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Igor Strawinsky sei Dank. Vor gut fünf Jahren lernten sich Douglas Greed und Mooryc auf einem Festival zu Ehren von Igor Strawinsky in Polen kennen, auf dem beide mit ihren Live-Projekten Neuinterpretationen der Werke des Komponisten der sogenannten Neuen Musik aufführten. Bei einem gemeinsamen Künstleressen kam man ins Gespräch, tauschte sich aus und schloss Freundschaft. Natürlich wurde auch auf musikalischer Ebene eine Zusammenarbeit angekurbelt, und so steuerte der aus Posen stammende Sänger und Musiker Mooryc im Folgejahr seine Stimme zu Greeds Debütalbum „KRL“ bei. Aber das war erst der Anfang …

2013 kam richtig Schwung in die Sache, als Greed beim Debütalbum von Mooryc mitwirkte und der erste gemeinsame Song veröffentlicht wurde – die Geburtsstunde von Eating Snow. „Siamese Twins by Choice“ erschien auf der BPitch Control-Compilation „Where The Wind Blows“. Dass nun zwei Jahre später auch ein ganzes Album erscheint, ist allerdings nicht das Ergebnis einer geplanten Karriere, sondern eher ein Gelegenheitsprodukt, wie beide betonen. Sie folgten keinem Konzept oder Strategie, als sie beschlossen, ein Eating Snow-Album zu produzieren. „Ich würde eher sagen, dass es ein Nebenprodukt unserer Freundschaft ist“, erklärt Douglas. Erscheinen wird das Album auf Freude am Tanzen, dem Stammlabel von Douglas Greed, wo aber auch Mooryc schon sein Debütalbum veröffentlicht hat. Mehrmals im Jahr traf man sich zu gemeinsamen Sessions im Studio, die auch ganz im diesem Sinne eher Freestyle-mäßig liefen. „Jeder hat etwas vor- bereitet, aber es passiert auch ganz oft, dass sich im Studio etwas entwickelt, wenn wir dort zusammensitzen“, erzählt Mooryc und Douglas ergänzt: „Mal kam Mooryc mit einem fast kompletten Track an, dann habe ich das Arrangement ergänzt – es waren eigentlich alle Variationen dabei, wie dann letztlich die Tracks entstanden sind.“ Was die beiden bei der Arbeit verbindet, sind vor allem die gegensätzlichen Fähigkeiten und Herangehensweise, die sie haben. Mooryc ist ein studierter Musiker mit klassischem Hintergrund, der auch sehr gut singen kann. Douglas bezeichnet sich selbst als Technokellerkind und so haben sich letztlich beide prima ergänzt.

Was aber trotz aller Spontaneität und fehlender Konzeption von Anfang klar war – wie ein ungeschriebenes und unausgesprochenes Gesetz –, Eating Snow ist kein Projekt für den Dancefloor. Sämtliche Songs wildern herum im Bereich zwischen Pop und Elektronika, mit einer etwas dunkleren Note. So verschieden sie sich in vielen Punkten sind, das was verbunden hat, waren Stimmung und Melancholie, über die sie dann zu den Melodien gekommen sind. Insgesamt haben die beiden 40–50 Stücke produziert und daraus dann die ihre Auswahl für das Debütalbum zusammengestellt, so finden sich dort neben brandneuen Produktionen auch Stücke, die schon vier Jahre alt sind. Die überraschende Antwort nach Live-Terminen von Eating Snow – es gibt keine: „Es ist ein reines Studioprojekt, wir haben auch einfach genug andere Baustellen. Und außerdem behalten wir damit unsere Freiheit, mit Eating Snow beim nächsten Album in eine ganz andere Richtung zu gehen – Death Metal z.B.“ Allgemeines Gelächter. Aber wer weiß, wo ihre Laune die beiden hintragen wird. Freunde machen ja nicht selten ganz verrückte Sachen zusammen. / Tassilo Dicke

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Aus dem FAZEMag 043/09.2015
Foto: Grit Hiersemann