
Thomas Andrezak aka DJ Tanith und sein Camouflage-Auftritt auf einem ausrangierten Panzer gehören zu den bekanntesten Bildern der Loveparade. Im Gespräch mit Anja Caspary für Berlin Sounds Inside berichtet er von seinen Anfängen, dem Begriff Techno und der Loveparade. Schnell legt Berlins DJ-Ikone dabei auch eine schonungslose Ehrlichkeit an Tag, für die ihn seine Anhänger schätzen.
Sein Berlin-Debüt habe er im Ufo gefeiert. „Das war in Kreuzberg, in der Köpenicker Straße. Ein Kellerloch“, so Tanith und bezeichnet den damaligen Club als Acid- und Techno-„Keimzelle“. „Die Leute, die das verstanden haben, was Monika Diedl im Radio SFB gespielt hat, die haben sich dort getroffen.“
Auf die Frage, ob er auch bei der Entstehung der Loveparade dabei gewesen sei, antwortete er: „Motte wollte nicht, dass ich da auflege.“ Grund dafür sei der damalige Kampf zwischen House und Techno gewesen.
„Diejenigen, die sich seriöser sahen, waren auf der House-Seite. Ich war für so Leute einer, der vom EBM und Techno und im Grunde die Musik nicht verstanden hat.“ Man müsse erst vor House den Hut ziehen, dann dürfe man Techno gut finden.
Eines der berühmtesten Bilder der früheren Loveparade-Geschichte sind DJ Tanith und sein „Friedenspanzer“, wie er ihn selbst nennt. Dass diese Bilder mal so abgekultet werden würden, habe er nie bezweckt: „Damals war einem einiges nicht bewusst, man hat es einfach gemacht.“
Wer mit auf den Panzer wollte, musste sich allerdings gewissen Outfit-Regeln beugen, „weil mich diese ganze Blümchen- Fellstülpenscheiße abgenervt hat und das nichts mit dem Techno zu tun hatte, den ich da sehen wollte […] Wer mit auf den Panzer will, bitte Camo anziehen.“
Den ganzen „Friede-Freude-Eierkuchen-Kram“ habe er ohnehin nicht für vollgenommen, hätte das hinter den Kulissen auch anders wahrgenommen und wollte lieber ein Zeichen setzen für „unseren Techno“, samt der harten Berliner Lebensart.
Auch an den heutigen Ausgaben des Loveparade-Ablegers „Rave The Planet“ hat der heute 63-Jährige kein Interesse mehr. „Ich freue mich für jeden, der daran Spaß hat, aber für mich ist das vorbei, weil ich auch das Konzept nicht mehr so mag.“
„Dass da Leute auf den Wagen oben stehen, die 150 Euro bezahlt haben und dann da stehen, als würden sie wie beim Karneval Kamelle schmeißen, das hat für mich eine Hierarchie, die ich nicht mehr will. Ich finde es auch komisch, in den Zeiten, in denen wir heute leben mit Diesel-Trucks durch die Stadt zu fahren und die Straßen zu verpesten. Das finde ich alles nicht mehr so richtig zeitgemäß.“
Auf die Frage, ob denn die 90er für ihn die beste Zeit seines Lebens gewesen sein, antwortet der DJ, dass sie auch sehr anstrengend gewesen seien. „Für mich war zum Beispiel Corona auch eine super Zeit gewesen, weil ich da ein Haus am See gebaut habe, während alle anderen durchgedreht sind“, sagt Tanith und lacht.
Trotzdem wertschätzt er die 90er Jahre. „Es war nicht alles vorformatiert, Du hattest mehr Freiheiten. All diese Auflagen, die Du erfüllen musst, um heute einen Club aufzumachen, das gab es in den 90ern einfach nicht.“ Anarchie sei immer ein bisschen kreativer als die heutige Kanalisierung.
Wohlwissend, dass Tanith seit Beginn im Tresor auflegt, fragt ihn Anja Caspary, ob er das Berghain „cooler“ fände. Der Ruf sei gerechtfertigt, er könne die beiden Clubs aber nicht miteinander vergleichen. Im Berghain habe er ein einziges Mal aufgelegt.
Im weiteren Verlauf unterhalten sich die beiden noch über DJing und kommen dabei recht schnell auf eines der heute wohl meistdiskutierten Themen: „Pre-recorded-Sets“, also Sets, die bereits im Vorhinein erstellt und aufgenommen wurden.
„Wenn Du auf die Player guckst und da ist nur einer an und der Track hat 60 Minuten, dann weißt Du, da läuft eigentlich nur ein Mix ab. Oder wenn der Typ die ganze Zeit rumhampelt oder die an Knöpfen drehen und Du merkst, dass sich eigentlich gar nichts ändert.“
Das gesamte Interview könnt ihr euch HIER anschauen.
Quelle: ARD
Das könnte dich auch interessieren:
Club-Merchandise: Tresor Berlin präsentiert neuen DJ-Rucksack