der Ganovenkomödie. Deshalb ist dieses Genre auch nicht mit den deutlich brutaleren Gangster-Filmen zu vergleichen.

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