
In Spanien, genauer gesagt in der Zona Franca Barcelonas, ganz in der Nähe des Hafens, wurde im letzten Jahr das 20. Jubiläum einer Mixer-Legende vorbereitet. Die DJ-Abteilung von Ecler hat es nämlich geschafft, nach jahrzehntelanger Abstinenz ein gelungenes Comeback auf dem Markt zu feiern. Seit 2022 kommen in regelmäßigen Abständen wieder in Spanien designte und montierte DJ-Mixer heraus und gelangen langsam wieder in den Fokus. Ich glaube, der Grund für einen Erfolg ist eine Kombination aus den Keywords „analog“, „professionell“ sowie „keine astronomischen Preise“.
Nimmt man nur zwei dieser Attribute, findet man immer gleichwertige Mitbewerber. So gibt es durchaus günstige Analogmixer — aber die klappern nach spätestens einem Jahr Einsatz und machen Faxen. Und natürlich gibt es analoge Mixer in der professionellen Champions-League — allerdings kosten diese manchmal doppelt so viel.
Die aktuelle Entwicklung der Clubkultur in Richtung Sound-Bewusstsein und leichtem Vinyl-Revival spielt den Spaniern dabei in die Karten. Denn die Mixer von Ecler waren schon in den 1990ern und 2000ern durchaus verbreitet: In alten Amnesia-, Pacha- und Space-Videos sind immer wieder die SCLAT-Mixer zu sehen, deren modulares Layout von den Clubs selber bestimmt werden konnte. Damit waren sie auch eigentlich die einzigen modularen Mixer weltweit. Die illustren Fans hießen DJ Hell, Ricardo Villalobos oder Luciano. Währenddessen waren die SMAC- und HAK-Mixer eine Institution unter den Scratch-Mixern für Turntablisten. Hier gibt es unzählige Videos von den DMC und der Red Bull Music Academy. Die 2010er entwickelten sich dann aber zum Zeitalter der DJ-Softwares und in deren Gefolge waren nunmal die leichten, günstigen und mobilen Controller. Diese Plastikschleudern verdrängten die Präsenz analoger DJ-Mixer erstmal aus dem Markt, und mit dem „Laptop-DJ“ — vertreten durch Pioniere wie Richie Hawtin oder Acid Pauli — erschien eine neue Spezies in den elektronischen Gefilden. Gleichzeitig wuchs die Dominanz der Pioneer-Player und Mixer: Ab dem DJM-800 im Jahr 2006 und spätestens ab dem DJM-900 im Jahr 2011 war Pioneer erst einmal eine lange Zeit der absolute Clubstandard, was es für andere Brands schwerer machte, Zugang zu DJs zu erlangen.
Also legte man bei Ecler den Fokus auf die andere, schon viel früher bestehende Sparte der Marke: Die Installations/AV-Sparte, die spezialisierte Lautsprecher für Installationen und Shops, Verstärker und Mischpulte für Ausstellungen und Messen sowie Videoswitches und Multimedia-Interfaces für Geschäfte, Events und Kunst herstellte —ähnlich, aber deutlich größer skalierbar und seriöser als die DJ-Branche.
In dieser Sparte hatte jeder von uns schon mal einen Berührungspunkt mit Ecler — spätestens wenn man ein Geschäft in der Innenstadt betritt und ein gut kalibriertes Audio-System vorfindet.
Soweit so gut, das Team aus Katalonien ist wieder back im musikalischen Kosmos. Und das liegt nicht zuletzt an einem Zeitgeist, der sich von einem „möglichst billo und digital“ zu „warm und organisch“ gewandelt hat. Wir hatten im FAZEmag im Jahr 2022 deswegen schon hohen Besuch vom neuen Ecler Warm2. Der „Warehouse Anlog Rotary Mixer“ war kraft seines Namens eine Reminiszenz an eine vergangene Zeit — den Anfang der House-Ära. Die Positionierung im Markt war damals sehr offensichtlich: professioneller Klang zu einem Preis, der nachvollziehbar ist.
Und ähnlich kann man auch den neuesten Spross der DJ-Mixer-Familie einleiten, der gleichzeitig 60 Jahre Ecler feiert.

Der NUO 4.0F ist das Flaggschiff der feinen spanischen Clubmixer und setzt alles auf analoge Wertigkeit. Die NUO-Reihe hatte anfangs auch mit digitalen Spielereien geliebäugelt, doch 2025 setzt man hier auf eine klare Richtung: pur und analog.
Ganz oberflächlich betrachtet haben wir einen Vierkanal-Mixer mit zwei analogen VCFs, einem Effektreturn und umfangreichen Fader-Einstellungen. Direkt neben dem Testgerät lag zufällig auch ein berühmt-berüchtigter Rekordbox-Controller im Preisbereich von knapp über 200 Euro. Und es fällt mal wieder auf, was für einen riesigen Unterschied ein übersichtliches Design und eine wertige Verarbeitung machen. Die Fader sind genau richtig schwergängig, Kippschalter fühlen sich an wie im Flugzeug-Cockpit und die Potis sind dreimal so groß wie die des daneben liegenden Kollegen aus Plastik. Die Testversion ist aus Silber — als Alternative gibt es Mixer auch in Schwarz. Das Farbkonzept und die Typografie sind sehr charismatisch für die Spanier und verbinden solide Technik mit Emotionen.
Neben den offensichtlichen Features fallen mir direkt einige Einzelheiten auf: Erstens gibt es zwei Cues — also Vorhörkanäle pro Kanal. Das Feature ist perfekt für B2Bs, sodass sich hier zwei Menschen komplett selbstständig in einen komplexen Vierkanal-Mix einlassen können. Praktischerweise sind die beiden Kopfhörer-Ausgänge jeweils an der rechten und linken Seite, sodass sich hier nie zwei Kabel in die Quere kommen sollten. Eine kurze Marktanalyse später stellt sich heraus, dass die einzigen anderen analogen Mixer mit diesem Feature der PlayDifferently Model 1.4 mit einem Preis von 1.999 Euro oder der Union Audio Elara.6 mit einem Preis von 3.399 Euro sind. Wieder einmal kommt Ecler hier also mit einem deutlich günstigeren Preisvorschlag und spielt damit trotzdem in der Königsklasse.
Das zweite charmante Detail des Mixerlayouts war für mich der Record-Ausgang auf der Mixeroberfläche. Das Feature ist ziemlich gut durchdacht: Wer sein Set aufnehmen will, kann nun an einer sehr übersichtlichen Stelle einen Recorder anschließen, anstatt in den Kabelsalat hinter dem Mixer zu fassen — I like.
Ziemlich cool für alle Fader-Artisten ist auch die genaue Einstellmöglichkeit sowohl des Kanal-Faders als auch des Crossfaders. Ein Einbau des Eternal — Eclers legendärer magnetischer Crossfader — ist im NUO 4.0F eingeplant und geht deswegen sehr leicht über die Bühne, wenn man die 175 Euro ausgeben möchte. Eigentlich eine spannende Ausrichtung in einen Clubmixer.
Und jetzt zum Wichtigsten — dem Klang: Ich möchte hier auf keinen Fall in Analog-Mystik verfallen, die es auch 2025 immer noch in Gesprächen und Kommentarspalten gibt. 2025 gibt es keine ernstzunehmenden digitalen Mixer mehr, welche die klanglichen Attribute „flach“, „eindimensional“ und „kreischend“ aufweisen. Ansonsten würde es sie gar nicht mehr geben. Und gerade in einer Clubnacht machen Raum und Lautsprecher-System viel mehr aus als der Unterschied zwischen analogen und digitalen Mixern. Vor allem bei verschiedensten Tracks, die ja selbst wiederum aus digitalen oder analogen Elementen bestehen, werden die Schaltkreise oder Halbleiter eines Mixers nicht den entscheidenden Unterschied machen. An zwei Stellen könnten dann aber auch Laien den Unterschied doch hören: beim Übersteuern und bei Filtern. Und das wollte ich mal mit einem kleinen Vergleich eines DJ-Controllers, nämlich des sehr weitverbreiteten DJM-900 NXS und des NUO 4.0F, ausprobieren. Bei einem leichten Übersteuern der Kanäle und des Masters klingt der analoge NUO deutlich unproblematischer und wärmer — vor allem der Controller klingt dagegen wie die gesengte Sau. Und auch der Pioneer DJM-900 Nexus klang schneller etwas harsch in diesem Bereich. Aber natürlich gilt hier vor allem: Man sollte seinen Mix auch niemals zum Übersteuern kommen lassen, was deutlich wichtiger ist als dieser klangliche Unterschied. Was aber einen bleibenden Eindruck hinterlässt, sind die analogen Filter und EQs, die letztendlich etwas sanfter klangen als bei den digitalen Mixern. Der Unterschied wird höchstwahrscheinlich niemandem im Club auffallen. Wenn das Set allerdings aufgenommen und über gute Boxen abgespielt wird, kann es jedoch schon auffallen. Und sehr wahrscheinlich auch in einem Club mit einer Wahnsinnsakustik wie dem Open Ground in Wuppertal.
Festhalten kann man also, dass es auf dem großen Markt der analogen Vierkanal-Mixer selbstverständlich viele, wenn nicht sehr viele gute Modelle gibt — warum auch nicht. Was den Ecler Nuo 4.0F aber ausmacht, ist das sehr charakteristische Design sowie ausgeklügelte Features wie zwei parallele Vorhör-Kanäle, die kein Mixer in seiner Preisklasse bietet. Die Performance bestehend aus Sound, Wertigkeit und User-Interface ist professionell durch und durch. Deswegen kann ich mir schon vorstellen, die Ecler-Mixer bald wieder deutlich öfter in Clubs und auf Festivals zu sehen. Und allein der Spirit aus den frühen Zeiten wirkt — zumindest auf mich.

Aus dem FAZEmag 163/09.2025
www.eclerdj.de