motte le mar



Dr. Motte und Gariel Le Mar – das ist eine Altmeister-Kollaboration, von der man zunächst nicht annehmen sollte, dass sie überhaupt entstehen und dann auch noch dauerhaft funktionieren könnte. Zu weit schienen die Kosmen auseinander, geografisch wie musikalisch. Und doch legt das Gespann seit inzwischen sieben Jahren immer wieder überzeugende Releases vor, als würden sie sich schon ewig kennen. Aktuelles Beispiel ist die Remix-EP von Fever/Zikade mit Bearbeitungen von Eric Sneo, Pascal Feos, DJ Sur und den hierzulande lange verschollenen Nippon-Star Ken Ishi.

FFM und Berlin bedeutete in den 1990ern FFM versus Berlin. Hat es diese Fehde tatsächlich gegeben oder war das ein Medienhype?
Gabriel Le Mar: Ach ja, da war doch was… haha! Mir kam es eher wie ein Hype vor, denn ich war 1992 frisch von Berlin nach Frankfurt gezogen und empfand diese “Fehde” eher als humoristisch. Für mich hat das keine Rolle gespielt.
Dr. Motte: Mich hat sie sogar inspiriert. Frankfurt hatte halt immer einen ganz bestimmten Sound, der sich nicht unbedingt mit der Realität deckte. Ungefähr so wie 3 Phase feat. Dr. Motte “Der Klang Der Familie”, allerdings mit starkem Einfluss von Talla 2XLC. Der Talla feiert übrigens dieses Jahr 30 Jahre Techno Club-Jubiläum – Glückwunsch! ;-)

Das Fever-Orginal hat jedenfalls einen deutlichen Early Techno/Rave-Charakter. Ist das ein gemeinsamer Nenner, was schweißt euch zusammen?
Dr. Motte: Ihr selbst habt schon mal sehr treffend geschrieben, dass wir es auf PRAXXIZ schaffen, mit modernen Sounds eine Brücke zu unseren Wurzeln zu schlagen. Natürlich sind Gabriel und ich unterschiedliche Wege gegangen. Er steht eher für den Dub-Style und ich für kranken Techno. Gleichzeitig sind wir aber beide musikalisch open-minded und teilen viele Interessen und Meinungen.. Die Schnittmengen, aber auch Reibungspunkte, die sich daraus ergeben, setzen dann eine Kreativität frei, die sich in Form dieser Tracks manifestiert.
Gabriel Le Mar: Da uns klar war, dass Außenstehende ganz bestimmte Vorstellungen mit uns verbinden, haben wir beispielsweise „The Breeze” auch erst als White Label pressen lassen. Die Leute sollten sich unvoreingenommen nur auf die Musik konzentrieren. Was auch geklappt hat, wenn man sich betrachtet, wer die Platte alles abgefeiert hat. Nach drei Monaten erschien sie dann offiziell auf PRAXXIZ und wurde unsere bestverkauftes Release.

Setzt ihr euch zusammen ins Studio oder produziert ihr auf Distanz?
Gabriel Le Mar: Wir treffen uns in Frankfurt oder Berlin, das macht mehr Spaß als sich virtuell Files hin und her zu schicken. Das gemeinsame Musik machen ist uns sehr wichtig, weil es eben um den Prozess und Meinungsaustausch geht – daher live & direct.
Dr. Motte: Ich freue mich jedenfalls immer auf die Fahrt nach Frankfurt. Im Zug nutze ich die Zeit, um Ideen zu entwickeln und vorzuskizzieren. In Gabriels Studio spielen wir uns dann erst mal alles vor und entwickeln unsere Ideen gemeinsam weiter.

Wonach habt ihr die Remixer ausgewählt?
Gabriel Le Mar: Ken Ishii kenne ich persönlich ja schon seit den frühen 1990ern. Eric Sneos Produktionen mag ich alle sehr und spiele sie auch oft. Pascal Feos ist ein gemeinsamer Freund.
Dr. Motte: Mit Pascal arbeite ich bereits seit einer halben Ewigkeit zusammen und konnte mir daher sehr gut vorstellen, was er aus “Fever” machen würde. Für Eric habe ich vor einiger Zeit selbst schon einen Remix gemacht und wir lernten uns auch im Club kennen. DJ Sur aus Houston Texas hat unseren PRAXXIZ Remixcontest 2014 gewonnen.

Was dürfen wir künftig von euch erwarten?
Dr. Motte: Wir arbeiten gerade noch an zwei Projekten. Darunter ein fertiges Album und sogar schon ein Konzept für die Fortsetzung. Das andere steckt noch in der Brainstorming-Phase, wird wahrscheinlich noch ein bisschen auf sich warten lassen. Mein Team und ich konzentrieren sich gerade auf meine 2015 startende Anniversary World Tour: „Friede. Freude. Eierkuchen. 30 Years Of Dr. Motte“. Da werden Gabriel und ich auch ein paar Gigs zusammen spielen.
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