
Mit gleich zwei Alben auf Diffuse Reality zeigt Ella Wax eine beeindruckende Momentaufnahme ihrer künstlerischen Entwicklung. Zwischen klassisch inspirierten Kompositionen und druckvollem Peak-Time-Techno bewegt sie sich heute sicherer denn je zwischen Intuition und analytischer Präzision – immer mit dem Anspruch, Atmosphäre und Energie in Einklang zu bringen.
„Mein Weg als Künstlerin hat sehr intuitiv begonnen“, erzählt sie rückblickend. „Anfangs habe ich viel an Sounddesign und Arrangement gearbeitet sowie unterschiedliche Musikrichtungen ausprobiert – Deep House, House, Techno, Hard Techno und Melodic Techno.“ Diese Offenheit prägt ihren Sound bis heute, auch wenn sie mittlerweile eine klarere Richtung eingeschlagen hat: „Heute fokussiere ich mich auf Peak Time Techno bis Hard Techno.“ Ein entscheidender Schritt in dieser Entwicklung waren ihre beiden Alben, die beide über Diffuse Reality erschienen sind. Der Entstehungsprozess war dabei ungewöhnlich direkt: „Ich habe alle 16 Tracks, die ich veröffentlichen wollte, an das Label geschickt – und sie wurden komplett genommen.“ Doch schon während der Produktion zeichnete sich ein Wandel ab: „Mein Sound hatte sich bereits weiterentwickelt, sodass sich zwei unterschiedliche Projekte herauskristallisiert haben, die als zwei eigenständige Alben veröffentlicht wurden.“
So stehen sich mit „Techno X Klassik“ und „Wax Works“ zwei unterschiedliche Klangwelten gegenüber. Während das erste Album „viele klassische Elemente wie Piano, Strings oder Violine“ integriert und „stark aus dem Detroit Techno inspiriert“ ist, zeigt sich „Wax Works“ deutlich reduzierter: „Cleaner Peak-Time-Techno mit Vocals, vielen FX und atmosphärischen Flächen.“ Ein Wandel, der nicht zufällig kam, sondern eng mit ihrer Praxis als DJ verbunden ist: „Ich habe gemerkt, wie wichtig Klarheit, Druck und Struktur im Club sind. Dadurch wurde mein Produktionsstil präziser und reduzierter.“
Auch im Studio hat sich dieser Perspektivwechsel niedergeschlagen. Ihre Herangehensweise ist heute bewusst flexibler: „Das ist abhängig vom Konzept des Tracks. Bei Produktionen mit Vocals orientiere ich mich zunächst an deren Dynamik und Struktur. Instrumentale Tracks entstehen dagegen oft intuitiver.“ Gerade diese Balance macht für sie aktuell den Unterschied: „Das erste Album war sehr intuitiv, das zweite analytischer – aktuell liegt mir die Kombination aus beiden Ansätzen am meisten.“ Ein Track ist für sie dann abgeschlossen, wenn sich ein ganz bestimmtes Gefühl einstellt: „Wenn ich nichts mehr hinzufügen möchte, ist der Track für mich fertig.“ Dabei verlässt sie sich nicht nur auf den Moment im Studio, sondern testet ihre Musik in unterschiedlichen Kontexten: „Oft höre ich ihn in verschiedenen Situationen – und wenn er überall funktioniert, weiß ich, dass er abgeschlossen ist.“
Der Blick richtet sich derweil klar nach vorne. Ihre kommenden Produktionen bleiben ihrer Linie treu, sollen aber noch mehr Druck entfalten: „Ich möchte meinen Sound beibehalten, aber es soll sich Richtung Peak-Time-Techno beziehungsweise Hard Techno entwickeln – mit und ohne Vocals.“ Aktuell arbeitet sie bereits an einer neuen EP im Bereich „High Energy Techno“, die möglicherweise auf ihrem eigenen Label TSMGO (The Show Must Go On) erscheinen wird. „Generell plane ich weitere Releases, die sowohl atmosphärisch als auch cluborientiert funktionieren.“
Ella Wax bewegt sich damit genau in dem Spannungsfeld, das modernen Techno heute ausmacht: zwischen Gefühl und Funktionalität, zwischen künstlerischem Ausdruck und Dancefloor-Energie. Oder, wie sie es selbst auf den Punkt bringt: „Musik soll in jeder Situation funktionieren – im Club genauso wie unterwegs.“
Aus dem FAZEmag 171/05.2026
Text: Triple P
www.instagram.com/ellawax.co