eulberg_hirschkäfer
Insekten sind die artenreichste Klasse in der Tierwelt. In ihr bilden wiederum die Käfer die artenreichste Unterkategorie. Exotische Exemplare findet man aber nicht nur in tropischen Gebieten, sondern auch vor unserer eigenen Haustür.


Das wohl eindrucksvollste Beispiel ist der Hirschkäfer, der Riese unter den heimischen Käfern, der trotz seiner enormen Größe flugfähig ist. Er trägt seinen Namen aufgrund der geweihartigen Ausstülpungen seines Oberkiefers. Der männliche Hirschkäfer kann bis zu neun Zentimeter lang werden, die weiblichen nur bis zu fünf Zentimeter. Auch das Geweih fällt beim Weibchen kleiner aus, während es beim Männchen fast die halbe Körperlange ausmachen kann. An den Enden der imposanten Geweihe befinden sich kammartige Antennen. Ein weiteres Merkmal sind die auf der Oberseite der Vorderbeine sitzenden goldglänzenden, behaarten runde Flecken. Ansonsten sind Hirschkäfer schwarzbraun gefärbt.
Mit seinem „Geweih“ nehmen Hirschkäfer keine Nahrung auf, es dient um Rivalen abzuwehren. Treffen Konkurrenten aufeinander, hacken sie sich mit ihren Geweihen ineinander und versuchen sich gegenseitig auf den Rücken zu werfen oder von einem Ast zu stürzen. Oftmals endet dieser Sturz für den Unterlegenen tödlich. Der Gewinner darf sich schließlich mit dem Weibchen paaren. Dabei stellt er sich über sie und verhindert mit seinem Oberkiefer, dass das Weibchen wegläuft. In dieser Stellung verharren sie unter Umständen mehrere Tage und nehmen immer wieder Nahrung auf, bis die Paarung vollzogen ist. Hirschkäfer lieben besonders alte Eichen. Für die Reifung ihrer Keimzellen brauchen sie Baumsaft, der bestimmte Pilze enthält. Den finden sie an Wundstellen eines Baumes, welche durch Frostrisse, Windbruch oder Blitzschlag entstanden sind. Mit ihren kleinen, aber kräftigen Oberkiefern ist das Weibchen aber auch in der Lage Wunden selbst aufzubeißen. Unterkiefer und Unterlippe des Hirschkäfers sind für die Aufnahme der Säfte perfekt angepasst; Sie sehen aus wie ein gelbes, gefiedertes und gegabeltes Pinselchen.
50 bis 100 befruchtete Eier legt das Weibchen etwa 30 bis 50 Zentimeter unter die Erde, in die Nähe von morschen Wurzelstöcken. Nach etwa 14 Tagen schlüpfen die Larven. Sie häuten sich zweimal und erreichen schließlich eine Länge von zehn bis zwölf Zentimetern, sind also größer als die später fertigen Käfer. Die Larven können übrigens knarrende Geräusche erzeugen, indem sie die Mittel- und Hinterbeine aneinander reiben. Zu welchem Zweck dieses Knarren erzeugt wird ist noch unklar. Die Larven ernähren sich von morschem, feuchtem und verpilztem Holz. Nach fünf, manchmal auch erst nach sechs oder acht Jahren, bauen sich die Larven eine Puppenwiege aus Erde und Mulm. Dieser Kokon ist oval und etwa faustgroß. Seine zwei Zentimeter dicken Wände sind innen mit Nahrungsbrei und Sekreten geglättet, die Pilze und Bakterien abtöten können. Bei den Puppen sind die Oberkiefer noch an den Bauch angelegt. Etwa sechs Wochen nach der Verpuppung schlüpfen die Käfer, bleiben aber den Winter über noch im Boden. Erst im Frühjahr graben sie sich nach oben durch und leben dort nur wenige Wochen. Die meiste Zeit seines Lebens verbringt der Hirschkäfer also unter der Erde. Vor allem von Mitte Mai bis Mitte Juni kann man Hirschkäfern in der Luft oder an einem Baum begegnen. Der Hirschkäfer ist leider besonders selten geworden. Er findet kaum noch geeignete Brutböden. Auch an Saftleckstellen mangelt es. Die Ursachen liegen in der Intensivierung der Forstwirtschaft, bei der die Baumstümpfe gerodet werden und damit kein morsches Holz im Boden zurückbleibt.

Fast genau so imposant ist der Nashornkäfer. Wie der Name schon verrät, trägt er auf der Oberseite des Kopfes ein bis zu zehn Millimeter großes Horn. Das Horn ist nur beim Männchen so stark ausgeprägt und gebogen, während es beim Weibchen kurz ist. In der Größe unterscheiden sich Männchen und Weibchen jedoch nicht: Beide werden bis zu vier Zentimeter lang und weisen eine dunkelbraune Farbe auf. Die Unterseite ist im Gegensatz zur kahlen Oberseite behaart. Der Nashornkäfer benutzt sein Horn ebenfalls zum Paarungskampf. Amerikanische Forscher fanden heraus, je mehr Nahrung der Nashornkäfer findet, desto mehr Insulin produziert der Körper und desto stärker wächst das Horn. Ursprünglich stammen Nashornkäfer aus dem Mittelmeerraum und sind dementsprechend wärmebedürftig. Mittlerweile sind sie auch in Europa, Vorderafrika und Teilen Asiens anzutreffen. Der Handel mit Eichenlohe zum Gerben von Leder hat vermutlich wesentlich zur Verbreitung der Tiere beigetragen.

Ihre Larven haben die typische Engerlings-Gestalt: Es sind bis zu zehn Zentimeter große, weiße Larven, die C-förmig gekrümmt sind. Sie ernähren sich von Sägemehl oder Kompost, weshalb sie häufig in Komposthaufen zu finden sind. Die Larven besitzen nämlich eine spezielle Darmflora die es ihnen gestattet, Holzmaterial aufzuschließen und zu verdauen. Diese Eigenschaft macht sie zu idealen Helfern im Kompost. Auch das Leben des Nashornkäfers spielt sich vornehmlich als Larve ab: Bis zu fünf Jahre verbringen sie so. Dann baut sich die Larve aus Erdkrümeln, Rinden- und Holzmaterial einen etwa pflaumengroßen Kokon. Die fertigen Käfer schlüpfen erst bei höheren Temperaturen, etwa Anfang Juni. Als Käfer bleiben ihm dann noch zwei bis drei Monate. Er fliegt wie der Hirschkäfer im Sommer von Juni bis August. Auch der Nashornkäfer steht auf der roten Liste der gefährdeten Arten.

Nicht gefährdet und eher wegen seiner Massenaufkommen gefürchtet ist der bis zu drei Zentimeter große Maikäfer. Zahlreiche Gedichte, Geschichten und Lieder handeln von ihm, wie etwa „Peterchens Mondfahrt“, eine Geschichte, in der er mit zwei Kindern eine abenteuerliche Reise unternimmt. Maikäfer wurden früher nicht nur als Hühnerfutter verwendet, sondern noch bis Mitte des 20. Jahrhunderts auch von Menschen geröstet in Form einer Maikäfersuppe gegessen. Auch Konditoreien boten sie verzuckert oder kandiert als Nachtisch an. Den Eiweißreichtum der Maikäfer wissen aber auch Wildschwein und viele Vögel zu schätzen. Maikäfer ist kein Artbezeichnung sondern eine Gattung. Bei uns kommen drei Arten vor, die sich gut an ihrer Hinterleibsspitze unterscheiden lassen. Der häufigste Vertreter Mitteleuropas ist der Feldmaikäfer (Melolontha melolontha). Im nördlichen und östlichen Europa sowie in einigen Regionen Deutschlands kommt der Waldmaikäfer (Melolontha hippocastani) vor. Eine dritte, dem Feldmaikäfer sehr ähnliche Art, ist Melolontha pectoralis. Diese ist sehr selten geworden und nur noch vereinzelt in Mitteleuropa anzutreffen. Maikäfer ernähren sich von den Blättern von Laubbäumen. Mit den bis zu 50.000 Geruchssensoren auf den Antennenlamellen spüren die Männchen mit ihren deutlich größeren Fühlern die paarungsbereiten Weibchen auf. Nach der Paarung legen die Weibchen 10 – 100 Eier in den feuchten Erdboden ab. Die Engerlinge leben hier etwa vier Jahre lang und ernähren sich von Pflanzenwurzeln. Im Herbst entwickeln sie sich zum Jungkäfer, überwintern aber noch in der Erde und schlüpfen dann im späten Frühjahr – seinem Namen nach im April oder Mai – und fliegen dann bis Juni. Für die Paarung haben sie dann etwa sechs Wochen Zeit, bis sie sterben. Das Männchen stirbt bei der Begattung, das Weibchen nach der Eiablage.

Die Population von Maikäfern durchläuft einen Zyklus von drei bis fünf Jahren. Dadurch kommt es zu periodischem Massenauftreten an Maikäfern, sogenannte „Maikäferjähren“. Außerdem gibt es alle 30 bis 45 Jahre massenhafte Vorkommen. Bei einer Maikäferplage im Jahre 1911 wurden auf einer Fläche von etwa 1800 Hektar rund 22 Millionen Käfer gesammelt. Auch zwischen 1950 und 1970 gab es besonders viele Maikäfer in Deutschland. Damals wurde vor allem das Gift DDT eingesetzt, um die Käfer zu töten. Das war Anlass für Reinhards Meys Lied „Es gibt keine Maikäfer mehr.“ Aber es gibt sie glücklicherweise bis heute noch. Was die Ursache der Zyklen ist, ist nicht eindeutig geklärt. Es wird jedoch vermutet, dass sich Krankheiten und Parasiten, die speziell Maikäfer befallen, in zusammenhängenden Beständen ungehindert epidemisch ausbreiten können. Erst wenn der Befall die Käfer stark dezimiert hat, haben die verbleibenden Käfer eine höhere Chance, gesund zu bleiben. Auf diese Weise entstehen die längeren Zyklen, an deren Ende eine der berüchtigten Maikäferplagen steht. Bei Forstwirten sind die Plagen deshalb gefürchtet, weil Maikäfer in Massen die Bäume kahl fressen. Die Bäume erholen sich jedoch meist wieder.

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