Brrrrr, was war das für ein Dreckswetter im April. Da kuschelt man sich doch lieber in eine Decke und an den Partner und gruselt sich in den heimischen vier Wänden bei neuen DVD-Releases. Den Japaner Hideo Nakata kennt der Genre-Fürst vor allem für seine Mystery-Horror-Thriller „Dark Water“ und „Ring“. Sein neuestes Oeuvre heißt „Incite Mill“ (Sunfilm) und ist eine recht spannende Mischung aus „SAW“, „House On The Hill“ und „Cube“. An dieser Aufzählung erkennt ihr aber auch gleich das Problem – so richtig eigenständig ist das Ganze nicht. Es geht um eine Stellenanzeige, auf die sich zehn Menschen melden. Sie werden eine Woche lang in ein Haus eingeschlossen und in jedem Zimmer befindet sich ein anderes Mordinstrument. Wenn nach Ablauf der sieben Tage noch mehr als zwei Menschen leben, erhält jeder Überlebende eine große Summe Geld. Klingt einfach, aber schon bald findet sich die erste Leiche. Unspannend ist es nicht, deswegen kann man hier einen Blick riskieren. Verlassen wir nun Japan und nähern uns Schweden, denn aus diesem Land präsentiere ich euch zwei neue Filme, die ähnliche Titel tragen, aber grundverschieden sind: „Die Nacht der Jäger“ (Atlas) sowie „Night Hunt – Die Zeit des Jägers“ (Senator). Erstgenannter verbindet eine altbekannte Geschichte um die Rückkehr aus der Metropole ins Heimatdorf, einer verschwundenen Frau und Misstrauen mit renommierten Darstellern: Rolf ‚Wallander‘ Lassgard und Peter ‚Fargo‘ Stormare. Das ist nicht schlecht, aber auch nicht neu. Beide Adjektive passen auch auf den sehr amerikanisch aussehenden Backwood-Terror-Thriller „Night Hunt“, in dem eine junge Frau in die Klauen eines Gewaltverbrechers gerät, aus dessen Hütte im Wald entkommt, um daraufhin von ihm gejagt zu werden. So vertreiben sich die Schweden also die Zeit. Smörrebröd. Wir bleiben in Europa, werden aber etwas blutrünstiger. „Livid – Das Blut der Ballerinas“ (Sunfilm) ist ein gutes Beispiel für die neue Gore-Geilheit der Franzosen, die die Macher des umstrittenen „Inside“ auch hier beweisen, diese allerdings nicht als Mittel zum Zweck missbrauchen. Hier zum Inhalt: Die junge Lucy beginnt als häusliche Krankenpflegerin in der alten Villa von Mrs. Jessel, die bereits seit Jahren im Koma liegt. Als sie sich über den Unfall der alten Dame erkundigt, erfährt sie von einem Schatz, der irgendwo im Haus versteckt sein soll. Zusammen mit ihren Freunden William und Ben bricht sie nachts in die Villa ein. Seltsame Dinge passieren und als die drei fliehen wollen, ist der Ausgang versperrt. Sie sind gefangen und werden gejagt. Nichts für Zartbesaitete. Wenn wir zwischendurch ein wenig lachen wollen, bedienen wir uns der vierten Staffel von „Californication“ (Paramount). Allerdings sollte man nicht verklemmt sein. Aber das ist Hank Moody aka David Duchovny ja auch nicht. 12 Episoden auf zwei DVDs sorgen für kurzzeitiges Aufatmen, bevor wir uns mit „Hell“ (Paramount) wieder in gruseligere Gefilde begeben, die dieses Mal in Deutschland oder das, was davon übrig geblieben ist, liegen. Die Sonne, Quell allen Lebens, hat die Erde aus- und verbrannt und verdörrtes, lebloses Ödland übrig gelassen. Deutschland ist nicht verschont geblieben. Wälder sind versengt, Kadaver säumen die Straßen. Selbst die Nächte sind eindringlich hell. Nur wer sich gegen das blendende Licht der Sonne schützt, hat eine Chance zu überleben. Wer an Filmen wie „The Road“ Spaß hatte, wird sich an dem Langfilmdebüt von Shocking-Shorts-Gewinner Tim Fehlbaum erfreuen. Konzentriert und konsequent lotet er die Spannungsmöglichkeiten seiner aufs Wesentliche reduzierten Geschichte aus, die er in einer visuell absolut überzeugenden Welt ohne Leben angesiedelt hat. Sehrgelungen. Ebenfalls aus deutschen Landen stammt Leander Haußmanns Drittes-Reich-Groteske „Hotel Lux“ (Highlight), in dem Bully beweist, dass er mehr kann, als nur Grimassen zu schneiden. Allerdings wollte das Kinopublikum das nicht sehen, bei der breiten Masse ist Bully als Spuck beliebter. Schade. Um diese tolle Kolumne nicht zu traurig zu beenden, entlasse ich euch mit einem spannenden Vampirthriller in die Leseferien. „Let Me In“ (Universal) ist ein Remake des erfolgreichen schwedischen Filmes „So Finster die Nacht“ und wurde von Matt „Cloverfield“ Reeves in Szene gesetzt. Es handelt sich um den zwölfjährigen Einzelgänger Owen, der mit seiner alleinerziehenden Mutter in einer Kleinstadt wohnt und von seinen Mitschülern so terrorisiert wird, dass er Gewaltfantasien als Ventil benutzt. Als er die gleichaltrig wirkende Abby kennenlernt, die gerade mit einem älteren Mann in seinen Wohnblock gezogen ist, verändert Owen sich. Er ahnt nicht, dass es sich bei Abby um eine Vampirin handelt, als in der Nachbarschaft vermehrt blutleere Leichen gefunden werden. Brrrrrr. Gruselig.

Euer Larry Ludman Jr

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