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Jonas Mohr ist mehr als nur ein DJ. Er ist Hip-Hop-Pionier, Labelgründer, Veranstalter, Berufs-Raver und Musik-Faszinierter. Letzteres seit seiner Geburt in den frühen Achtzigern in Rüdersdorf bei Berlin, der Rest kam etwas später. Zwischen 1999 und 2007 baute er hauptsächlich Beats für sich und befreundete Künstler und betätigte sich selbst als MC. Seine ersten Kontakte zur Berliner elektronischen Musikszene knüpfte Jonas Mohr jedoch auf der Toilette im Club. So mancher bekannte DJ ging dort seiner Notdurft nach. Das war vor gut zwölf Jahren. Damals hatte er noch nicht besonders viel mit dieser Musik am Hut. Er machte ein bisschen HipHop, hielt sich mit Gelegenheitsjobs über Wasser. 2008 dann der Start in elektronische Gefilde in Rock’n’Roll-Manier und die Gründung von Drauf & Dran. “Ich wollte nicht zum Rüpel-Rapper werden wie so viele andere”, sagte er dem Tagesspiegel. Nach Jahre langer Perfektion seines DJ-Mix Stiles und seiner Aktivitäten als Produzent, er die Berliner Feierleute regelmäßig über die Dancefloors und ist nun bereit diese Aktivität auch auf internationale Tanzfluren wie in der Schweiz, Österreich, Israel oder Wales auszuweiten.

Mit seinem Debütalbum „Colors“ ging er 2013 auf ausgedehnte Europatour. Seine Sets und Darbietungen: ekstatisch, energiegeladen und niemals langweilend. Mit seinem ehemaligen DJ-Partner Primo, der inzwischen den DJ- mit dem Schreibtisch getauscht hat, erfüllte er sich nun einen weiteren Traum und gründete das Label Deine Lieblingsraver. Veröffentlichungen in er Vergangenheit gab es aber auch bei namhaften Labels wie Ton liebt Klang, Kiddaz.FM, Stylerockets, Flat Belly, oder Tag und Nacht. Dabei arbeitete er immer wieder mit versierten Künstlern wie Thomas Schuhmacher, Alle Farben, Umami, Bebetta, Demir & Seymen, Holgi Star, Rene Bourgeois, Falko Niestolik, Roter & Lewis oder Funkwerkstatt3000 zusammen. Die Aufnahme seines Fusion-Mixes zählt bis heute weit über 100.000 Klicks und genießt neben nett titulierten Mixen wie “In die Fresse Neukölln”, “Franzi fährt mit Fahrrad durch Neukölln” oder “Zwei Euro Herrengedeck Neukölln”, das auf ihre Erfahrungen mit den Altberliner Kneipen des Bezirks anspielt, unter seinen Fans absoluten Kultstatus. Gründe genug, dass Drauf & Dran in diesem Monat den offiziellen FAZEmag Download-Mix für euch anfertigen und uns im Interview Rede und Antwort stehen.

Deine Roots reichen bis in die Endneunziger zurück. Dabei hast du zahlreiche Musikrichtungen durchlebt. Wie betrachtest du deine musikalischen Wege rückblickend?

Musikalisch sozialisiert wurde ich durch HipHop. Ganz klar – diese Musik und vor allem dieses Lebensgefühl haben mich sehr lange begleitet und geprägt. Natürlich ist auch die Bandbreite an Stilrichtungen im HipHop groß, aber ich will das gar nicht zu sehr auf einen Teil reduzieren. Es war die ganze Bewegung mit all ihren Elementen wie Rap, Graffiti und pumpenden Beats vom Plattenteller. Diese wirklich ehrliche Liebe und Leidenschaft für Musik und dieser Lifestyle haben mich fasziniert und beeinflussen mich sicherlich bis heute in dem, was ich tue. Sich selbst gegenüber treu zu bleiben, eine gute Zeit mit ähnlich denkenden Menschen zu haben und das zu machen, worauf man wirklich Lust hat, ist als Essenz dieser Zeit nach wie vor in mir. Und ich bin glücklich, dass ich genau dieses in der Art und Weise leben und erleben darf.

Was waren deiner Meinung nach die wichtigsten Meilensteine, die zu deiner Karriere beigesteuert haben und welche Acts oder Dinge haben dich dabei inspiriert?

Meilenstein hört sich immer so einzigartig und unverrückbar an. Ich glaube, es ist eher die Gesamtheit an Erfahrungen und Erlebnissen, die einen zu dem werden lassen, der man ist. Das gilt für mich auch musikalisch. Zwar bin ich im Laufe der Jahre vielen spannenden Künstlern über den Weg gelaufen, habe unheimlich geile Events erlebt und wirklich faszinierende Momente gehabt, aber ganz am Ende zählt dann doch das große Ganze. Inspiration und Veränderung hängen bei mir nicht unbedingt mit einem einzigen Erlebnis zusammen, sondern in vielen kleinen Details. Das ist ja letzten Endes auch das wirklich faszinierende am DJ-Dasein – ständig unterwegs zu sein und Eindrücke zu sammeln.

Du hast mit deinem Partner kürzlich das Label Deine Lieblingsraver gegründet. Welche Philosophie steht dahinter und was waren die Gründe für euch, ein eigenes Imprint zu gründen?

Das Projekt an sich gibt es bereits seit ca. 2010-2011 und ist im Endeffekt eine Gruppe aus motivierten Menschen, darunter DJs, Produzenten und Partymacher wie Sven Teet, Da Vinci, Funksignal, Der Basshirte, Hausdoktoren, The Butcher, Catfather, in-out oder 2bit. Das sind alles tolle Menschen, mit denen du gerne feiern gehst, denen du ein Lächeln schenkst, während du über die Tanzfläche heizt und an der Bar auf ein schönes Leben anstößt. Aus diesem Grund veranstalten wir regelmäßige Treffen für dich und Deine Lieblingsraver, damit man oft genug die Chance hat, aus dem stressigen ‚Wir müssen die Welt retten‘-Alltag auszusteigen und einfach mal die Nacht genießen kann. Und für mich eine weitere Möglichkeit Sound auszuprobieren und kreativ in weiteren Bereichen zu sein. Mir ist es wichtig, mehrere Ventile für meinen Output zu haben. 2014 haben mein Partner Primo und ich dann das gleichnamige Label gegründet. Ein weiterer Schritt zu mehr Selbständigkeit und Unabhängigkeit! Es ist uns auch wichtig Booking und Labelarbeit zu betreiben, um möglichst viel Kontrolle über die Dinge zu behalten.

Neben dem normalen Label-Daseins veranstaltet ihr auch regelmäßig Partys und habt sogar umfangreiches Merchandise am Start. Wer ist Teil des Teams und wie ist das ganze aufgeteilt?

Es gibt monatliche ‚Deine Lieblingsraver’-Events, in die wir viel Liebe und Zeit stecken. Darüber hinaus kooperieren wir aber auch mit anderen Veranstaltern und Artists. Die eigenen Veranstaltungen gehen schon klar in eine Richtung und es macht unheimlich viel Spaß auch hier aktiv zu sein. Wie auch bei den Events arbeiten wir auch beim Merch mit einem festen Team zusammen. Es ist mir sehr wichtig mit Leuten zusammenzuarbeiten, die ich kenne und mit denen ich in eine gemeinsame Richtung schauen kann. Das fängt beim Booking an, geht über die Merch-Produktion von Polos, Tanktops, Hoodies, Zippern und handgemachten Schlüsselanhängern bis hin zum Fotografen. Der Teamgedanke dabei gibt mir persönlich viel zurück und Power für das was ich tue. In letzter Zeit lief viel parallel ab und somit blieb wenig Zeit für Privates. Es kamen mehrere Remixe heraus und auch die ‚Deine Lieblingsraver Compilation‘. Derzeit bin ich neben der Studioarbeit in Berlin und dem Touring auch mit den nächsten ‚Deine Lieblingsraver’-Showcases beschäftigt. Der Letzte fand Mitte April im RAW-Club statt und hat – wie immer – eine Menge Spaß gemacht. Daher wird mein Tag nie langweilig, aber genau diesen Output und Anforderung brauche ich auch. Updates findet man dazu auf unserer Website.

Vor einiger Zeit warst du noch mit den Arbeiten zu einem neuen Album beschäftigt, das schon recht bald veröffentlicht wird, wie du mit einem sehr dezenten Post auf deiner Facebook-Seite verkündet hast.

Wir sind genau im Zeitrahmen und bis jetzt läuft alles auf Hochtouren! Gerade zum Ende hin ist das eine spannende Phase. Ich lasse nunmal lieber die Musik sprechen als große Ankündigungen zu machen. Nach vielen Remix-Kooperationen der letzten Singles, wird das Album ein fast reines Drauf & Dran-Album werden, bis auf die Vocals von einer Sängerin. Es geht sehr stark in Richtung Tech-House und spannt einen schönen Bogen von laid back Tracks bis hin zu druckvollen Club-Tracks. Daher auch der Titel ‚Black & White‘ – also zwei Seiten. In dem Album steckt sehr viel Herzblut und Inspiration. Während das Letzte insgesamt etwas breiter aufgestellt war vom Sound, gehen wir jetzt ganz klar in eine Fahrtrichtung. Ich freue mich schon wahnsinnig auf die bevorstehende Veröffentlichung.

Du hast in der jüngsten Vergangenheit mit einigen namhaften Acts gearbeitet. Welche Kooperation war dabei die interessanteste und welche stehen für 2015 noch an?

Ja das stimmt, ich habe mit einigen wirklich großartigen Menschen und Künstlern zu tun gehabt. Es wäre zu viel, alle zu nennen, aber einen persönlichen Traum habe ich mir erfüllt, mit einem Remix für mich von Thomas Schumacher. Ich schätze seine Produktionen und sein Verständnis für druckvollen Sound sehr und bin nach wie vor von dem Remix geflasht. Ganz besonderen Spaß macht mir aber auch immer die Zusammenarbeit mit Bebetta. Ich kenne niemanden, der so unkompliziert und sympathisch zugleich ist.

Du mixt den offiziellen FAZEmag Download-Mix in diesem Monat. Kann man sich den Mix als eine Art Momentaufnahme deiner Club-Sets vorstellen?

Keine Frage – Clubs-Sets sind immer ein wenig mehr auf den Moment ausgerichtet, in denen sie stattfinden. Daher ist dieser Mix zwar ein Spiegel meiner Live-Sets, aber insgesamt mit einem festen Konzept umgesetzt. Mir war aber schon wichtig, die Dynamik und Intensität meiner Sets aus den Clubs einzufangen. Ich denke, dass hört man auch. Und ich hoffe, das gefällt euch. Möge der Bass mit euch sein. / Triple P

 

FAZEmag DJ-Set #39: Drauf & Dran – ab sofort und exklusiv bei iTunes:



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Foto: Vitali Gelwich
Interview aus dem FAZEmag 039/05.2015