
Unsere Natur ist voller Wunder und prachtvoller Lebewesen. Im ersten Moment oft nicht augenfällig, sind sie umso beeindruckender, wenn man sie erst entdeckt und je mehr man sich mit ihnen beschäftigt hat. Darüber hinaus ist die Natur — eigentlich allgemein bekannt, aber dennoch unerlässlich dies zu betonen — unsere Lebensgrundlage, unsere Überlebensversicherung. An dieser Stelle setzt Dominik Eulberg an, indem er nicht mit erhobenem Finger mahnt, sondern die Lust und Neugier an der wundervollen Natur weckt: „Wir schützen nur das, was wir auch schätzen.“ Nach seinem im November letzten Jahres veröffentlichten Album „Lepidoptera“ setzt er seine Mission nun mit seinem neuen Buch „Prachtliebe & Wunderfakten“ fort.
„Prachtliebe & Wunderfakten“ – zwei ungewöhnliche Begriffe. Wie hast du sie „entdeckt“? Wie kam es zu diesem Buchtitel?
Ich möchte mit dem Buch zum Staunen anregen, über die Natur, unsere Lebensgrundlage. Wir schützen nur das, was wir auch schätzen. Ich verfolge dabei hauptsächlich zwei Herangehensweisen. Zum einen geht es mir darum, einfach die Schönheit und Genialität der Natur zu zelebrieren, denn es gibt viele Dinge, die wir einfach kognitiv nicht begreifen können. Schon Humboldt sagte: „Die Natur muss gefühlt werden.“ In der Renaissance und im Barock hatten wohlhabende Menschen oft Naturdevotionalien-Kabinette bei sich zu Hause. Ich bin bei einer Recherche über die genaue Definition einer solchen Sammlung gestoßen und da hieß es, dass diese Kabinette mitunter der reinen Prachtliebe dienen sollten. Da dachte ich mir: „Genau das ist es.“ Der zweite Teil des Titels rührt daher, dass auch Wissen von zentraler Bedeutung ist, denn es erweitert den Erfahrungshorizont. Ich suche immer Wissenshäppchen, die einfach unglaublich sind, einen vom Hocker hauen, wahre Wunder sind. „Wunder“ ist jedoch ein Begriff, der stark emotional, subjektiv oder religiös konnotiert ist, während ein Fakt nüchtern, überprüfbar und wissenschaftlich ist. Diese Kombination gefällt mir.
„Die wahren Motoren für eine gesellschaftliche Transformation sind jedoch immer Emotionen. Empathie ist es, Liebe ist es.“ Diese Passage aus dem Vorwort ist sehr zentral in deinem Wirken und zeugt auch von großem Optimismus. Wie bist du zu dieser Erkenntnis gekommen bzw. woher nimmst du deinen Optimismus?
Ich teile die Auffassung von Karl Popper, der sagte: „Zum Optimismus gibt es keine sinnvolle Handlungsalternative.“ Doch dieser Optimismus darf nicht als bequemes Hoffen missverstanden werden. Er ist keine Einladung zum Abwarten oder Beten, sondern ein Auftrag zu bewusstem Handeln und zur Übernahme von Verantwortung. Wenn wir hingegen in dystopische oder alarmistische Denkmuster verfallen, entsteht schnell eine gefährliche Abstumpfung. Gesellschaftlicher Wandel beginnt selten mit einer fertigen Antwort, sondern mit einer veränderten Haltung. Auch Gesellschaften kennen Kipppunkte, und diese entstehen dort, wo Emotionen wirken, denn sie sind die stärkste innere Triebkraft unseres Denkens und Handelns.
Hast du dir zu dem Buch erst das Konzept zurechtgelegt oder gab es einen Moment bzw. eine Prachtliebe oder einen Wunderfakt, der das Projekt ins Rollen gebracht hat?
Nein, ich sammle stetig Wunderfakten und faszinierende Naturphänomene aus meinem unmittelbaren Umfeld. Ich bewahre sie gedanklich auf, bis ein innerer Impuls entsteht, sie festzuhalten. Anschließend tauche ich tiefer in die Recherche ein und lasse die Beobachtungen weiter wachsen.

Seit vielen Jahren engagierst du dich schon für den Naturschutz. Hast du das Gefühl, dass es heutzutage eher schwieriger oder einfacher ist, Menschen für das Thema zu begeistern – im Strudel von alternativen Fakten und Fake-News auf Social-Media-Kanälen?
Ja, das ist tatsächlich spannend und zugleich voller Widersprüche. Noch nie waren wissenschaftliche Erkenntnisse so fundiert wie heute, und selten konnten wir die Risiken für die Zukunft der Menschheit so präzise benennen. Das World Economic Forum prognostiziert etwa, dass die Biodiversitätskrise in den kommenden zehn Jahren zu den größten globalen Bedrohungen zählen und voraussichtlich bereits auf Platz zwei stehen wird. Gleichzeitig gerät dieses Thema politisch zunehmend ins Hintertreffen, weil vermeintlich drängendere Krisen – wie Kriege – die öffentliche Aufmerksamkeit dominieren. Hinzukommen autokratische Tendenzen und politische Entscheidungsträger, die wissenschaftliche Fakten relativieren oder offen ignorieren. Auch Social Media betrachte ich in diesem Zusammenhang kritisch. Unser Realitätsgefühl entsteht zu einem großen Teil aus den Inhalten, die wir konsumieren – und diese sind hier häufig auf schnelle Aufmerksamkeit und kurzfristige Dopamin-Reize ausgelegt. Das fördert Vereinfachung, Emotionalisierung und verstärkt postfaktische Narrative zusätzlich. Doch jede Bewegung erzeugt eine Gegenbewegung. Ich nehme wahr, dass sich immer mehr Menschen nach echter Begegnung, nach differenziertem Diskurs und evidenzbasierter Kommunikation sehnen. Und genau darin liegt für mich ein leiser, aber spürbarer Hoffnungsschimmer.
Du verbindest seit Jahren zwei Welten — die des DJs und Producers einerseits und die des Naturschützers andererseits – und das machst du sehr konsequent und authentisch. Dass dir die Menschen das auch so abnehmen, ist sicherlich ein Rezept für deinen Erfolg?
Der Mensch ist ein Herdenwesen und er erkennt instinktiv, ob etwas echt ist. Wahrheit entfaltet sich im Dialog, im gemeinsamen Ringen um Erkenntnis. Wissenschaft und andere Disziplinen sind dabei wichtige Instrumente, doch sie bleiben Werkzeuge. Es geht mir darum, einen Perspektivwechsel bei den Menschen hervorzurufen, um aus der anthropozentrischen Umwelt wieder eine Mitwelt werden zu lassen und zu verstehen, dass alles, was gegen die Natur geht, im Endeffekt nur gegen uns Menschen geht. Ich selbst folge nur einer inneren Haltung, die mich seit meinen ersten Lebensjahren begleitet: dem tiefen Engagement für die Natur. Es erfüllt mich mit großer Dankbarkeit, dass so viele Menschen bereit sind, mir zuzuhören.

Hast du einen Favoriten aus der Fülle der Prachtlieben und Wunderfakten im Buch?
Das ist schwer, aber hier zwei Wunderfakten: Rotkehlchen benutzen Ameisen als „Deoroller“: Dazu nehmen sie die Insekten mit dem Schnabel auf und ziehen sie durch ihr Gefieder. Mit der abgegebenen Ameisensäure bekämpfen sie Bakterien, Parasiten oder Pilze. Bei Kranichen kann die Augenfarbe ähnlich wie bei uns Menschen unabhängig von anderen Körpermerkmalen individuell variieren: Es gibt Kraniche mit roter Irisfärbung und solche mit gelber. Zwei Beispiele der staunenden Prachtliebe: der zauberhafte Gesang der Nachtigall und das schillernde Blau des Eisvogels.
Zum Buch gibt es die gleichnamige Tour, eine Diversitätsshow. Kannst du uns erzählen, was die Besucher*innen dort erwarten wird?
Es ist eine kurzweilige, transdisziplinäre, multimediale Show, die zum Staunen anregen soll. Eine Show auch für Kinder, denn beim Thema Biodiversität gilt ja: Kinder haften für ihre Eltern. Es eine Melange aus Vortrag und Live-Konzert mit tollen Naturbildern, in der ich meine beiden Leidenschaften Kunst und Natur vereine.
„Prachtliebe & Wunderfakten“ ist mittlerweile dein viertes Buch, das Medium scheint dich sehr zu fesseln. Was schätzt du daran besonders?
Ich mag, dass es ein zeitloses, unabhängiges Format ist – eines, das Raum für echte Tiefe lässt und in dem man sich bewusst Zeit nehmen kann. Schreiben bedeutet für mich außerdem einen willkommenen Ausgleich zum Touring: Es ist ein Prozess, der mich vollkommen ins Hier und Jetzt bringt.
Prachtliebe & Wunderfakten Buch (Hardcover) ist ab sofort erhältlich.
Aus dem FAZEmag 169/03.2026
Interview: Tassilo Dicke
Fotos: Natalia Eulberg
www.dominik-eulberg.de