Eulbergs heimische Gefilde: Die Großtrappe
Die Großtrappe ist ein aufsehenerregender Vogel: Nicht nur seine Größe ist imposant, wer einmal das Glück hatte, die spektakuläre Balz der Großtrappen zu beobachten, wird dieses Naturschauspiel nicht mehr so leicht vergessen.


Ein Großtrappen-Hahn kann bis zu 17 Kilogramm schwer werden, so viel wiegt in etwa auch ein Dachs oder ein kleines Reh. Damit zählt die Großtrappe zu den schwersten flugfähigen Vögeln der Welt. Die Flügelspannweite kann bis zu zweieinhalb Meter betragen. Solch ein enormes Gewicht will beherrscht sein: Großtrappen starten generell gegen den Wind. Mit einigen beidbeinigen Sprüngen startet die Trappe ihren Flug, sie nimmt also keinen Anlauf. Weil sie nicht sehr hoch fliegen, kann das zu Problemen führen, da das freie und flache Land heutzutage gerne mit Windparks und ähnlichem zugestellt wird. Die Hennen sind viel kleiner und leichter als die Männchen. Der Größenunterschied zwischen Männchen und Weibchen ist deutlicher als bei allen anderen Vogelarten. Während das Männchen über einen Meter groß wird, ist das Weibchen meist nur halb so groß und wiegt nur bis zu fünf Kilogramm. Die Großtrappe ist braun-gescheckt und hat kräftige Beine und einen kräftigen Hals. Ältere Hähne haben einen Federbart, der am Schnabel beginnt und bis zur Mitte des Halses reicht. Großtrappen können 20 bis 25 Jahre alt werden.

Außerhalb der Paarungszeit leben die Trappen meist in Gruppen, getrennt nach Geschlecht. Die Jungtiere bleiben bei den Weibchen. In diesen Gruppen überwintern sie von Oktober bis Januar. Die Balzzeit kann bereits im Februar beginnen und dauert bis Juni an. Dann fliegen die Hahn- und Hennengruppen mehrere Kilometer, um zu dem alljährlichen Balzplatz zu gelangen.

Die Balz ist ein wahres Schauspiel: Der Hahn kehrt dabei die braun gemusterten Flügel um, so dass die weiße Unterseite nach oben zeigt. Den Schwanz klappt er ebenfalls nach oben, so dass auch hier nur das weiße Gefieder zu sehen ist. Den Hals krümmt er ein, bläht den Kehlsack auf und die langen Bartfedern spreizt er nach oben ab. Letztlich weiß der Betrachter nicht mehr wo vorn und hinten ist. Von weitem wirkt der Hahn plötzlich wie verwandelt, wie ein großer Federball oder wie eine aufgegangene Riesenblume. Die Herzschlagrate erhöht sich bei der Balz bis auf 900 Schläge pro Minute. Die Hähne kämpfen einen „Schiebkampf“, bei dem sie sich auch mit ihren Schnäbeln attackieren und nicht selten ein paar Federn lassen. Die Hennen suchen sich dann den kräftigsten Hahn für die Befruchtung ihrer Eier aus. Die Paarung erfolgt kurz und rabiat.

Für die Brut verlassen die Weibchen die Männchen und fliegen in ihr Revier zurück. Die Eier legt die Henne in eine Mulde ohne auspolsterndes Nistmaterial. Nach etwa 25 Tagen Brut schlüpfen ein bis zwei Küken. Sie wiegen bei der Geburt gerade mal 80 bis 100g. Nach vier bis fünf Wochen sind die Jungen schon etwas flugfähig. Dennoch drücken sie sich bei Gefahr noch auf den Boden. Diese Strategie kann ihnen leicht zum Verhängnis werden, da sie von landwirtschaftlichen Maschinen so leicht übersehen werden können. Mit 10 bis 12 Wochen können die jungen Trappen schließlich fliegen. Während die Weibchen mit etwa zwei Jahren geschlechtsreif sind, dauert es bei den Männchen noch etwa zwei bis drei Jahre länger. In besonders strengen Wintern verlassen die Großtrappen ihre Brutgebiete gen Westen. Doch solche Wanderungen bedeuten auch immer Verluste im Bestand, denn nicht selten werden ihnen Freileitungen und fehlendes Nahrungsangebot zum Verhängnis. Die Klimaerwärmung könnte daher einen positiven Einfluss auf die Zahl der hiesigen Großtrappen haben.

Der ursprüngliche Lebensraum der Großtrappen waren Steppenlandschaften. Die im Mittelalter durch Rodungen entstanden Kultursteppen, wurden von den Trappen zahlreich besiedelt. Noch im 19. Jahrhundert waren die Großtrappen in den Agrarlandschaften Europas weitverbreitet. Die heutigen Ackerlandschaften eignen sich nicht mehr für die großen Vögel, da sie durch die intensive Nutzung kaum Ruhe finden.

Auch das in Deutschland weitverbreitete hohe und dichte Intensivgrasland bietet kaum Überlebenschancen. Denn Großtrappen brauchen weite und übersichtliche Lebensräume. Sie ernähren sich von Körner, Samen, Früchten, Insekten, Spinnen, Würmern und Kleinsäugern. Doch in der auf Ertrag getrimmten Kulturlandschaft finden sie kaum Nahrung. Gerade in den ersten Lebenswochen benötigen die Küken zehntausende Insekten von ihrer Mutter zum Überleben. Viele Insekten finden sich vor allem dort, wo die Pflanzenvielfalt groß ist. Doch bei der intensiven Landwirtschaft ist das Gegenteil der Fall. So finden sich für Großtrappen ungestörter Lebensraum und Nahrung nur noch in Schutzgebieten mit extensiv genutzten Wiesen und Brachen. Damit gehören Trappen zu den anspruchsvollsten Vögeln, was den Lebensraum betrifft. Dies gilt insbesondere für die Brut- und Aufzuchtzeit. Von der Eilablage bis zum Flüggewerden vergehen immerhin fast drei Monate. Doch die ertragsorientierte Nutzung von Ackerflächen und Wiesen lässt den Großtrappen nicht ausreichend Zeit. Eine weitere Bedrohung geht von Brutdieben aus. So werden besonders nachtaktive Raubsäuger wie Füchse für Brutverluste verantwortlich gemacht.

Von 1930 bis 1997 hat sich die Zahl der Großtrappen hier von 7000 auf 57 Tiere minimiert. Von etwa 30 Großtrappen-Gebieten sind nur noch drei in Brandenburg übrig geblieben: die Belziger Landschaftswiesen, das Havelländische Luch und grenzübergreifend zu Sachsen-Anhalt, das Fiener Bruch. Hier leben nun dank Naturschutzbemühungen wieder rund 120 Tiere.

Das könnte dich auch interessieren:
Eulbergs heimische Gefilde

Dominik Eulberg – 
Spülsaum (Traum Schallplatten)

www.dominik-eulberg.de