Es ist so weit, der Sommer hält so langsam wieder Einzug. Viele Raver sehnen jedoch nicht nur die heißen Temperaturen herbei, sondern auch die Festivalsaison mit ihren zahlreichen bunten Bühnen. Auf einigen davon stehen Kerstin Eden und Pappenheimer – mal allein, mal nacheinander, aber seit einiger Zeit auch zusammen! Als EdenHeimer tun sie sich immer mehr hervor und liefern nun auch den FAZE-Mix des Monats. Hier erfahrt ihr mehr über ihr Projekt.


Für viele eurer Fans ist dieses Duo wahrscheinlich wie Ostern und Weihnachten zusammen. Wie kam es überhaupt dazu, dass ihr euch „offiziell“ zusammengetan habt? Welche Idee, welcher Antrieb steckt dahinter?

Pappenheimer: Angefangen hat alles 2015 auf Pappenheimers Geburtstagsparty im Airport Würzburg. Dort haben wir zum ersten Mal back2back gespielt, und das direkt all night long. Eigentlich ging es dabei nur darum, Jörg etwas Freiraum und Zeit für seine zahlreichen Geburtstagsgäste zu verschaffen. Keiner von uns beiden hatte zu diesem Zeitpunkt großartiges Interesse daran, das öfter als nötig zu wiederholen. Dafür spielen wir beide einfach auch viel zu gerne allein. Die Nacht hat dann aber nicht nur uns, sondern auch allen Anwesenden so unfassbar viel Spaß gemacht, dass eine Wiederholung nur eine Frage der Zeit war. Gut zwei Jahre und fünf bis sechs sehr intensive b2b-Sets später kam dann auch schon die erste Festival-Anfrage ins Haus geflattert – für die Nature One 2017, das „Century Circus“-Closing-Set. KABOOMM! Als wir dort vor komplett voller Hütte spielten, strahlte uns ein neonfarbenes Plakat mit der Aufschrift „EdenHeimer“ von der Tanzfläche entgegen. Vanessa, Kerstins beste Freundin, wollte uns überraschen und hat damit auch für alle, die dabei waren, ein Zeichen gesetzt. Das Feedback, das uns in den darauffolgenden Wochen über die Social-Media-Kanäle erreicht hat, war einfach überwältigend. Und immer häufiger fiel dabei auch der Begriff EdenHeimer. Ab dem Zeitpunkt wurde uns langsam bewusst, wie viele Leute wir zu zweit schon erreicht hatten. Trotzdem sollte es fast noch mal ein ganzes Jahr und eine Handvoll gemeinsamer b2b-Sets dauern, bis wir erkannt haben, wie sehr uns das gemeinsame Spielen ans Herz gewachsen ist. Nachdem uns klar geworden war, dass wir gerne EdenHeimer sind, haben wir Nägel mit Köpfen gemacht. So gesehen ist EdenHeimer also nicht nur das Projekt von zwei Freunden, sondern vielmehr ein Gemeinschaftsprojekt von vielen Ravern, der Namensgeberin Vanessa und uns. Ohne die vielen Supporter, die ihre Begeisterung von Anfang an mit uns geteilt haben, wäre es wahrscheinlich bei einer einmaligen Sache geblieben. Dafür müssen wir uns eigentlich mal richtig bedanken. Danke!

Was unterscheidet EdenHeimer letztendlich von euren Solo-Projekten?

Kerstin Eden: Nun ja, Pappenheimer ist einer, Kerstin Eden ist eine und EdenHeimer sind zwei Personen. Jeder von uns ist schon seit vielen Jahren als Solo-Artist mit seinem eigenen Stil aktiv und hat seine individuelle Handschrift gefestigt. Der eine hat das goldene Händchen für die großen Emotionen, die andere pflügt dagegen schon mal mit kompromissloser Energie einen ganzen Acker um. Als Team mischen wir nicht nur unsere musikalischen Vorlieben zusammen, wir bringen auch zweimal echtes Herzblut und ehrliche Freundschaft mit und erschaffen mit all den Synergien etwas Neues. Die Mischung macht’s. So wird es uns zumindest immer wieder zugetragen.

Ihr legt ja Wert darauf, mit diesem Duo nur ausgewählte Gigs zu spielen – es soll besonders bleiben. Was macht denn einen Gig besonders bzw. EdenHeimer-tauglich?

Kerstin Eden: Ja, das ist uns wirklich wichtig, denn an allererster Stelle geht es uns beiden darum, gemeinsam Spaß zu haben – wenn etwas zur Routine wird, verliert es schnell seine Besonderheit. Davon abgesehen sind alle DJs ja irgendwo auch kleine Egoisten. Jeder von uns liebt schließlich das, was er tut, ganz besonders dann, wenn er sich nach seiner eigenen Vorstellung frei entfalten kann. Aus diesen beiden Gründen entscheiden wir auch immer zu zweit, ob wir einen Gig als EdenHeimer annehmen oder nicht. Allgemein gesagt geht es uns dabei um den Wohlfühlfaktor. Meistens sind es Orte, die uns auf irgendeine Art geprägt bzw. berührt haben. Lieblingsclubs oder auch Partyreihen, an die man sich immer gerne erinnert, weil man dort schon so viele Gänsehautmomente hatte oder weil der Bezug zu den Menschen dort einfach viel enger und intensiver ist als woanders. Manchmal sind es aber auch langersehnte Träume, die wir uns so erfüllen können.

In diesem Jahr wird doch auch das zehnjährige Jubiläum der Abfahrt gefeiert, nicht wahr? Gibt es da schon einen konkreten Termin, Jörg, und weitere Infos? Das wäre doch auch die Gelegenheit für einen weiteren EdenHeimer-Gig.

Pappenheimer: Unfassbar, aber wahr, die Abfahrt Würzburg feiert dieses Jahr den ersten großen runden Geburtstag! Wer hätte das vor zehn Jahren gedacht? Die Abfahrt des Jahres findet wie gewohnt im Airport in Würzburg statt, und zwar am Samstag, dem 7. Dezember. Welcher Headliner kommt, verraten wir erst mal noch nicht. Ein bisschen Spannung gehört schließlich auch dazu. Sicher ist aber schon mal, dass alle Kollegen und langjährigen Wegbegleiter des Abfahrt-Kollektivs dabei sein werden.

Wo können wir euch über die Sommer- und Festivalsaison hören?

Pappenheimer: Der Sommer wird super, wir freuen uns schon seit Wochen darauf. Wir sind auch in diesem Jahr wieder auf einigen Festivals vertreten. Zwar nicht überall als EdenHeimer, doch oft spielen wir am selben Tag auf dem gleichen Floor. Eines unserer persönlichen Highlights wird, wie auch schon in den letzten zwei Jahren, unser gemeinsamer Gig im „Century Circus“ der Nature One sein. Schon fast Tradition ist ein b2b-Set auf dem Lucky Lake Festival in Losheim, wo wir in diesem Jahr sogar die Ehre haben, mit EdenHeimer den See-Floor zu hosten! Es wird auch die ein oder andere EdenHeimer-Premiere geben, zum Beispiel auf dem Parookaville. Um es kurz zu machen, hier sind alle Sommertermine, an denen ihr uns im Doppelpack erleben könnt: 15.06. James Wood Festival, 12.07. Panama Festival, 19.07. Parookaville Festival, 26.07. Odonien, Köln (all night long!), 03.08. Nature One, 31.08. Lucky Lake Festival.

Auf Pappenheimers aktuellem Album „Stolen Memory“ gab es bereits ein Feature mit Kerstin Eden. Wie sieht es mit weiteren Produktionen aus? Verbringen EdenHeimer nun auch vermehrt Zeit im Studio oder wollt ihr es bei der Booth belassen?

Kerstin Eden: Gar keine Frage, wir haben richtig Bock darauf, unsere Energien auch im Studio öfter zu bündeln. Jörg war ja auch schon ein paar Mal bei mir in Frankfurt im Studio. An Ideen und Kreativität mangelt es auf jeden Fall nicht! Leider sind die Möglichkeiten, sich regelmäßiger zu treffen, zeitlich etwas eingeschränkt. Uns trennen ja nicht nur knapp 160 Kilometer, sondern auch die Aufgaben des Alltags. Jörg ist unter der Woche an erster Stelle Papa und Hausmann. Es dauert vielleicht etwas länger, aber eins ist sicher, die „Headnut“ wird einen Nachfolger bekommen.

Ihr kümmert euch um den Mix der Mai-Ausgabe. Gilt auch hier die „Jeder zwei Tracks“-Regel? Wie seid ihr den FAZE-Mix angegangen?

Kerstin Eden: Ja, das stimmt, meistens spielen wir nach dem „Jeder zwei Tracks“-Prinzip. Bei besonders kurzen oder besonders langen Playtimes kann daraus auch schon mal „jeder einen Track“ oder „jeder 30 Minuten“ werden. Da wir unter der Woche nicht so viele Möglichkeiten haben, uns zu treffen, haben wir uns entschieden, den FAZE-Mix in zwei Hälften zu je 30 Minuten zu unterteilen. Herausgekommen ist ein 60-Minuten-HeimerEden-DJ-Mix. Mehr wollen wir euch an dieser Stelle auch gar nicht verraten und wünschen stattdessen viel Spaß beim Hören!

In der Pappenheimer-Doku erzählt Kerstin über deine Art, deine Macken und Besonderheiten. Jörg, welche Eigenschaften an Kerstin weißt du sehr zu schätzen und welche neuen Eigenarten oder Charakterzüge hast du während eurer Zeit als EdenHeimer entdeckt?

Pappenheimer: Ich mag Kerstins offene und ehrliche Art sehr. Sie nimmt kein Blatt vor den Mund und sagt genau das, was sie denkt. Sie hat mir schon sehr oft die Augen geöffnet und bei vielen Entscheidungen geholfen! Sie ist also definitiv eine Person, die ich sehr oft um Rat frage. Ansonsten ist Kerstin eine meiner liebsten Personen, die es in und auch außerhalb der Technolandschaft gibt. Man könnte auch sagen: Sister from another mister. Also, durchaus nur positive Charakterzüge!

Pappenheimer wäre beinahe Fußballer geworden. Kerstin, wie war das bei dir früher? Wolltest du schon immer hinter den Decks stehen oder hattest du auch andere Pläne?

Kerstin Eden: Natürlich hatte ich Pläne, ein Leben als DJ gehörte jedoch nicht dazu. Als kleines Mädchen habe ich davon geträumt, Meteorologin zu werden, später, im Teenie-Alter, hat mich dann der Beruf des Fluglotsen fasziniert. Mit ungefähr 17, 18 Jahren wollte ich schließlich Veranstaltungskauffrau werden und bin es auch geworden. Der Beruf hat mir sehr viel Spaß gemacht und würde es auch heute noch tun. Dass ich dann hinter dem DJ-Pult gelandet bin, war mehr Zufall als Plan und für mich auch lange Zeit nicht mehr als ein Hobby. Von einer Karriere als DJ habe ich trotz wachsenden Erfolges nie geträumt. Denn mal ganz ehrlich, wie viele DJs haben das Glück, dass sie davon leben können? Umso größer war die Überraschung, als nach acht Jahren, in denen ich jede Woche irgendwo gespielt habe, auf einmal eine E-Mail von abstract bei mir ankam. Von da an ging alles rasend schnell.

So eine kreative Zusammenarbeit ist nicht immer einfach. Bei einigen Duos hat es schon ziemlich gekracht. Was tut ihr oder was muss sein, damit ihr bei EdenHeimer gut harmonieren könnt?

Kerstin Eden: Unser großes Glück ist wahrscheinlich, dass EdenHeimer für uns „nur“ ein Spaßprojekt neben unserem eigentlichen Hauptjob als Solo-Artist ist. Also, vom Gefühl her kann man es eher mit einem gemeinsamen Kurzurlaub vom normalen Arbeitsalltag vergleichen. Das hat den großen Vorteil, dass unser Verhältnis nicht von Erfolgsdruck, sondern von Spaß geprägt ist. Mittlerweile haben wir so viel Zeit miteinander verbracht, dass wir nicht nur ein gut harmonierendes Team, sondern tatsächlich beste Freunde geworden sind. Jeder erwachsene Mensch weiß, dass man etwas dafür tun muss, um Freundschaften zu erhalten, und genau das tun wir. Es geht darum, sich gegenseitig zu respektieren und zu vertrauen, füreinander da zu sein und dem anderen auch mal neidlos etwas gönnen zu können. Man muss offen und ehrlich über alles reden können und auch mal kritisieren dürfen. Man sollte nicht nur miteinander, sondern auch übereinander lachen können. Erst dann kann man sich auch blind und ohne Worte verstehen. Hat man das Glück, so einen Seelenverwandten gefunden zu haben, versucht man automatisch, jeden gemeinsamen Moment zu genießen. Wir sind sehr dankbar für alles, was wir gerade zusammen erleben dürfen, und hoffen, dass wir unseren Spaß mit euch allen teilen können.

 

KURZ & KNAPP:

Welcher Track haut euch aktuell vom Hocker?
Kerstin Eden: Oha, das ändert sich bei mir alle 1, 2 Tage.
Pappenheimer: Zimmz – Sinematic

Welche Nummer ist schon 1000 Jahre alt und geht trotzdem immer?
Kerstin Eden: Underworld – Born Slippy
Pappenheimer: Justin Berkovi – Sustained Buxom Mad Chips

Was darf bei keinem EdenHeimer-Gig fehlen?
Kerstin Eden: Jörg und viel Zeit zum Austoben.
Pappenheimer: Kerstin und natürlich ein fettes Soundsystem.

Afterhour oder schnell ins Bett?
Kerstin Eden: Gerne auf ein Schwätzchen mit Menschen, die man mag.
Pappenheimer: Der Kapitän geht als Letzter von Bord.

Euer Ritual vor jedem Gig?
Kerstin Eden: Fingernägel lackieren
Pappenheimer: rasieren

Eure Lieblingsclubs?
Kerstin Eden: Ubar (Saarbrücken), Tresor (Berlin)
Pappenheimer: Lehmann Club (Stuttgart), Mauerpfeiffer (Saarbrücken)

Welche Mucke, welche Playlist, welches Album oder welcher Künstler läuft bei euch abseits vom Clubleben?
Kerstin Eden: Da gibt es nichts Spezielles. Alles kann, nichts muss.
Pappenheimer: Alles, nur kein Radio – am liebsten jedoch D ’n’ B.

Euer erster DJ-Name?
Kerstin Eden: k.lectra
Pappenheimer: Pappenheimer

 

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Doku über Pappenheimers – „Stolen Moments“

Aus dem FAZEmag 087/05.2019