Wir sind Egopusher, ein Electronica-Duo aus Zürich. Wir kombinieren akustische Instrumente mit elektronischen Sounds. Um unsere Songs live zu performen, arbeiten wir schon seit vielen Jahren mit Ableton Live. Im vergangenen Herbst erschien unser neues Album “Beyond”. Die Session unserer Liveshow ist ein Mix aus Backing-Tracks von den Studio-Sessions, gemischt mit Midi-Instrumenten, die wir live spielen, sowie Midi-Sends, die unsere Hardware-Synths ansteuern. Zusätzlich läuft die ganze Show über ein Click-Track auf unseren In-Ear-Monitors. Als Ableton Live die neue “Follow”-Funktion (Dynamische Tempo-Anpassung) ankündigte, ahnten wir noch nicht, dass dieses Feature ein Game Changer für unser Live-Setup werden könnte.

 

«Follow» lässt sich sehr unkompliziert einrichten: In den «Voreinstellungen» unter «Link, Tempo, Midi» kann man die Funktion aktivieren. Neben dem «Tap»-Button oben links erscheint dann der «Follow»-Button, der sich ein- und ausschalten lässt. Damit das Feature funktioniert, muss in den Voreinstellungen ein Eingangskanal vom Audio-Interface angewählt werden, um einen Tempo-Trigger einzurichten. Wir benutzten dafür ein Sennheiser-e614-Mikrofon, das wir bei den Drums auf die Hi-Hat richteten. Dies darum, weil die Hi-Hat das Element ist, das bei den Drums am konstantesten durchgespielt wird. Das sehr Spannende an «Follow» ist, dass es erlaubt, den Click-Track auszuschalten und den ausgewählten Trigger als Timekeeper anzuwählen. Ableton live rechnet dann das Tempo anhand des gespielten Rhythmus aus. Ob das wirklich funktioniert? Und ob! Und wie!

Mit unserem Intro-Song «Elenor» starteten wir frisch drauflos – ein raviger Track, der mit E-Drums, Synths und Geige beginnt. Als Steigerung kommen die Drums hinzu. Dies ist auch der Moment, wo die «Follow»-Funktion zum Zug kommt. Auf diesen Moment waren wir natürlich mächtig gespannt und machten eine unglaubliche Erfahrung. Der Song ließ sich organisch spielen. Das «Korsett» vom Click-Track war verschwunden. Wir spielten nicht mehr zu den Backing-Tracks, sondern die Backing-Tracks zu uns. Eine neue Erfahrung mit unglaublich viel Potenzial.

Alessandro an den Drums: «Ich konnte mich voll und ganz gehen lassen und die Tracks folgten mir organisch. Dies inspirierte mich, mehr Variationen einzubauen und mutiger zu sein. ,Follow’ lässt es zu, die Songs punkiger zu spielen.»

Als Nächstes versuchten wir es mit einem alten Song namens «Blood Red» aus unserem Repertoire. Bei diesem eher langsamen Track kommen lediglich ein stehender Bass, der sich alle acht Takte ändert, und einige Synth-Pads von Ableton Live. Dies macht es natürlich unmöglich, ohne Click-Track dazu zu performen, was uns bisher auch immer gestört hat. Mit der «Follow»-Funktion war das jetzt problemlos möglich. Nach dem Einzähler konnten wir komplett frei zu den Backing-Tracks spielen. Die BPMs variierten teils, aber wir verpassten keinen einzigen Harmoniewechsel. Der Song fühlte sich wieder genauso an, wie wir ihn beim Improvisieren im Proberaum komponiert hatten.

Damit wir beim «Warpen» unserer Audio-Playbacks CPU sparen können, verwenden wir jeweils den «Beat»-Algorithmus. Nun hatten wir Bedenken, dass die BPM-Schwankungen unsere Audio-Files zerreißen und «glitchen» würden. Die ganzen Midi-Spuren, seien sie intern mit Plug-ins oder extern geroutet, sollten theoretisch keine hörbaren Fehler kreieren. Die Audio-Files aber müssen sich so extrem schnell anpassen können, sodass wir mit den schlimmsten «Glitches» gerechnet hatten. Die Programmierer*innen bei Ableton haben hier ganz feine Arbeit geleistet. Wir waren erstaunt, wie gut alles klang und wie selbstverständlich es sich anfühlte. Auch der CPU unserer Monster-Session wurde nicht überstrapaziert, und so werden wir zukünftig in den Live-Shows die «Follow»-Funktion einbinden, um die Musik möglichst inspiriert, spontan und live gestalten zu können.

Fazit:

Für uns ist dieses Feature revolutionär. Mit Backing-Tracks und vom Computer gesteuerten Midi-Arps zu performen, bedeutet auch, in ein gewisses Tempo gezwungen zu werden. Musik ist jedoch nie statisch. Vielleicht fühlt sich ein Song noch besser an, wenn er in einem ekstatischen Moment auch schneller werden kann, um die Energie zu steigern. Das macht das Live-Erlebnis aus. Auf der Bühne darf und muss etwas Außerordentliches passieren, etwas, das mit Ort und Publikum live entstehen kann. Wenn Ableton Live mit uns mitgeht und sich wie ein Bandmitglied anpasst, dann haben wir die unbegrenzten Möglichkeiten des Computers und die spontane Flexibilität eines Bandmitgliedes. Das Beste von beiden Welten! Die Erkenntnis, dass sich das alles sehr natürlich und ohne zu überlegen gut anfühlt, spricht für die Programmierkunst des Ableton-Live-Teams. Nicht alle Songs von unserem Set machen Sinn, mit «Follow» zu spielen. Es gibt Songs, die wollen wir exakt so performen, wie sie auf der Platte sind. Jegliche Temposchwankung, sei sie noch so klein, fühlte sich bei ihnen fremd an und die Musik verlor erstaunlich schnell ihren Reiz. Aber es gibt Songs, die brauchen diesen Spielraum im Tempo, um sie spannend, luftig und dynamisch zu halten.

Ein tolles Feature auch für Bands, die nur gezielt und sparsam Backing-Tracks benutzen. So kann auf das Band-Feeling gesetzt werden, und der Backing-Track kommt trotzdem im richtigen Moment. Für abrupte Tempowechsel ist das «Follow» nicht geeignet, vielmehr für organische Temposchwankungen in der Band. Dies sehen wir aber auch als großen Vorteil. Würde Ableton Live bei der allerkleinsten Schwankung reagieren, wäre es nicht möglich, einen Song musikalisch durchzuspielen. Da das Tempo aber scheinbar über eine längere Zeit berechnet wird, ist es möglich, die Musik atmen zu lassen und die Backing-Tracks zum Leben zu erwecken.

Ableton Live «Follow» macht deinen Computer zum Bandmitglied. Er spielt mit dir, er reagiert auf deine Stimmung. Adieu, Click-Track!

Wenn ihr noch kein Ableton Live benutzt, könnt ihr euch hier eine 90-Tage-Testversion runterladen: www.ableton.com/de/trial

 

Seht euch hier den Track “Elenor” an: