Es war im Januar 2019, als sich die drei Neusser Jannis, Julien und Jerome dazu entschlossen, ihrer gemeinsamen Passion für die elektronische Musik Taten folgen zu lassen und daher Diode Eins initiierten. Erst Fans von Dubstep und Drum ’n‘ Bass, entdeckte das Trio später seine Leidenschaft für straighten Techno. Die erste Single „Hymenoptera“ landete in den Beatport-Techno-Charts und wurde von Akteuren wie UMEK, Anna Reusch und Zimmz supportet. Am 21. Mai ist mit „Golden Hour“ das Debütalbum von Diode Eins erschienen.

Musikalisch sozialisiert wurden die drei, die sich bereits aus Schulzeiten kennen, beispielsweise vom Output von Deadmau5 und Skrillex. Sie selbst spielen Schlagzeug sowie Klavier und probierten sich schon nach dem Abitur 2016 an elektronischer Musik aus. Vor allem die örtliche Nähe nach Köln hat in dieser Zeit eine wichtige Rolle gespielt: „In musikalischer Hinsicht hat uns unsere Heimat Neuss nicht sehr viel gegeben. Wir hatten aber immer eine gute Anbindung an Köln, wo wir uns immer öfter in verschiedenen Clubs wiederfanden. Dadurch haben wir erstmals eine Rave-Kultur und Clubszene kennen- und lieben gelernt. Schon seit der Schulzeit haben wir alle unabhängig voneinander in unseren DAWs rumgespielt. Durch Zufall haben uns 2018 dann Freunde zu einem Rave mitgenommen. Wir haben uns einfach mal darauf eingelassen – und hat es irgendwie ,Klick‘ gemacht. Nach diesem Abend waren wir total inspiriert und haben uns dazu entschlossen, zusammen einen Techno-Track zu produzieren. So kam es zu ,Exoplanet‘. Das war das erste Mal, dass wir zu dritt Musik gemacht haben und dass der ernste Gedanke aufkam, das zu intensivieren.“

Eine klassische Rollenverteilung steht dabei allerdings nicht auf der Tagesordnung. Stattdessen tragen die drei ihre zu Hause grob skizzierten Sachen einander vor: „Als Trio zu produzieren, hört sich umständlich an, hat aber viele Vorteile. Die eine Idee entfacht die andere. Wir haben kaum kreative Engpässe und kommen immer zu einem Ergebnis, mit dem wir alle zufrieden sind. Das funktioniert nur, weil wir musikalisch sehr ähnlich ticken. Wenn es um visuelle Gestaltung geht, können wir uns glücklich schätzen, zwei Medienschaffende unter uns zu haben. Julien ist 3D-Artist und Jerome ist gelernter Foto-/Videograf. Alles, was in Richtung Marketing oder Promotion geht, nehme ich mir zu Herzen. Das Interesse daran kommt durch mein Wirtschaftsstudium“, erzählt Jannis.

Das nun veröffentlichte Album changiert dabei zwischen melodischem House und gebrochenen Beats und ist der, wie sie sagen, „sorglosen Open-Air- bzw. Sommerzeit“ gewidmet: „All die Erlebnisse und Gefühle der letzten Jahre, die wir mit unseren Freunden und Freundinnen geteilt haben, waren Inspiration für das Album – sowohl Festivals als auch Urlaube, Ausflüge sowie entspannte Abende zu Hause. Unser Ziel war es, genau diesen Vibe in den Songs darzustellen. Musikalisch ist das Album durch viele verschiedene Künstler*innen aus unterschiedlichen Genres beeinflusst. Bei der visuellen Gestaltung war es, genau wie bei der Musik, wichtig, das Gefühl der Golden Hour rüberzubringen. Dies wird in unseren Augen am besten durch warme, bunte Farben dargestellt. Deshalb haben wir unser Konzept danach ausgerichtet.“ Generell ist das Album ein sehr persönliches Projekt, was die drei dazu veranlasst hat, das Werk in Eigenregie zu releasen: „Wir hatten eine klare Vision, was den Sound und die visuelle Umsetzung angeht. Dabei wollten wir einfach keine Kompromisse eingehen und haben uns die Mühe gespart, ein Label zu finden, das alles genau so mitmacht. Die Erfahrung hat gezeigt, dass sich die Arbeit mit Labels, insbesondere für kleinere Künstler*innen wie uns, etwas mühsam gestalten kann. Es mag sein, dass wir dadurch am Ende des Tages weniger Menschen erreichen. Uns geht es aber primär darum, dass das Endprodukt zu 100 Prozent unseren Vorstellungen entspricht.“

Ähnlich genaue Vorstellungen hegen Diode Eins auch für die Zeit nach der anhaltenden Pandemie: „Wir würden als Erstes an einem See in unserer Heimat ein lange geplantes Tagesfestival mit Freund*innen und Künstler*innen aus der Umgebung veranstalten. Abgesehen davon wäre es ein Traum, wenn wir in der Szene richtig Fuß fassen könnten und vor allem in den Clubs spielen, in denen wir die Rave-Kultur lieben gelernt haben. Bis dahin produzieren wir Musik so gut es geht. Nach dem Album folgt eine Bonus-EP mit vier weiteren Songs. Für danach haben wir mehrere Remixe und Singles vorbereitet. Ansonsten freuen wir uns einfach auf alle neuen Ereignisse und Inspirationen, die hoffentlich noch kommen werden und aus denen wir wiederum neue Musik schaffen können.“

 

 

Aus dem FAZEmag 112/06.21
Text: Matt Eagle
instagram.com/diode.eins