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„Chicago“ – so lautete der Titel des zweiten Albums von Phillip Sollmann alias Efdemin, das er 2010 veröffentlichte. Der Name lässt es vermuten, Sollmann ließ sich von Chicago und der allgemeinen Faszination für die USA inspirieren. Das neue Album kommt ohne geographischen Andeutung im Titel, das Cover allerdings gibt einen Hinweis darauf, in welcher Region wir uns befinden. Zu sehen sind die Blue Mountains bei Kyoto in Japan. Dort verbrachte der Berliner DJ und Produzent den Spätsommer und Herbst des letzten Jahres und stellte „Decay“ fertig.

„Ich hatte im Jahr vor der Abreise eine Menge in meinem neuen Studio aufgenommen. Viele Skizzen, Jams, Versuche und offen Projekte, die alle um die Frage kreisten, wo ich musikalisch hinmöchte. Mit diesem Material bewaffnet kam ich nach Japan, und nach einer ersten Zeit der Auseinandersetzung mit dem Land hatte ich dann große Lust, an Musik zu arbeiten. Die Hoffnung, etwas aus dem Material machen zu können, war schon bei Abreise dagewesen. Das es dann in recht kurzer Zeit zu dem Album ‚Decay’ gereift ist, konnte ich nicht ahnen, ich war aber natürlich sehr froh.“ Zusammen mit seiner Freundin bewarb sich Phillip für eine Künstlerresidenz beim Goethe Institut – sie wurden angenommen. Es war nicht sein erster Besuch in Japan und es soll nicht sein letzter bleiben. „Ich liebe Japan und habe es bereits viele Male bereist. Allerdings bisher nie länger als zehn Tage. Die Möglichkeit, durch die Künstlerresidenz endlich einmal länger dort zu verweilen, gab uns die Möglichkeit, viel tiefer in die Kultur einzutauchen und auch so etwas wie Alltag mitzubekommen.“ Besonders reizvoll empfand Efdemin die Jahreszeit während seines Aufenthalts. Von Sommer zu Herbst. Decay, übersetzt: Verfall, Auf lösung, Fäule. Allerdings sieht Phillip die Begriffe nicht so negativ, wie sie im ersten Moment klingen. Nicht als endgültiges Resultat, sondern eher als Prozess, um Neuem Platz zu machen. „Verfall wird meiner Meinung nach zu häufig negativ konnotiert.“

So wie sich ein leichter Schleier über die Berge auf dem Cover legt, so findet sich dieser auch über der Musik von Efdemin – beruhigend, ergreifend, atmosphärisch und melancholisch. Nicht nur in der Harmonik, auch in der akustischen Ebene, der Art der Abmischung. „Ich wünsche mir oftmals, einen klareren, präziseren und eindeutigeren Klang zu haben, doch meist legen sich die Schleier wie von selbst darüber. Und das ist mittlerweile ein eindeutiges Charakteristikum meiner Musik. Es könnte daran liegen, dass ich sehr viel altes, analoges Equipment benutze, das sich eher durch Wärme, als durch kalte Eindeutigkeit auszeichnet.“ Wie auch beim letzten Album wird „Decay“ von visueller Seite aus erweitert „mit einer ganz klaren ästhetischen Linie“. Mit verschiedenen Künstlern arbeitet Efdemin an sechs Videos, die nach und nach veröffentlicht werden.

Auch wenn er das Reisen genießt und es als großartigen Nebeneffekt des DJ-Berufs ansieht, so hat es ihn in den letzten Jahren auch die Konzentration gekostet, die er braucht, um neue Musik zu machen. Nach „Chicago“ kam hinzu, dass Phillip lange nicht wusste, in welche Richtung es gehen sollte. Eine Pause, in der er an seinem Studio arbeitete. „Zurzeit macht es mir sehr viel Spaß, dort zu arbeiten. Es könnte dieses Mal schneller gehen, bis es wieder neue Veröffentlichungen gibt.“ Aber auch Japan ist weiterhin ein großes Thema: „Ich würde mich morgen ins Flugzeug oder Schiff setzen, wenn ich dürfte. Es klingt vielleicht abgegriffen, aber die Zeit auf der anderen Seite der Welt hat mir geholfen, meinen eigenen Kulturkreis und viele persönliche Denkmuster und Handlungsweisen zu hinterfragen.“

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www.soundcloud.com/efdemin