
Im laufenden Kartellverfahren gegen den US-Konzern Live Nation sind interne Chats zweier Ticketmanager öffentlich geworden.
Darin sollen sich die Mitarbeiter damit gebrüstet haben, Konzertbesucher systematisch überhöhte Zusatzgebühren berechnet zu haben. Die Nachrichten wurden am 11. März 2026 veröffentlicht.
Der zuständige Richter ordnete die vollständige Freigabe an, nachdem mehrere Medien, darunter Bloomberg News und die New York Times, Zugang zu den Dokumenten beantragt hatten.
Live Nation hatte zuvor versucht, die Veröffentlichung zu verhindern. Die Chats stammen aus der Kommunikationsplattform Slack und betreffen zwei Mitarbeiter der Ticketabteilung von Live Nation USA.
In den Nachrichten sollen sie Fans als „dumm“ bezeichnet haben, weil diese hohe Zusatzkosten beim Ticketkauf akzeptierten. Wer sich für die gesamten „Live Nation Files“ interessiert: HIER könnt ihr sie im Detail einsehen.
Im Mittelpunkt stehen Ben Baker und Jeff Weinhold. Beide arbeiteten als regionale Ticketing-Direktoren und tauschten sich in einem Chatverlauf aus, der sich von Ende 2021 bis Anfang 2023 erstreckt haben soll.
In den Gesprächen ging es vor allem um sogenannte „Ancillary Fees“. Dabei handelt es sich um Zusatzkosten rund um Konzertbesuche, die häufig erst während des Kaufprozesses sichtbar werden, etwa für Parkplätze, VIP-Bereiche oder besondere Sitzplätze.
Ein Beispiel betrifft ein Konzert von Kid Rock im Jahr 2022 in Tampa im US-Bundesstaat Florida. Baker soll eine Preisliste mit dem Titel „VIP Club Admission“ geteilt haben, bei der der höchste Preis 199 Dollar betrug. Dazu schrieb er: „Diese Leute sind so dumm.“
Weinhold reagierte darauf mit den Worten: „Ich habe VIP-Parkplätze für 250 Dollar lol.“ Baker antwortete anschließend: „Ich fühle mich fast schon schlecht sie auszunutzen.“ In einem weiteren Austausch diskutierten die beiden laut den veröffentlichten Dokumenten eine Finanztabelle.
Diese zeigte das Wachstum der Einnahmen aus Premium-Parkplätzen an einer nicht genannten Veranstaltungsstätte. Demnach stieg der Bruttoumsatz in diesem Bereich umgerechnet von rund 410.000 Euro im Jahr 2018 auf etwa 580.000 Euro im Jahr 2021.
Baker kommentierte diese Entwicklung mit den Worten: „Die werden total ausgenommen, Baby. So geht das!“ Die Chats wurden im Rahmen eines umfassenden Kartellverfahrens publik.
Die US-Bundesregierung sowie Generalstaatsanwälte aus 39 Bundesstaaten und dem District of Columbia werfen Live Nation und der Ticketing-Tochter Ticketmaster vor, ein illegales Monopol im Live-Entertainment-Markt aufrechtzuerhalten.
Nach Ansicht der Kläger habe diese Marktmacht zu höheren Ticketpreisen geführt und Wettbewerb sowie Innovation behindert. Live Nation weist diese Vorwürfe zurück und argumentiert, dass Künstler und Veranstaltungsorte selbst über Preise und Ticketverkäufe entscheiden.
Das Unternehmen reagierte mit einer Stellungnahme auf die Veröffentlichung der Chatprotokolle. Demnach habe der Austausch zwischen „einem Mitarbeiter und einem Freund“ stattgefunden und spiegele „absolut nicht unsere Werte oder unsere Arbeitsweise wider“.
Die Unternehmensführung erklärte außerdem, erst durch die öffentliche Berichterstattung von den Nachrichten erfahren zu haben. Der Sachverhalt solle nun intern untersucht werden. Unterlagen des US-Justizministeriums zeigen jedoch, dass Baker inzwischen eine leitende Position innehat.
Er ist demnach Head of Ticketing bei Venue Nation, einer Live-Nation-Sparte, die die Amphitheater des Konzerns betreibt. Weinhold arbeitet laut den Dokumenten als Senior Ticketing Director für den Großraum Washington, D.C.
Das zugrunde liegende Kartellverfahren wurde inzwischen vorübergehend ausgesetzt. Am Montag wurde überraschend eine vorläufige Einigung zwischen Live Nation und dem US-Justizministerium bekanntgegeben.
Die Vereinbarung sieht unter anderem vor, dass Veranstaltungsorte künftig mehrere Ticketing-Systeme parallel nutzen dürfen. Bisher bestand Ticketmaster häufig auf exklusiven Verträgen.
Außerdem soll eine Richtlinie abgeschafft werden, die Künstler faktisch verpflichtete, konzerneigene Promotion-Services zu nutzen, wenn sie in Live-Nation-Amphitheatern auftreten wollten.
Mehr als die Hälfte der beteiligten Bundesstaaten hält diese Einigung allerdings für unzureichend. Der zuständige Richter forderte sie auf, bis Ende der Woche entweder eine eigene Vereinbarung auszuhandeln oder sich auf die Fortsetzung des Prozesses vorzubereiten.
Die ursprünglich für diese Woche geplante Aussage von Ben Baker wurde nach Bekanntgabe der Einigung zunächst verschoben.
Quelle: MoreCore / Resident Advisor
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