Ein kleiner Kasten voller Ideen – AlphaTheta TORAIZ ChordCat

Mit der Umfirmierung von Pioneer DJ in AlphaTheta ist die Produktlinie TORAIZ keinesfalls gestorben. Die DJ-gerechten Produktionstools werden einfach unter der neuen Marke veröffentlicht. Neuestes Produkt ist der ChordCat als eine Art musikalischer Notizblock, der seinen Schwerpunkt auf die Erzeugung von Melodien und Akkorden setzt. Statt Wörter zu kritzeln, formuliert man Tonfolgen – und zwar mithilfe eines internen Automatismus, sodass garantiert harmonische Ergebnisse entstehen.

Warum das knapp 28 cm breite, 11 cm tiefe und 3 cm hohe Kästchen ausgerechnet die Zusatzbezeichnung „Cat“ erhielt, mag verwundern. Schließlich ist der Begriff „Katzenmusik“ bei uns ein Synonym für dissonanten Lärm. In Japan, wo es entwickelt wurde, ist die Katze hingegen ein Glückssymbol – vielleicht also daher. Farblich ist die 400 g leichte Klangkatze übrigens mausgrau, besteht vollständig aus Kunststoff, ist sauber verarbeitet, allerdings auch ohne jeden Anflug von qualitativem Luxus. Strom bekommt der ChordCat entweder per USB-C oder unabhängig mit sechs AA-Batterien. Fünf Stunden Laufzeit ohne Steckdose sind drin – genug für eine Session im Park, auf Reisen oder einfach mal auf der Couch.

Acht Spuren, massenhaft Möglichkeiten

Im Kern ist der ChordCat eine winzige Groovebox mit acht Spuren. Den Begriff Groovebox sollte man aber wirklich nicht zu hoch hängen, denn die Live-Bearbeitungsmöglichkeiten sind in jeder Hinsicht sehr eingeschränkt. Schon daran erkennbar, dass Potis völlig fehlen. Was den Vorteil hat, dass man sie unbesorgt schnell in die Tasche stecken kann, ohne einen Reglerschaden befürchten zu müssen. Jede Spur lässt sich dann mit Drums, Bässen oder Melodien belegen und bietet die üblichen Basics wie Lautstärke- und Panorama-Einstellungen. Wer Spaß am Tüfteln hat, kann bis zu 16 Pattern pro Spur speichern und daraus Songs bauen. Die Step-Sequenzen gehen über 128 Schritte, was prinzipiell für ausgedehnte Grooves reicht. Eine gute Hilfe ist die sogenannte „Running Direction“: Hier kann man die Abspielrichtung frei wählen – nicht nur von links nach rechts, sondern auch im Kreis oder rückwärts. Das sorgt in der Praxis für abgefahrene Rhythmusvarianten, die man mit klassischem Sequencing selten hinbekommt.

Der Chord Cruiser – Herzstück und Geheimwaffe

Wirklich einzigartig macht den ChordCat sein „Chord Cruiser“. Dabei handelt es sich um eine Art Ideenmaschine für Harmonien. Das Gerät greift auf über 110.000 mögliche Akkordkombinationen zurück und schlägt passend zur gewählten Tonart immer wieder neue Varianten vor. Wer keine musiktheoretischen Kenntnisse hat, freut sich besonders: Man wählt einfach einen Akkord aus, und der ChordCat zeigt sofort, welche Progressionen gut dazu passen könnten. Favorisierte Akkorde lassen sich auf Buttons legen und später schnell abrufen. Zusätzlich gibt es 18 vorgefertigte Akkordsets: 13 davon genrespezifisch (zum Beispiel House oder Future Bass), fünf eher allgemein gehalten. So bekommt man relativ schnell überzeugende Ergebnisse, die musikalisch stimmig klingen.

Klangarsenal: solide statt spektakulär

Bei der Klangerzeugung zeigt sich der ChordCat leider eher von der zurückhaltenden Seite. 145 Presets und 16 Drumkits stehen zur Verfügung. Darunter Bässe, Keys, Pads und Stabs, gesteuert über Filter und Hüllkurven. Man kann also mit Cutoff, Resonanz, Attack und Release experimentieren und so die Sounds ein Stück weit formen. Nur, wie schon erwähnt, spart die Katze Dreh- oder Schieberegler völlig aus und auch das winzige Display lädt nicht gerade zu tiefschürfenden Klangeingriffen ein. Dass der Produktionsprozess wirklich intuitiv, also selbsterklärend, vonstatten geht, können wir deshalb auch nur bedingt unterschreiben. Es ist in jedem Fall ein Lernprozess erforderlich, bis man weiß, wie man eine erforderliche Funktion erreicht, um zum gewünschten Ergebnis zu kommen. Immerhin gibt es aber ein XY-Pad, mit dem man Effekte wie Delay, Ducker oder auch Arpeggiator in Echtzeit steuern kann. Im Vergleich zu Touchscreens arbeitet es zwar gelegentlich störrisch und weniger präzise, für schnelle Skizzen reicht es aber locker.

Integration ins Studio

Wer seine Skizzen weiter ausbauen will, hat es leicht: Über MIDI In/Out/Thru lässt sich der ChordCat mit externen Synthesizern verbinden, und über USB mit dem Rechner. Dazu liefert AlphaTheta den „ChordCat Manager“, eine Software zum Übertragen und Organisieren von Patterns. Obendrauf gibt es eine Lizenz für Ableton Live Lite, sodass man Ideen direkt dort weiterproduzieren kann. Damit schlägt der ChordCat die Brücke zwischen spontaner Session und detaillierter Feinarbeit im DAW-Studio.

Für wen lohnt sich das Teil?

Mit einem Preis von rund 250 bis 280 Euro bewegt sich der ChordCat in einem sehr attraktiven Bereich. Er richtet sich klar an alle, die Lust haben, ohne großen Aufwand Musik zu machen. Anfänger profitieren in jedem Fall vom Chord Cruiser, weil sie sich keine Sorgen um falsche Akkorde machen müssen. Auch DJs werden ihn als Live-Erweiterung ihres Setups definitiv zu schätzen wissen. Fortgeschrittene finden ein günstiges Werkzeug, das sie aus der Routine befreien und ungewöhnliche Ideen liefern kann. Er hilft, musikalische Ideen schnell festzuhalten, harmonisch sinnvolle Akkorde zu finden und Grooves zu bauen, ohne dass man stundenlang am Rechner sitzt. Seine größte Stärke liegt in seiner Einfachheit und Mobilität. Wer mit ihm arbeitet, merkt schnell: Es geht nicht um Perfektion, sondern um den kreativen Funken.

Aus dem FAZEmag 164/10.2025
www.alphatheta.com